Rees: Raketenstart von der anderen Rheinseite

Rees : Raketenstart von der anderen Rheinseite

Wegen der Baustelle musste das Feuerwerk gestern erneut hinter Bäumen gestartet werden. Daher wurden die Raketen besonders hoch geschossen, um auf der anderen Seite auch noch richtig zu wirken.

Wenn die erste Rakete in den Himmel gestiegen ist, kann sich Feuerwerker Michael Sachs eigentlich zurücklehnen und das Schauspiel genießen. Im Normalfall. Denn wenn das große Spektakel gezündet wird, hat Sachs seine Arbeit erledigt, der Rest ist Sache der Technik. "Für jedes Feuerwerk sind lange Vorbereitungen nötig, das eigentliche Zünden selbst ist dann eher Routine", sagt der Mann, der seit vielen Jahren für das Feuerwerk zum Abschluss der Reeser Kirmes verantwortlich ist. Auch gestern stiegen die Raketen wieder in den Himmel und sorgten für einen stimmungsvollen Abschluss der Kirmestage.

Wie viel Arbeit in dem Spektakel steckt, ahnen die wenigsten. Denn ein Feuerwerk will komponiert werden wie ein Musikstück, erläutert Michael Sachs. Es muss passen, eine "Melodie" haben, passende Ouvertüre und Schlussakkord. "Jedes Jahr versuche ich, etwas Neues zu bieten. Ich will zusätzliche Akzente setzen, um die Zuschauer immer wieder zu begeistern", sagt er.

In Rees sei das eine besondere Herausforderung. Denn hier wird das Feuerwerk traditionell auf der anderen Rheinseite in Reeserschanz gezündet. Da der Rhein an der Stelle sehr breit ist, liegen fast 800 Meter zwischen Feuerwerk und Promenade. "Wir können in Rees daher immer nur mit großen Bomben arbeiten, kleinere Effekte wären auf der anderen Rheinseite gar nicht mehr zu erkennen", erläutert der Feuerwerker, der jedes Spektakel minutiös am Computer plant und programmiert.

Momentan gibt es ein zusätzliches Problem für den Raketenmann. Wegen der Baustelle an der Flutmulde musste die Abschussrampe für die Feuerwerkskörper weiter nach hinten rücken. Daher werden die Raketen seit einigen Jahren hinter Bäumen gestartet. Um da noch gute Effekte zu erzielen sind besonders großkalibrige Bomben nötig, die weit in den Himmel steigen. Mindestens 100 Meter müssen die Raketen in die Luft steigen, um überhaupt die gewünschten Effekte erzielen zu können. Sobald die Baustelle beendet ist (im nächsten Jahr könnte es soweit sein), kann Sachs sein Feuerwerk dann wieder mehr variieren. Dann rücken die Raketen nach vorne ans Rheinufer und es können auch "flachere" Effekte in 60 Meter Höhe geboten werden.

Vorteil des Höhenfeuerwerks 100 Meter über dem Flus ist, dass die Schifffahrt nicht beeinträchtigt wird. Üblicherweise mussten die Schiffe sonst während des Feuerwerks eine Pause einlegen. Jetzt können sie vorsichtig die Stelle passieren. Die vorbeiziehenden Frachter im Lichterschein der Raketen setzen beim Feuerwerk noch einen zusätzlichen Akzent.

Auch Sachs ging gestern Nachmittag davon aus, dass er genug Gelegenheit haben wird, das Feuerwerk zu genießen. "In Rees hat bislang noch immer alles reibungslos funktioniert."

Das liegt auch daran, dass für das Feuerwerk auf Reeserschanz mehrere Effekte gleichzeitig gezündet werden. Wenn da mal eine Rakete ausfällt, merkt das kaum ein Besucher. "Selbst mir fällt das nicht auf", lacht der Feuerwerker.

(RP)
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