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Emmerich: Polen prägen Stadt immer mehr

Emmerich : Polen prägen Stadt immer mehr

Die Zahl der polnischen Staatsbürger in Emmerich wächst – auch wenn nur rund 800 von ihnen offiziell als Einwohner gemeldet sind. In der St. Aldegundiskirche werden jetzt Messen in polnischer Sprache gefeiert.

Die Zahl der polnischen Staatsbürger in Emmerich wächst — auch wenn nur rund 800 von ihnen offiziell als Einwohner gemeldet sind. In der St. Aldegundiskirche werden jetzt Messen in polnischer Sprache gefeiert.

In der St. Aldegundiskirche werden ab Dezember Gottesdienste auf Polnisch abgehalten. Es ist ein weiteres Zeichen für die wachsende Bedeutung der polnischen Gemeinde für Emmerich — abgesehen von Gesprächsfetzen, die über die Plätze fliegen, Geschäften, die sich auf osteuropäische Kunden spezialisiert haben, oder die in der Stadt verteilten Plakate für die Wahl der "Miss Polonia in Deutschland".

Die Zahl der Polen in Emmerich wächst rasant. Bürgermeister Johannes Diks geht davon aus, dass etwa 3000 polnische Bürger in Emmerich wohnen. Offiziell gemeldet sind nur rund 800. Mit der Bitte, das zu ändern, klemmten Politessen im Sommer Flugzettel hinter die Scheibenwischer von Autos mit polnischen Kennzeichen. Denn für den Anteil an ausländischen Einwohnern steht der Stadt Unterstützung durch Landesmittel zu.

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Lidia Berkhoff, gebürtige Polin und seit 17 Jahren Inhaberin des Second-Hand-Geschäfts "Lidia's Mode" an der Kaßstraße, beobachtet, wie die polnische Gemeinde größer wird: "Besonders im letzten Jahr. Die, die jetzt kommen, sind keine Vertriebenen mehr. Das sind meistens junge Leute, die durch die Öffnung der Grenzen in der EU hier arbeiten und ihren Kindern eine Zukunft geben wollen." Ein Gottesdienst auf Polnisch, sagt sie, "das wäre schön. Das gibt den Leuten Halt, da fühlen sie sich zu Hause".

Pfarrer Karsten Weidisch spürt das Bedürfnis danach mehr als deutlich: "Es ist schon bei meiner Einführung an mich herangetragen worden, und das Thema kam immer wieder auf." Binnen weniger Wochen dolmetschte Küsterin Maria Duda, ebenfalls gebürtige Polin, wiederholt für Taufgespräche und -feiern.

"Seit ein, zwei Jahren sind besonders viele Menschen aus Polen nach Emmerich gekommen", häufig, um in den Niederlanden zu arbeiten, bestätigt Pfarrer Henryk Wieczorek, Leiter der polnischen Mission am Niederrhein. "Es sind viele Leute mit guten Berufen, Ärzte, Ingenieure, Handwerker mit guter Ausbildung, Akademiker." Nach offiziellen Zahlen leben am ganzen Niederrhein rund 7800 Polen. Die Gläubigen nähmen mitunter weite Wege auf sich, um die Messe auf Polnisch zu hören: "Das ist nun mal die Herzsprache."

Nun bieten er und Kaplan Adam Ostapowicz an jedem ersten Sonntag im Monat eine Messe in polnischer Sprache in der St. Aldegundiskirche an. Der Gottesdienst beginnt um 16.30 Uhr, ab 16 Uhr ist Gelegenheit zur Beichte. Der erste Termin ist der 4. Dezember. Die Reaktionen auf das neue Angebot seien bereits im Vorfeld, allein durch die Mundpropaganda, sehr positiv und erwartungsvoll, sagt Karsten Weidisch: "Da ist wirklich Bedarf."

(RP/jt/jul)