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Reeser Hilfspaket erreicht die richitgen Menschen in der Ukraine

Dank der Unterstützung von vielen Reesern : Reeser Hilfspaket in der Ukraine

Die Reeser Kolpingfamilie organisierte eine Hilfslieferung an die polnisch-ukrainische Grenze. Dank der Geldspenden geht die Hilfe auch derzeit noch weiter.

Die Aktion wurde so schnell umgesetzt, wie sie ins Leben gerufen worden war: Mitte März, nur wenige Wochen nach dem russischen Angriff auf den Nachbarstaat Ukraine, bat die Reeser Kolpingsfamilie die Öffentlichkeit um Sach- und Geldspenden für die Flüchtlinge an der ukrainisch-polnischen Grenze.

Vorausgegangen war ein dringender Hilferuf, den der Reeser Kolpingbruder Alfred Rippel von Freunden aus dem Krisengebiet bekommen hatte. Ein Lastwagen voller Sachspenden ist längst am Bestimmungsort angekommen, von den Geldspenden in Höhe von circa 21.000 Euro sind derzeit noch 13.000 auf dem Konto der Kolpingsfamilie. Damit soll vor allem Nahrung finanziert werden, die direkt in Polen gekauft und ortsnah an bedürftige Familien verteilt werden soll.

„Verfolgt man die Nachrichten, bekommt man den Eindruck, dass sich der polnische Staat um die vielen Millionen Flüchtlinge kümmert“, sagt der Reeser Alfred Rippel. Das sei aber keinesfalls so: „Es handelt sich fast immer um private Initiativen: Die Polen, die schon zu Friedenszeiten ein gutes Verhältnis zu ihren ukrainischen Nachbarn hatten, tun jetzt alles dafür, dass sie sicher in Polen leben können und gut versorgt werden.“ Die privaten Mittel seien jedoch beschränkt, weshalb die Unterstützung aus Deutschland und anderen Ländern notwendig sei.

 Am Zielort nahe der ukrainischen Grenze entluden polnische Helfer den Lkw der Firma Novoferm mit Muskelkraft und Gabelstapler.
Am Zielort nahe der ukrainischen Grenze entluden polnische Helfer den Lkw der Firma Novoferm mit Muskelkraft und Gabelstapler. Foto: Kolping
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Auch in Rees riefen im März viele private und institutionalisierte Hilfskampagnen zu Spenden auf. „Innerhalb der Kolpingfamilie haben wir kurz diskutiert, ob eine weitere Hilfsaktion überhaupt noch den erhofften Erfolg bringen würde“, erinnert sich Silvia Rotthaus. „Doch weil Alfred Rippel von seinen Freunden an der polnisch-ukrainischen Grenze ganz genaue Vorgaben bekam, was dringend benötigt wird, haben wir unseren Aufruf gestartet. Durch den unmittelbaren Kontakt zu den Flüchtlingen wissen sie besser als jeder andere, woran es in der Grenzregion mangelt.“

Die Resonanz war überwältigend: Der Vorplatz und ein Lagerraum der Firma Fliesen Thiele an der Empeler Straße waren nach zwei Wochenenden gefüllt: Feld-, Gäste- und Kinderreisebetten wurden in großer Stückzahl gespendet oder konnten günstig gekauft werden. In riesigen Kartons sammelten sich Decken, Kopfkissen, Schlafsäcke, Verbandskästen, Hygieneartikel, Taschenlampen, Batterien, Powerbanks und Schmerzmittel wie auch gespendete Krankenbetten, Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen.

Als sich abzeichnete, dass im Lastwagen noch Platz für Kleidung, Spielwaren und Lebensmittel bleiben würde, obgleich diese im Spendenaufruf nicht erwähnt worden waren, hob der Gabelstapler auch diese entsprechenden Paletten in den Lkw, den die Firma Novoferm auf Anfrage zur Verfügung gestellt hatte. Nach zwei Tagen und einer Nacht erreichte die Reeser Hilfslieferung ihr Ziel in Polen. Sofort schickten die dortigen Kontaktpersonen Fotos per Handy an den Niederrhein: Sie zeigten neben den Kartons auch die Nationalflaggen von Deutschland, Polen und der Ukraine sowie die Europa-Flagge. Von der Grenze aus fuhren die lokalen Helfer die Hilfsgüter mit Kleintransportern durch die Fluchtkorridore in die Ukraine.

„Wir wissen, dass die richtigen Menschen unsere Spenden bekommen haben“, betont Alfred Rippel, und Silvia Rotthaus stellt klar: „Wir überweisen kein Geld direkt ins Krisengebiet! Die Spenden sind für die humanitäre Hilfe bestimmt und sollen das Leid der Menschen lindern, die von diesem immer schlimmer und dramatischer werdenden Angriffskrieg betroffen sind.“

Ein weiterer Lkw-Transport von Rees an die polnisch-ukrainische Grenze ist derzeit nicht geplant. Wohl aber sollen die verbliebenen (und gern auch künftige) Geldspenden nach und nach auf polnische Konten überwiesen werden, damit dort Nahrungsmittel und andere benötigte Güter gekauft und verteilt werden können.