Rees: Prozessauftakt gegen 30-Jährigen nach Beilattacke

Rees/Kleve : Beil-Attacke: Junge Frau leidet noch immer

Überfälle mit einem Beil in Haldern und Empel: Beim Prozess-Auftakt gegen einen Flüchtling vor dem Langericht in Kleve sagten die Opfer aus. Eine 23-Jährige musste nach der Tat in psychiatrische Behandlung.

Zum Prozessauftakt am Landgericht Kleve erfolgte die Verlesung der Anklage durch Staatsanwalt Ralf Trepmann. Demnach soll der 30-jährige Marokkaner aus Rees am Abend des 2. Januar am Bahnhof in Haldern einen Mann mit den Worten „Du Geld?“ mit einer Axt bedroht haben. Der habe ihm 25 Euro auf den Boden geworfen und sei geflüchtet.

Ein paar Minuten später habe er dann an der Halderner Straße in Empel, 150 Meter vor der Einmündung zur B 67, im Waldstück ein Fahrrad platziert, einen Opel Corsa mit einem jungen Paar damit gestoppt. Anschließend habe er den Wagen mehrfach mit der Axt attackiert. Erst als die jungen Leute den Angeklagten angeschrien hätten, sei er geflohen.

Mit viel Einfühlungsvermögen befragte Richter Jürgen Ruby die junge Weselerin, die am Steuer des attackierten Opel Corsa gesessen hatte. Immer wieder musste die 23-Jährige eine Pause machen – von einer Zeugenbetreuerin begleitet –, ein Taschentuch zur Hand nehmen. Sie schilderte, wie sie mit ihrem Freund spätabends bei starkem Regen und Kälte nach Hause gefahren sei und „gedacht hatte, da liegt ein großer Ast“ auf der Straße. Dann habe sie eine Vollbremsung gemacht. „Da kam direkt der Schlag auf der Seite und noch ein Schlag.“ Mit dem zweiten sei die Scheibe an der Beifahrerseite zersprungen, aber „es ging alles so durcheinander“. Sie habe erst vermutet, „ich hätte jemand überfahren und jemand würde mich anschreien.“Der Angeklagte habe so was wie „Aussteigen“ geschrien, das andere habe sie nicht verstanden. „Dann gab es noch einen Schlag aufs Auto, mein Freund schrie.“ Er habe am rechten Oberarm auch einen kleinen Schnitt und Blutergüsse erlitten. Sie habe dann den Mann mit dem Beil weglaufen sehen.

Vor Gericht war sie sich nach ein paar Sekunden sicher, dass der Angeklagte der Angreifer war: Ihr stecke das Ganze „noch richtig in den Knochen“. Sie sei auch in psychischer Behandlung gewesen. Wie es ihr heute gehe, fragte Ruby. „Ganz gut, ich fahre auch mit dem Auto, aber ungern abends allein. Manchmal schlafe ich auch nicht vernünftig, bin noch sehr schreckhaft.“

Ihr Freund ergänzte ihre Darstellung im Wesentlichen. Der dritte Schlag sei mit der Klinge am rechten Oberarm gelandet und habe zu einer Wunde und zu Hämatomen geführt. Da seien ihm dann „die Sicherung durchgebrannt“. Er sei aufgesprungen und habe ihn angeschrien. Noch bevor er das Auto verlassen habe, sei der Angreifer „zackig weggerannt“. Er habe den Mann eindeutig an den Augenbrauen und den Augen erkannt, sagte der junge Weseler aus, jetzt sei er „etwas vorsichtiger und voreingenommener“ gegenüber Flüchtlingen und Migranten.

Am Ende meldete sich dann der Angeklagte über seinen Dolmetscher zu Wort. Er schilderte seinen Werdegang mit Abitur, nicht abgeschlossenem Jurastudium, der Arbeit als Taxifahrer, dem Krebstod seiner beiden Eltern und seiner Verfolgung als „Berber“ durch die marokkanischen Behörden – mit schwerer tagelanger Folter.

Er sei mit einem Visum nach Spanien gekommen, war kurz in den Niederlanden und habe eigentlich nach Dänemark weiterreisen wollen, wenn man ihm nicht den Pass entwendet hätte und er nicht zusammengeschlagen worden wäre. So habe er dann doch Asyl beantragt, sei nach Rees gebracht worden.

In Gelsenkirchen habe er mit einer Frau einen nicht leiblichen Jungen, der aber „mit auf einem Dokument steht“ und für ihn „wie ein Sohn sei“. Zu seinen persönlichen Aussichten meinte er nur: „Mein Leben ist futsch.“

Der Prozess wird fortgesetzt.

(aflo)
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