Probleme in Emmerich mit Leiharbeitern

Ruhestörung und Alkohol : Leiharbeiter: Firma will für Ruhe sorgen

Erster Dialog-Abend der Verwaltung in Praest. Hier schein sich die Lage zu normalisieren. Probleme in Emmerich.

Sie sei in ihrem eigenen Garten von einem Leiharbeiter aus der Nachbarschaft bedroht worden. „Ich lasse jetzt ein abschließbares Tor einsetzen und eine Videokamera istallieren“, sagte Else Weiske, die auf der Hegiusstraße in Emmerich wohnt.

Während dort die Situation zeitweise unerträglich ist, scheint es in Praest kaum Probleme mit den Leiharbeitern zu geben. Am Donnerstag lud die Stadt Emmerich am Rhein zu einem Bürgerdialog zum Thema osteuropäische Arbeitsmigranten  ins Pfarrheim St. Johannes Praest ein. Bürgermeister Peter Hinze, Karin Schlitt – Leiterin des Fachbereiches 6: Bürgerservice und Ordnung, der Erste Beigeordnete Dr. Stefan Wachs, sowie Atakan Özkan und Marek Krol, zwei Vertreter der niederländischen „Horizon Groep“, einer Zeitarbeitsfirma aus Velp, standen Rede und Antwort. Neben verschiedenen Politikern kam nur eine Handvoll Praester Bürger.

„Wir nehmen in der letzten Zeit vermehrt den Unmut in der Bürgerschaft wahr über das Verhalten der Leiharbeiter in der Nachbarschaft“, sagte Karin Schlitt. Als Ordnungsbehörde müsse man Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung abwenden. Deshalb wolle man mit beiden Seiten ins Gespräch kommen.

Atakan Özkan erklärte, dass die „Horizon Groep“ drei Objekte in Praest betreut – zwei an der Reeser Straße, eines an der Kerstenstraße. Rund 150 bis 200 Personen seien insgesamt auch in Elten, Hüthum und Emmerich untergebracht. Die Firma betreut 2500 Arbeiter, die meisten in den Niederlanden. „Die Leute unterschreiben einen Vertrag, in dem auch Verhaltensregeln aufgeführt sind. Wer sich nicht daran hält, dem kann sofort gekündigt werden.“

Karin Schlitt bestätigte, dass Özkan jederzeit ansprechbar ist und Beschwerden regelt. „Meistens geht es um einzelne Personen, die aufgrund von Alkohol Lärm und Ärger machen. Wir haben ein offenes Ohr und versuchen, das abzustellen“, so Özkan.

„Ich wohne in direkter Nachbarschaft, aber ich kann mich nicht beschweren“, sagte Liesel Langer. Früher habe es laute Musik gegeben und auch ein Müllproblem. „Aber wir sind zu den Arbeitern gegangen und haben mit ihnen gesprochen. Seitdem ist es still.“ Auch Wilhelm Nakath bestätigte das. „Zu Beginn gab es schwierige Zeiten. Aber jetzt sehe ich hier keine Probleme.“ Man solle den Leuten nur mal ein paar Säcke Grillkohle spendieren, meinte Liesel Langer. „Die verbrennen alte Stühle und Holzzäune zum Grillen.“

Dagegen sind die Schwierigkeiten in Emmerich an der Hegiusstraße groß. Sie wisse, dass der Bürgerdialog auch noch in Emmerich stattfinde, aber sie wollte gleich zum ersten Gespräch kommen, um die Situation zu schildern, sagte Else Weiske, die an der Hegiusstraße 11 wohnt. Zwei Häuser weiter leben in einem Einfamilienhaus die Leiharbeiter. „Ich weiß nicht, wie viele, aber mindestens 15.“ Meist von Freitagabend bis Sonntagsabend kommt es zur Lärmbelästigung mitten in der Nacht durch Musik, Feiern und Gröhlen, teilweise verbunden mit Schlägereien, zu der dann die Polizei gerufen wird. Marek Krol erzählte, dass es nicht immer die eigenen Arbeiter sind, sondern oft auch Gäste dazukommen.

Am schlimmsten wurde es für sie, als einer der Männer versuchte, durch ihren Garten an das Haus zu kommen. „Er riss dabei meinen Zaun ein und bedrohte mich, als ich ihn zur Rede stellte.“ Als sie ihn aufforderte zu gehen, sei er bedrohlich auf sie zugekommen, so dass sie ins Haus flüchtete. Sie verriegelt jetzt das Tor zu ihrem Garten, trotzdem würde sie dort morgens öfter leere Bierflaschen finden.

„Das ist Bedrohung und Hausfriedensbruch, das sind Straftatbestände, die eine Anzeige rechtfertigen“, sagte Dr. Wachs. Sie habe keine Anzeige erstattet, wolle aber jetzt ihren Hof durch ein großes Tor und eine Videokamera sichern und wenn nötig, den Zaun erhöhen lassen, so die Anwohnerin. Atakan Özkan gab der Frau seine Visitenkarte und versprach, sich um die Situation zu kümmern. Er werde mit ihr vor Ort einen Termin ausmachen.

Bürgermeister Hinze gab den Anwesenden den Rat, sich sofort bei Problemen an die Stadt zu wenden, beispielsweise über das Bürgertelefon. „Wenn Sie uns gleich ansprechen, können wir direkt reagieren. Wochen später lässt sich die Situation nicht mehr regeln.“

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