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Premiere von Carla Gottweins Film über Haus Aspel in Rees

Von der Reeser Filmemacherin Carla Gottwein : Geschichten aus einem beseelten Ort

Bildstarke Schilderung aus der Ich-Perspektive: Carla Gottweins Film über Haus Aspel feierte Premiere im Reeser Bürgerhaus. Das Interesse an dem einstündigen Film über den besonderen Ort am Rande der Stadt war groß.

250 Stühle waren im Bürgerhaus aufgestellt worden. Die reichten so gerade eben, um den großen Andrang am Mittwochabend bändigen zu können: „Haus Aspel. Ein beseelter Ort“ ist der Titel des neusten Films der Reeserin Carla Gottwein. Erstmals feierte eine ihrer bildstarken Dokumentationen Premiere in Rees, und „nie war ein Thema so populär wie dieses“, betonte Carla Gottwein in ihren einleitenden Worten.

Die Popularität von Haus Aspel sei zugleich „ein Problem“ und „eine Belastung“ gewesen: „Viele Menschen haben sofort Bilder im Kopf, wenn sie an Haus Aspel denken, denn dieser Ort ist mit Erinnerungen und Geschichten aufgeladen.“ Also entschied Carla Gottwein schon früh, ihren circa einstündigen Film aus der Ich-Perspektive zu erzählen: „Es geht in dem Film nicht um mich, aber ich erzähle meine Sicht auf Aspel.“

 250 Menschen mit höchst unterschiedlichen Bezügen zu Haus Aspel verfolgten die Filmpremiere im Bürgerhaus. Darunter auch Ehrengäste wie die Töchter vom Heiligen Kreuz.
250 Menschen mit höchst unterschiedlichen Bezügen zu Haus Aspel verfolgten die Filmpremiere im Bürgerhaus. Darunter auch Ehrengäste wie die Töchter vom Heiligen Kreuz. Foto: Michael Scholten

Ein halbes Jahr lang konzentrierte sich die Reeserin, die an der Universität Essen Literatur und Medienpraxis studierte, zunächst auf Außenaufnahmen der Klosteranlage. Zufall und Klima wollten es, dass ihr dabei sogar beeindruckende Winterbilder mit selten gewordenen Schneemassen gelangen.

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Erst danach führte sie Interviews: mit Schwester Maria Beate Reifenberg, Provinzialoberin der Töchter vom Heiligen Kreuz, mit dem Komponisten und Autor Heiner Frost, der seine Kindheit und Jugend auf Haus Aspel verbrachte, weil sein Vater dort als Gärtner arbeitete, mit Sabine Brambring, die einst das Mädcheninternat auf Haus Aspel besuchte und nie den Kontakt zu den Schwestern abreißen ließ, und mit dem Reeser Uhrmacher- und Optikermeister Heinz Belting, der einst zu den 24 Jungen gehörte, die ab Ostern 1946 ein Jahr lang das Gymnasium im kriegszerstörten Haus Aspel besuchen durften.

„Haus Aspel. Ein beseelter Ort“ ist ein nostalgisch-informativ-unterhaltsamer Mix aus meditativen Bildcollagen und kurzweiligen Zeitzeugenberichten über das Leben und Heranreifen an einem vielleicht einzigartigen, auf jeden Fall magischen Ort. Dass alle Protagonisten einen engen Bezug zur Musik haben, schlägt sich auch darin nieder, dass die Musik nie der Untermalung der Bilder dient, sondern viele Passagen dominiert und den Takt des Schnittes vorgibt. Neben instrumentalen Kompositionen von Heiner Frost ist auch der Chor der Schwestern zu hören, zu deren Hymnus aus den Laudes der Marienfeste zahlreiche Innenaufnahmen aus dem Kloster zu sehen sind, die nur den wenigsten Menschen bekannt sein dürften.

„Als ich 2020 mit den Filmarbeiten begann, war nicht klar, wie schnell die Schwestern Haus Aspel verlassen würden“, bedauerte Carla Gottwein im Rahmen der Filmvorführung. Sie widmete ihren Film den Töchtern vom Heiligen Kreuz, die 1851 nach Aspel kamen und Ende 2022 die Anlage verlassen werden. Eine kleine Abordnung der Schwestern war auch ins Bürgerhaus gekommen, unter ihnen die Provinzialoberin Maria Beate Reifenberg und – da sie gerade in Aspel weilt – die Generaloberin Pushpa Purathur.

„Wenn die Schwestern weg sind, ist das für mich nicht mehr Aspel“, brachte es Heiner Frost im Film auf den Punkt: „Der Ort verliert seine Seele, wenn hier irgendein Wellness-Hotel eröffnen sollte.“ Deshalb wünscht sich nicht nur Carla Gottwein für Haus Aspel „künftige Besitzer, die den Ort achten, für die Allgemeinheit offenlassen und versuchen, eine Bestimmung zu finden, die diesem besonderen Ort entspricht und sein Potential sinnvoll nutzt.“