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Rees: Pop Bar: Bei GaBlé werden auch die Gäste zu Musikern

Rees : Pop Bar: Bei GaBlé werden auch die Gäste zu Musikern

"Are you in pain?", fragte Olivier von der französischen Band GaBlé das verdutzte Publikum in der Haldern Pop Bar. Mitmusiker Thomas hatte sich soeben unter die Zuhörer gemischt und lautstark zum aktiven Mitrommeln eingeladen. Das funktionierte überhaupt nicht, was aber wohl mehr an Verständnisproblemen als fehlendem Willlen lag. Schließlich hatten die Besucher der Halden Pop Bar sich schon beim Lied "SoLaiRe" zu wilden Indianerschreien hinreißen lassen.

Überhaupt schien das Publikum gleichsam überrascht wie begeistert von den drei Musikern, die die Regeln eines konventionellen Konzertes schamlos über den Haufen warfen: GaBlé erlaubten dem Zuhörer schlichtweg kein introvertiertes Schwelgen in der eigenen Wahrnehmung. Ein junger Zuhörer wurde zum Beispiel kurzerhand für die Dauer eines Liedes als Trommler in die Band integriert. Bei allem Budenzauber kam aber die Musik nicht zu kurz: Infantile Melodien trafen auf verspielte Electronica und vermengten sich zu einem eigentümlich eingängigen Klangmix. Niedliche Pop-Perlen folgten auf schräge HipHop-Parodien. Mit Blockflöten, Synthesizern, Kassettenspieler und Blechdosen spielten GaBlé durchgeknallte Songs von ihrem Album "Murded".

Markantes Markenzeichen ist der liebliche Gesang von Multi-Instrumentalistin Gaelle, der einen Kontrast zu den wilden LoFi-Passagen darstellt. Das Ende des Konzertes war auf eine ausgesprochen eigentümliche Weise herzerwärmend: Trommler Thomas zerknüllte mit Eifer einen Korb aus dünnem Sperrholz. Das Splittern und Knistern mischte sich mit den irren Melodien der anderen Musiker und ließ den Zuhörer glücklich wie ratlos zurück.

(jbr)