Emmerich: Prozessauftakt: Drogen von der Kaßstraße aus im Internet verkauft

Emmerich : Prozessauftakt: Drogen von der Kaßstraße aus im Internet verkauft

Zwei junge Männer, erst 21 und 23 Jahre alt, sollen von Emmerich aus quer durch Europa im großen Stil mit Drogen gehandelt haben – per Post. Ihre "Geschäftsidee" ist so schockierend wie abenteuerlich.

Zwei junge Männer, erst 21 und 23 Jahre alt, sollen von Emmerich aus quer durch Europa im großen Stil mit Drogen gehandelt haben — per Post. Ihre "Geschäftsidee" ist so schockierend wie abenteuerlich.

Eine Wohnung an der Kaßstraße war die Basis der beiden Männer. Die benutzten sie als Drogenlager und Abpackstation, und von dort aus versandten sie Kokain und verschiedenste synthetische Drogen per Post — europaweit. Dabei sollen sie "bandenmäßig und bewaffnet" vorgegangen sein.

Der Prozess gegen die beiden jungen Niederländer ist gestern vorm Klever Landgericht angelaufen. Die Angeklagten befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Im Vorfeld haben sie teilweise bereits umfangreiche Geständnisse abgelegt.

Laut Anklage erstanden die jungen Männer ihre Waren über Kontakte aus China und Fernost. Vertrieben wurden die Drogen über den Internetshop "Spicestore.de". Diesen gibt es inzwischen nicht mehr, die Seite wurde gelöscht.

In welchem Umfang die gerade erwachsenen Männer mit den Drogen handelten, zeigten die Ermittlungen deutlich. Unzählige Pakete wurden bei der Deutschen Post sichergestellt. Bei der Emmericher Volksbank, wo die Angeklagten eigens ein Konto angelegt hatten, wurden Zahlungseingänge über mehrere Hunderttausend Euro registriert. In der Wohnung an der Kaßstraße fand die Polizei gleich kiloweise Drogen — professionell in Schubladen einsortiert. Daneben lagen Verpackungsmaterial und frankierte Umschläge sowie 116 fertige Drogenpakete auf Vorrat.

Die Männer müssen damit gerechnet haben, sich und ihre Ware gegen Feinde verteidigen zu müssen. So stießen die Beamten in dem Drogenlager auf Klappmesser, einen Elektroschocker und einen selbst hergestellten Schlagstock mit Messerspitze. Die Waffen waren laut Anklageschrift "griffbereit an verschiedenen Punkten in der Wohnung ausgelegt".

Ihren Internethandel hatten die Angeklagten zunächst gar nicht selbst aufgezogen. Sie hatten ihn von einem niederländischen Geschäftsmann erstanden — das sagte am gestrigen ersten Prozesstag ein Zeuge aus. Jener "Unternehmer" habe nach der Verschärfung des deutschen Betäubungsmittelgesetzes aus dem Geschäft mit der Substanz "JWH", auch "Spice" genannt, aussteigen wollen. Diese Droge besteht aus einem Cannabisersatzstoff und verschiedenen Pflanzenteilen und ist seit 2009 in Deutschland verboten.

Der ursprüngliche Inhaber des Internetshops steht inzwischen ebenfalls wegen Steuerhinterziehung und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz vor Gericht.

Die Verteidiger der Angeklagten beantragten gestern volle Einsicht in die Ermittlungsunterlagen. Vor allem geht es ihnen dabei um Tonaufnahmen von Telefongesprächen — die Polizei hatte Festnetztelefone und Handys der Männer abgehört.

In zwei Wochen wird die Verhandlung fortgesetzt. Weitere Zeugen und ein Sachverständiger sollen gehört werden.

(RP)
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