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Ratsmitglieder und Ortsvorsteher in Rees verabschiedet

Politik : „Rat von immer größerer Bedeutung“

Zum Auftakt der jüngsten Ratssitzung verabschiedete der Bürgermeister elf ehemalige Ratsmitglieder und einen Ortsvorsteher. Der Akt hätte eigentlich schon vor mehr als anderthalb Jahren vollzogen werden sollen.

Bürgermeister Christoph Gerwers nannte es ein „Novum in der fast 800-jährigen Geschichte der Stadt Rees“, dass ehemalige Ratsmitglieder erst 20 Monate nach der Neukonstituierung des Stadtrates feierlich verabschiedet werden. In Corona-Zeiten habe er aber bewusst so lange gewartet, bis dieser Anlass „ohne schlechtes Gewissen“ mit einer persönlichen Begegnung und einem Abendessen im Bürgerhaus kombiniert werden kann.

Gerwers lobte die Rolle der politischen Vertreter: „Wenn sich die Bürgerinnen und Bürger immer weniger mit Themen auseinandersetzen wollen und können, dann kommt den Ratsmitgliedern eine immer größere Bedeutung zu.“ Sie würden der Bevölkerung und auch enttäuschten Interessensvertretern erklären, warum die im Rat getroffenen Entscheidungen in eine gute Richtung gehen, auch wenn es „immer öfter nicht mehr die einzig richtige Lösung“ gebe. „Dieser Abwägungsprozess erfordert Sachverstand und kostet Zeit und Mühe“, sagte der Bürgermeister und attestierte den Ratsmitgliedern eine gute Arbeit: „Es wurde im Rat nur selten Parteipolitik betrieben, und meist stand das Wohl der Stadt an allererster Stelle.“

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Elf Ratsmitglieder, die bereits zum 31. Oktober 2020 aus dem Rat ausschieden, wurden nun zum Auftakt der jüngsten Ratssitzung im Bürgerhaus in alphabetischer Reihenfolge verabschiedet.

 

Albert Bömer (Bündnis 90/Die Grünen) war von 2009 bis 2020 im Rat, aber auch schon von 1984 bis 1989 Stadtverordneter. Die Schwerpunkte seiner politischen Arbeit lagen im Ausschuss für Umwelt, Planung, Bau und Vergabe sowie im Haupt- und Finanzausschuss.

 

Carina Bücker (SPD) gehörte von 2014 bis 2020 zu den jüngsten Mitgliedern im Rat. Als Lehrerin und Mutter widmete sie ihre politische Arbeit vor allem den Themen Jugend und Schule. Bürgermeister Gerwers verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass Carina Bücker, wie auch andere junge Mitglieder der Fraktionen, zu einem späteren Zeitpunkt wieder in den Rat der Stadt zurückkehren.

 

Nadine Dierkes (CDU) war von 2009 bis 2022 im Rat. Die Berufsschullehrerin war in dieser Zeit schulpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Themen Integration und Inklusion sowie Schule, Bildung und offener Ganztag waren die Schwerpunkte ihrer politischen Arbeit. Außerdem engagierte sie sich im Haupt- und Finanzausschuss.

 

Karl Goris (CDU) war von 1979 bis 1984 sowie von 1991 bis 2020 Ratsmitglied. Steckenpferd des Wittenhorsters war der Bauausschuss, den er von 2009 bis 2020 auch leitete. Goris, der am Dienstag seinen 80. Geburtstag feierte, wurde in der ganzen Region als Experte für das Errichten von Kindergärten bekannt. „Beim Bau des neuen Kindergartens am Grüttweg profitiert auch die Stadt Rees erheblich davon, dass Karl Goris es noch immer nicht so ganz lassen kann“, freute sich der Bürgermeister.

 

Mariehilde Henning (CDU) gehörte von 2002 bis 2020 dem Rat an und war ab 2004 auch 1. Stellvertretende Bürgermeisterin. Gerwers nannte sie seine „bessere Hälfte“ und eine „mütterliche Freundin“, die ihre repräsentativen Aufgaben „sympathisch, stets mit einem Lächeln auf den Lippen und immer freundlich im Umgang mit Funktions- und Amtsträgern und allen Bürgern“ löste. „Müsste ich eine Reeserin benennen, die bodenständig und absolut authentisch ist und überall gut ankommt, würde ich immer Mariehilde Henning zu allererst nennen“, sagte Gerwers.

 

Theo Kersting (CDU) war von 1992 bis 2020 Ratsmitglied und ist seit 1989 als Halderner Ortsvorsteher tätig. Der Bürgermeister nannte Kersting einen „echten Kümmerer“, der jede Aufgabe „mit Leib und Seele“ und großem Engagement ausführt, egal ob im Haupt- und Finanzausschuss, Aufsichtsrat der Stadtwerke, Betriebsausschuss Bauhof- und Bäderbetrieb, Verbandsversammlung, Kirchenchor, Kirchenvorstand oder Schützenverein. Er sei der stille Mann im Hintergrund, der stets „besonnen, zuhörend, fleißig und zuverlässig“ sei und nun unermüdlich als Ortsvorsteher weitermache.

 

André Pohle (SPD) war von 2004 bis 2020 im Rat. Bürgermeister Gerwers lobte Pohles kritische und hinterfragende Art. „Trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten habe ich gern mit ihm zusammengearbeitet und wünsche ihm für Beruf und Privatleben mit seinen noch jungen Kindern alles Gute.“ Als sachkundiger Bürger im Ausschuss für Umwelt, Planung, Bau und Vergabe und somit als „kritischer Geist gegenüber der Verwaltung“ bleibt Pohle der Reeser Politik erhalten.

 

Hans-Peter Schilling (CDU) war von 2008 bis 2020 Ratsmitglied und in dieser Zeit in elf Ausschüssen und Gremien tätig. Im Ausschuss für Umwelt, Planung, Bau und Vergabe setzte er sich schon früh für mehr Urnenstelen auf den örtlichen Friedhöfen ein. „Und er sollte Recht behalten“, sagte Bürgermeister Gerwers. „Die Urnenbestattung ist längst auch in Rees zu der gängigsten Bestattungsform geworden.“

 

Heinz Schneider (FDP) gehörte von 2014 bis 2020 dem Rat an. Der Finanzbeamte hatte auch in der Rats- und Ausschussarbeit einen finanzpolitischen Schwerpunkt. Darüber hinaus gehörte er als Fraktionsvorsitzender der FDP der Fraktionsvorsitzenden-Runde an, in der wichtige Entscheidungen, insbesondere in Corona-Zeiten, vorbesprochen wurden.

 

Fritz Thiele (CDU) war von 2008 bis 2020 Mitglied im Rat. Dort und in den Ausschüssen brachte er seinen Sachverstand aus der Bauwirtschaft ein. „Nach zwölfjähriger Tätigkeit des Vaters hat nun Sohn Friedrich Jens das politische Erbe übernommen und wohnt, ganz im Sinne des früheren Ortsvorstehers Conny Meyboom, Gott sei Dank auch in Empel“, sagte Gerwers.

 

Ahmet Tolun (SPD) gehörte dem Rat von 2014 bis 2020 an. „Als Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss und im Kulturausschuss pflegte Ahmet Tolun einen engen Draht zur Bürgerschaft“, sagte Gerwers, „und er verstand es, mit seiner kommunikativen Art als Multiplikator des Rates aufzutreten.“ Der Bürgermeister hoffte, dass „Ahmet Tolun irgendwann den Weg wieder zurück in den Stadtrat finden“ wird.