Polnische Prominenz bei Ausstellungseröffnung im PAN Emmerich

Kunst : Prominenz bei Ausstellungseröffnung

Im PAN werden seit dem Wochenende Arbeiten der Künstlerin Anetta Küchler-Mocny gezeigt. Zur Eröffnung war unter anderem der stellvertretende Botschafter der Republik Polen in Berlin angereist.

Reimund Sluyterman, Direktor des PAN kunstforums Niederrhein, musste noch zwei Stuhlreihen zusätzlich aufstellen, weil mehr Besucher als erwartet am Samstag zur Eröffnung der Ausstellung „Die Grenze der Zeitlinie/Time Border“ von Anetta Küchler-Mocny kamen. Rund 100 interessierte Bürger - deutsche und polnische, darunter Politiker aus Polen - fanden sich im Museum ein. Sluyterman freute sich über die hochkarätige Künstlerin. Durch solche Ausstellungen könne man die gewachsene Freundschaft zwischen Polen und Deutschen erfrischen und pflegen. „Die Gästeliste zeigt, dass das Interesse an der Ausstellung groß ist und welchen Stellenwert die Künstlerin hat“, sagte Bürgermeister Peter Hinze, der die Besucher begrüßte.

Ihre Gemälde sind beeindruckend, nicht nur durch die Größe. Das Bild „Grenzknoten“ – ein toter Wald in düsteren Farben, die Absturzstelle des 10. April 2010, durch rot-weiße Bänder abgesperrt, ist 9,70 Meter lang. Die Absperrbänder, deren Farben auch für die Nationalfarben Polens stehen, sind mit einer Schleife „verknotet“. Auf ihrem Triptychon „Verblassen“ ist von Bild zu Bild weniger von diesem Band zu sehen.

Diese Exponate stehen für den Unfall, der für viele Polen ein Alptraum darstellt: Anlässlich einer Gedenkfeier zum 70. Jahrestag des Massakers an mehreren tausend Polen im Wald von Katyn verunglückte bei der Anreise ein Flugzeug mit polnischen Regierungsmitgliedern und Militärs, darunter Polens Staatspräsident Lech Kaczynski und seine Ehefrau Maria. „Die beiden Ereignisse kann man meiner Meinung nach nicht trennen, sie stehen in einer symbolischen Verbindung“, sagt die Künstlerin, die 1970 in Bydgoszcz – Bromberg - geboren ist.

Seit 1995 lebt und arbeitet sie in Deutschland, wo sie von 1998 bis 2005 das Studium an der Kunstakademie Münster absolvierte. „Ich hoffe, dass die Leute die Gefühle nachvollziehen können, wenn sie die Bilder betrachten“, so die Künstlerin.

Wojciech J. Poczachowski, Direktor des Polnischen Instituts in Düsseldorf, sagte in seiner Rede: „Die Dramen des Todes haben die Herzen der Menschen bewegt.“ Küchler-Mocny sei eine äußerst sensible Künstlerin, die mit vielen Emotionen male.

Janusz Styczek, stellvertretender Botschafter der Republik Polen in Berlin, sagte: „Die Ausstellung zeigt die wichtigsten Momente der polnischen Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts in einem von Polen weit entfernten Winkel. Hier am Niederrhein sind die Begriffe ‚Katyn’ und ‚Smolensk’ ebenso bekannt wie beispielsweise ‚Stalingrad’. Die Ausstellung hier beweist den Mut der Veranstalter.“

Drei Generationen der Polen haben mit der Lüge leben müssen, die Deutschen seien für die Ermordung von 20.000 polnischen Offizieren, Polizisten und Beamten im März 1940 verantwortlich. „Erst nach vielen Jahren wurde zugegeben, dass sie auf Befehl Stalins ermordet wurden. Smolensk nimmt ebenfalls seinen Platz in den polnischen Nationaltragödien ein. Die Polen wollen jetzt eine Antwort, das ist ihr gutes Recht.“ Die Kunst von Küchler-Mocny könne erreichen, dass auch die Deutschen mehr über die Verbrechen erfahren. „Das erleichtert das Verständnis und die authentische Freundschaft zwischen Deutschen und Polen.“

Professor Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, erklärte, dass die Künstlerin immer impulsiv an ihren Bildern arbeite. Trotzdem seien 80 Prozent Konzept und der Rest entstehe beim Malen. Bei der Ausstellung über das zweifache Drama der Polen ginge es auch darum, die Grenzen zum Erinnern und Bewusstmachen zu überwinden.

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