Reeser Geschichstverein besucht das Museum des Schnellen Brüters in Kalkar

Reeser Geschichtsverein : Ressa auf Zeitreise beim Schnellen Brüter

Der Reeser Geschichtsverein und seine Gäste erhielten interessante Einblicke in die Geschichte des Reaktors, der nie ans Netz ging.

 (ms) Straßensperren verhinderten die freie Fahrt durch Hönnepel, Polizeifahrzeuge säumten den Weg zum Schnellen Brüter, Demonstranten hielten selbstgemalte Schilder hoch und skandierten ihren Unmut. Der Ausflug des Reeser Geschichtsvereins Ressa zum Brüter-Museum im Wunderland Kalkar glich einer Zeitreise. Zwar war am Samstag der umstrittene Landesparteitag der AfD der Grund für die Proteste und den Polizeieinsatz, doch die Stimmung glich durchaus jener aus den 70er Jahren, als Atomkraftgegner in Kalkar den Bau und die Inbetriebnahme des Schnellen Brüters verhindern wollten.

Anfang September hatten die damals aktiven Demonstranten bei einem Ressa-Vortrag im Reeser Bürgerhaus über ihre letztlich erfolgreiche Protestbewegung berichtet, einen Monat später wollte der Geschichtsverein nun auch einen Befürworter der Atomenergie zu Wort kommen lassen. Karl-Heinz Rottmann, einst bei der Betriebsfeuerwehr des Schnellen Brüters angestellt, ging in seiner Führung über das 20 Hektar große Gelände wiederholt auf die hohen Sicherheitsstandards ein, die seit dem Baubeginn des „Schnellen Natriumgekühlten Reaktors“ (SNR-300) am 1. April 1973 galten.

Überrascht hörten die 35 Mitglieder und Gäste des Geschichtsvereins, dass die 7 Milliarden D-Mark teure Investitionsruine nie Strom erzeugen sollte. Sie war ein reiner Forschungsreaktor. Der eigentliche Schnelle Brüter wäre später gleich nebenan gebaut worden, auf den seither brachliegenden Rheinwiesen, auf denen das Wunderland Kalkar nun Tractorpulling und Feuerwerksmessen ausrichtet. Karl-Heinz Rottmann beeindruckte mit großen Zahlen: 85.000 Tonnen Stahl und 250.000 Meter Kabel wurden verbaut, 1430 Meter Wassergraben und 1590 Meter Betonzaun sichern bis heute die Anlage, einst zählten 21 Gebäude mit 1700 Räumen zum nie ans Netz gegangene Kraftwerk.

Im Mittelpunkt der zweistündigen Führung stand das Brüter-Museum im ehemaligen Notstromgebäude. Es entstand auf Initiative des pensionierten Ingenieurs Klaus Hamann, der den Forschungsreaktor einst mit aufbaute und 20 Jahre später, Ironie des Schicksals, beim Rückbau der Anlage mitwirken musste.

Das Brüter-Museum versetzt die Besucher in die späten 80er Jahre zurück, in denen der Reaktor prinzipiell einsatzbereit war und 17 von 20 nötigen Teilgenehmigungen ausgestellt worden waren. Doch am 21. März 1991, fast fünf Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl,  verkündete Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber das endgültige Aus für den Schnellen Brüter.

Der Kalkarer Stadtrat forderte damals einen Abriss der Anlage, doch 1995 kaufte der niederländische Investor Henny van der Most den Betonkoloss für (kolportierte) 5 Millionen D-Mark und investierte weitere 50 Millionen in den Umbau zum Freizeitpark.

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