1. NRW
  2. Städte
  3. Emmerich

Rees-Haldern: Randalierende Flüchtlinge sorgen für Entsetzen

Fenster und Möbel zertrümmert : Entsetzen in Rees nach Randale in neuer Flüchtlingsunterkunft

Am Wochenende haben acht Flüchtlinge mit Eisenstangen in einer Flüchtlingsunterkunft in Rees-Haldern randaliert. Die Behörden zeigen sich entsetzt über das Ausmaß der Gewalt. Am Engagement der Flüchtlingshelfer soll das aber nichts ändern.

Die neue zentrale Unterbringungseinrichtung des Landes (ZUE) im Reeser Stadtteil Haldern liegt weit außerhalb. Von der Einfahrt des ehemaligen Depots der Bundeswehr bis zur Landstraße sind es etwa 500 Meter, bis zum Ortskern von Haldern weitere vier Kilometer. Dazwischen liegen einige Bauernhöfe, Einfamilienhäuser - und vor allem gibt es viel Wald drumherum. Ein Funkloch ist dieses abgeschiedene Gebiet zwischen Rees-Haldern und Hamminkeln-Mehrhoog außerdem. Der Handyempfang bricht schon auf der Landstraße vor der Einfahrt weg.

Erst vergangene Woche wurde die Unterkunft eröffnet. Dass hier am Freitag und Samstag acht Männer aus Togo und Ghana randaliert und Sicherheitspersonal bedroht haben sollen, sorgt jetzt über den Niederrhein hinaus für Entsetzen: Wie berichtet war am Freitagabend eine Gruppe Geflüchteter an der Unterkunft angekommen. Schon da gaben mehrere von ihnen deutlich zu verstehen, dass ihnen das Heim nicht gefällt - zu abgeschieden und kein Handyempfang.

Die Polizei musste anrücken und konnte die Situation erst mal beruhigen. Am Samstagvormittag dann sollen sich die acht Männer zwischen 18 und 28 Jahren zu Fuß auf den Weg zum Halderner Ortskern gemacht und dort Alkohol gekauft haben. Auf Baustellen auf dem Weg sollen sie Eisenstangen gefunden und mit zurück zur Unterkunft genommen haben. Laut Polizei bedrohten sie das Sicherheitspersonal, zerschlugen mit den Eisenstangen Fensterscheiben und Möbel. Vier der acht Männer sollen dabei alkoholisiert gewesen sein.

Die Polizei rückte erneut an und überwältigte die Randalierer. Dabei sei es zu einer Rangelei gekommen, bei der ein Polizist umknickte und sich den Fuß brach. Gegen die acht Männer wird nun ein Strafverfahren wegen schweren Landfriedensbruchs, Widerstandes, Bedrohung, Körperverletzung und Sachbeschädigung eingeleitet. Einer der Randalierer musste eine Nacht in Polizeigewahrsam verbringen, wurde dann aber wieder freigelassen. Die Gruppe wurde nun aufgeteilt und in insgesamt vier andere Unterkünfte gebracht.

Im Ortskern in Haldern ist von der Aufregung vom Wochenende am Montag nur noch wenig zu spüren. Wegen der vielen Polizeiwagen, die zur Unterkunft fuhren, wurde in den sozialen Medien viel spekuliert, was an dem gerade erst eröffneten Heim los sein könnte. Viele Anwohner haben erst durch die Presse von den Randalierern erfahren. Die meisten, die am Montagmittag in Haldern unterwegs sind, sagen, von dem Vorfall hätten sie nichts mitbekommen. Von der Gewalt zeigen sich viele erschrocken.

Eine Rentnerin, die mit dem Fahrrad unterwegs ist und ihren Namen nicht nennen will, äußert Sorge und Angst: "Am Samstag habe ich hier viel Polizei gehört. Was los war, habe ich in der Zeitung gelesen und finde das ganz schrecklich, wie brutal die Männer waren." Normalerweise gehe sie in dem Gebiet spazieren, wo die neue Einrichtung steht. Das will sie jetzt aber nicht mehr tun. "Sowas ist gefährlich und hat auch nichts mehr mit Menschlichkeit und Nächstenliebe zu tun. Die sind frustriert, ja, aber das ist doch kein Grund, mit Eisenstangen um sich zu prügeln."

Eine andere Frau aus Haldern erzählt von ihren erwachsenen Kindern und wie sie sich über die Spekulationen in den sozialen Netzwerken aufgeregt haben: "Was die Leute da teilweise geschrieben und gemutmaßt haben, hat die wirklich sauer gemacht."

Die Flüchtlingshelfer in der Stadt wollen sich von dem Vorfall nicht beirren lassen. Helmut Wesser ist Mitglied bei den Grünen und engagiert sich seit den 90er Jahren in der Flüchtlingshilfe. Die Initiative "Fremde werden Freund", in der er Mitglied ist, setzt sich vor allem für die geflüchteten Menschen ein, die langfristig in Rees unterkommen. Deshalb kennt er die Menschen und bekommt mit, wenn es Probleme gibt. "In dieser Schwere hatten wir noch keine Vorkommnisse. Bisher gab es eher einzelne Beschwerden wegen Ruhestörungen", sagt Wesser. Der Krawall vom Wochenende ändere nichts an seinem Engagement: "Angst habe ich nicht. Aber ich halte es für völlig richtig, dass der Sache jetzt nachgegangen wird und sie strafrechtlich verfolgt wird."

An der Wache am Eingang der Unterkunft sind am Montag unterdessen noch deutliche Spuren zu sehen. Die Fensterscheiben sind an einer Stelle mehrfach zersplittert, notdürftig kleben sie Mitarbeiter mit Papier ab. Ob das die randalierenden Männer am Samstag waren, will niemand bestätigen. Auch sonst äußern sich vor Ort weder das Sicherheitspersonal noch die Mitarbeiter der Malteser, was am Samstag passiert genau ist - und verweisen auf die Bezirksregierung Düsseldorf.

Da ist man offenbar entsetzt über das Ausmaß der Gewalt. "Einen solchen Fall haben wir bislang in unseren Einrichtungen noch nicht gehabt", sagt Dorothee Gindrig, Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf. Eine Konsequenz, die jetzt aus den Vorfällen in Haldern gezogen werden soll: "Ein Mitarbeiter des Landes mit guten polizeilichen Kenntnissen soll sich die Einrichtungen genau anschauen, um eventuell weitere Sicherheitsmaßnahmen umsetzen zu können."

Ob die Vorfälle von Haldern Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Asylverfahren der Randalierer haben, kann die Bezirksregierung in Düsseldorf nicht beurteilen. Dafür ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zuständig. Klar ist allerdings, dass zumindest Ghana als sicheres Herkunftsland gilt. Eine solche Einstufung ist zwar nicht gleichbedeutend mit einer sofortigen Abschiebung, macht eine Rückkehr der Menschen aus solchen Ländern in ihre Heimat jedoch um einiges wahrscheinlicher.

(see)