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Rees: Herman Voß im Alter von 93 Jahren gestorben

Reeser Urgestein : Trauer um Hermann Voß

Hermann Voß ist am vergangenen Samstag im Alter von 93 Jahren gestorben. Der Metzgermeister prägte nicht nur das Reeser Geschäftsleben nachhaltig, sondern widmete sich auch der Aufarbeitung der Stadtgeschichte und der Mundart.

„Die Heimat und die Menschen waren ihm wichtig“, sagt Heinz Wellmann, Vorsitzender des Reeser Geschichtsvereins „Ressa“, zu dessen Gründungsmitgliedern Hermann Voß im Jahr 1987 gehörte. „Wir verlieren nicht nur unser erstes Ehrenmitglied, sondern auch einen Zeitzeugen der bewegten Reeser Vergangenheit“, betont Wellmann.

In den letzten beiden Ausgaben des Jahrbuchs „Reeser Geschichtsfreund“ schilderte Hermann Voß in beeindruckenden Worten, wie er die Bombardierung seiner Heimatstadt im Jahr 1945 überlebte und wie arbeitsreich der Wiederaufbau des elterlichen Metzgereibetriebes und der gesamten Stadt Rees verlief. Gemeinsam mit Agnes Jay und Hermann Venhofen arbeitete Hermann Voß in den letzten Jahren im Stadtarchiv intensiv an zwei „Rääße Platt“-Wörterbüchern, um die Sprache seiner Vorfahren für die Nachwelt zu erhalten. Der „Ergänzungsband“ enthält 100 Seiten mit Redensarten, Gedichten und Liedern, die Hermann Voß akribisch festgehalten hat. „In solchen Redewendungen steckt viel Lebensweisheit“, betonte Hermann Voß bei der Buchvorstellung im November 2020.

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Kurz zuvor hatte die Stadt Rees ihn für seinen langjährigen Einsatz im Koenraad-Bosman-Museum geehrt. Seit dessen Eröffnung im Februar 1997 gehörte Hermann Voß zu den ehrenamtlichen Museumshelfern. Kulturamtsleiterin Sigrid Mölleken würdigte neben der Einsatzfreude vor allem auch die Herzlichkeit und den verschmitzten Humor des Jubilars. 

Hermann Voß kam am 27. April 1928 als Sohn des Metzgermeisters Ernst Voß und dessen Frau Johanna Voß, geborene Schülling, zur Welt. In einer Chronik, die Hermann Voß zum 100-jährigen Bestehen des Familienbetriebs im Jahr 1997 verfasst hat, schrieb er: „Die Zeit zwischen der Hochzeit meiner Eltern und dem Beginn des Krieges im September 1939 war geprägt durch Fleiß, Geschäftssinn und gutes Vorankommen im Geschäft.“

Dies änderte sich mit der Bombardierung von Rees: „So sahen wir uns durch diesen unsinnigen Krieg von einem auf den anderen Tag unseres Hauses beraubt und in eine Notunterkunft geflüchtet.“ Mit Fleiß und Disziplin erfolgte der Wiederaufbau des Betriebs, bis Hermann Voß und seine Schwester Anni (geboren 1932) weitere Schicksalsschläge erlebten: 1952 starb der Vater, kurz vor seinem 60. Geburtstag, bei einem Jagdunfall. 1954 starb dann auch die Mutter im Alter von nur 54 Jahren an Krebs.

Hermann Voß legte in dieser Zeit die Meisterprüfung ab, übernahm den Familienbetrieb und heiratete 1958 Margret Schulte aus Iserlohn, die er ein Jahr zuvor kennengelernt hatte, als sie im Reeser Hotel Streuff ein Haushaltsjahr absolvierte. Die Hochzeitsreise führte das Paar nach Rom. 1959 kam Sohn Karl-August zur Welt, gefolgt von Johannes (1960), Annegret (1962) und Dominik (1966). „Unsere Kinder wuchsen in einem typischen Geschäftshaushalt auf, in dem es immer schwer war, das Private von Geschäftlichem zu trennen“, hielt Hermann Voß in seiner Chronik fest.

1972 wurde die Metzgerei von der Poststraße in die Dellstraße verlegt, nachdem Familie Voß das Hutgeschäft Thenagels mit der Hausnummer 2 gekauft und umgebaut hatte. Ob Kirmes, Stadtfest oder Karneval: Hermann Voß versorgte die Reeser Bürger nicht nur mit Spezialitäten, sondern auch immer mit guten Ideen, herrlichen Anekdoten und originellen Schaufensterdekorationen. Zum 1. Januar 1993 übergaben Hermann und Margret Voß die „blaue“ City-Metzgerei an Sohn Ernst-August und Schwiegertochter Agnes Voß, geborene Otten. Am 31. Juli 2021 wurde die Metzgerei, nach 124 Jahren, geschlossen. Vier Voß-Generationen (Urenkelin Fjella wurde im Sommer 2021 in der Schweiz geboren) konnten bei dieser Gelegenheit noch einmal gemeinsam feiern und auf Vergangenes zurückblicken.

Am 31. Oktober ist Hermann Voß nun im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen. Das Auferstehungsamt findet am Freitag, 5. November, ab 9 Uhr in der Reeser Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt statt. Anschließend ist die Beisetzung auf dem kommunalen Friedhof am Westring. Hermann Voß findet seine letzte Ruhe in der Grabstätte der Familien Schülling, Voß und Sevens.