Rees: Trockener Sommer treibt Kosten von Milchbauern hoch

Milchbauern müssen Futter zukaufen : Trockener Sommer treibt die Kosten hoch

Für Milchbauern, die ohnehin schon unter großem Preisdruck zu leiden haben, ist die Situation nach dem letzten Sommer nicht einfacher geworden. Weil Mais- und Gras-Ernte schwach ausfielen, müssen sie Futter zukaufen.

Die extreme Trockenheit im Sommer hat auch bei den Futterbau-Milchbetrieben im Kreis Kleve ihre Spuren hinterlassen. „Die Landwirte müssen viel mehr Futter als sonst zukaufen“, sagt Franz-Josef Stork von der Landwirtschaftskammer in Kleve und Leiter von Haus Riswick. Das kann Markus Hübers vom Overbergshof in Helderloh nur bestätigen. „Uns fehlen jetzt etwa 40 Prozent an Mais und Gras. Viehfutter, das wir sonst selbst anbauen“, ergänzt der 44-Jährige. Besonders in Mitleidenschaft gezogen durch die trockenen Böden wurde Gras. „Da gab es nur zwei der sonst bis zu fünf Schnitte“, so Hübers.

Die Lima-Holstein KG, wie der Kooperations-Betrieb von Markus Hübers und Albert Awater aus Haldern heißt, ist mit ihren 310 Milchkühen und 160 Stück Jungvieh einer der größten Milchvieh-Betriebe im Kreis Kleve – die Kühe liefern Spitzenwerte, was die Milch-Produktion betrifft. „Pro Kuh im Schnitt 11.500 Liter pro Jahr“, sagt der Landwirt.

16 Tonnen Futter benötigen die Tiere – täglich. Und weil durch die Trockenheit Futter, also Mais und Gras, zugekauft werden muss (plus Kraftfutter aus Körnermais, Raps und Soja), haben die Milchviehbauern laut Landwirtschaftskammer drei bis vier Cent an Mehrkosten pro Liter Milch. „Für unseren Betrieb würde das 90.000 bis 120.000 Euro ausmachen“, überschlägt Stork. Die Mehrkosten seien der Kammer zufolge im Schnitt um gut zehn Prozent gestiegen.

„Ich habe schon mehrfach gehört, dass auch hier Betriebe nicht mehr weitermachen können“, sagt Markus Hübers. So sollen auch schon Landwirte wegen des Kostendrucks Jungvieh früher als geplant verkauft haben. Er sei jedenfalls froh darüber, dass er gerade beim Gras auf gute Futter-Reserven habe zurückgreifen können. Immerhin bewirtschaftet er selbst 130 Hektar Fläche für den Futteranbau, zudem weitere 30 Hektar bei Vertrags-Landwirten. Beim Stroh zum Streuen der Ställe musste er aber auch mehr als sonst zukaufen – 140 Tonnen benötigt er jährlich.

Probleme, an das zusätzliche Futter für seine Tiere zu kommen – eben Silo-Mais, Gras und Pressschnitzel von der Zuckerfabrik in Appeldorn – gab es indes keine. Das habe man alles in der Region beschaffen können, wohl eben zu höheren Preisen, sagt der Landwirt, der ehrenamtlich Mitglied im Aufsichtsrat einer der weltweit größten Molkereien, der Arla Foods mit Hauptsitz in Dänemark, ist. Hübers geht jetzt davon aus, dass der trockene Sommer 2018 eine extreme Ausnahme war – der letzte sei 1975 gewesen. Jetzt ist der Boden wieder gut durchnässt, auch wenn der Grundwasser-Spiegel noch zu niedrig sei. „Ich bin durchaus optimistisch, dass wir wetter-technisch ein gutes Jahr haben könnten“, sagt Hübers.

Wie es langfristig mit dem gut 450 Jahre alten Overbergshof, der immer im Besitz der Familie war, weiter gehen wird, weiß der Familienvater noch nicht. Tochter Rahel (19) hat gerade ihr Abitur gemacht und beginnt jetzt erst eine landwirtschaftliche Ausbildung, bevor sie dann Agrar-Business studiert.

(rey)