Emmerich: Plötzlich Edeka: Das sind die Hintergründe

Emmerich : Plötzlich Edeka: Das sind die Hintergründe

In einer Woche will die Politik Josef Schoofs Baurecht für den Neumarkt erteilen. Doch plötzlich will der einen Edeka-Markt an der Kaserne. Und mit Thomas Euwens tut sich eine Alternative auf. Wir erklären, was gerade passiert.

Seit gestern gibt es viele Fragen, auf die offiziell keine Antworten zu erhalten sind. Hier dennoch die Hintergründe.

Wieso will Schoofs plötzlich Edeka an der Kaserne und auf dem Neumarkt?

Mit Penny, die bislang für den Neumarkt in der Planung waren, stehen Neuverhandlungen an. Alles hat zu lange gedauert. Aber kriegt Schoofs Penny noch mal an den Neumarkt, wenn es Pläne für einen Kaufland auf dem Steintor-Gelände gibt? Investor Josef Schoofs zaubert daher eine weitere Variante aus dem Hut: Edeka könnte auf den Neumarkt. Aber nur mit einem kleinen Markt. Und nur mit einem großen an der Kaserne. Zusammen bilden die beiden Märkte ein Paket, das sich für die Familie Brüggemeier rechnet, die die Edeka-Märkte betreiben würde. Sonst nichts.

Ist ein Edeka-Markt auf dem alten Kasernengelände möglich?

Es gibt zwei Meinungen. Eine Seite sagt, dass die Bezirksregierung in Düsseldorf niemals einen Vollsortimenter genehmigt, weil dieser die Innenstadt ruinieren könnte. Andere sagen, dass die Bezirksregierung ihn ohne Probleme genehmigen könnte, weil sie in anderen Städten solche Märkte schon genehmigt hat. Eine Antwort gibt es möglicherweise am nächsten Dienstag. Dann will die Stadtverwaltung das neue Einzelhandelsgutachten für Emmerich vorstellen. Die Gutachter sollen die Frage nach einer Genehmigung jetzt ganz schnell untersuchen und beantworten.

Will und kann Josef Schoofs eigentlich noch das Neumarkt-Projekt?

Es gibt Kommunalpolitiker, die sagen, dass die Edeka-Variante Schoofs dazu dient, unverschuldet aus dem Neumarkt-Projekt auszusteigen. Kriegt er für den Edeka an der Kaserne keine Genehmigung, könnte er sich zurückziehen. Und könnte von der Stadt die 200.000 Euro zurückverlangen, die er für den Abriss des alten Centers auf dem Neumarkt bezahlt hat.

Andere sehen in der Edeka-Idee allerdings genau das Gegenteil. Schoofs will das Neumarkt-Projekt durchziehen. Er hat schon zu viel Geld und Zeit hineingesteckt. Und sollte er sich tatsächlich zurückziehen, wäre das für seinen Ruf in der Region nicht gut.

Ist mit Thomas Euwens eine Alternative zu Schoofs aufgetaucht?

Darin sind sich alle einig. Ja, Euwens ist eine Alternative. Mit seinem Konzept lassen sich in der Innenstadt alle Probleme lösen. Euwens steht für die Bebauung des Steintor-Geländes durch Kaufland. Euwens hat ein Konzept für die Bebauung des Neumarkes, allerdings ohne einen Discounter. Euwens steht für die Bebauung des alten "Wemmer & Jansen"-Geländes an der Mennonitenstraße. Und Euwens steht als Manager des Rheincenters für eine Umgestaltung und nochmalige Verbesserung des Centers. Rewe könnte das Center verlassen, dort könnte unter anderem eine Filiale des niederländischen Kleinkaufhaus "Action" entstehen. Euwens löst allerdings ein Problem nicht: das der alten Kaserne. Das muss er aber auch nicht. Sein Konzept bezieht sich auf den Handel in der Innenstadt und an deren Rändern.

Entscheidet sich die Politik jetzt doch noch gegen Schoofs?

Am vergangenen Montag haben Josef Schoofs und die Familie Brüggemeier im Emmericher Rathaus ihre Idee vorgetragen. Auch Thomas Euwens hat sein Konzept vorgestellt. Tatsächlich hat die Politik spätestens seit diesem Abend eine Alternative. Aber es ist davon auszugehen, dass sie eine Woche, bevor sie Schoofs Baurecht geben will, jetzt nicht noch mal die Pferde wechselt. Dafür ist die Sache mit Schoofs schon zu weit gediehen.

Welche Rolle spielt in dieser ganzen Angelegenheit eigentlich das Einzelhandelsgutachten der Stadt Emmerich?

Bis Montag diente es eigentlich besonders einem Zweck: gutachterlich begründet und damit irgendwie juristisch nachweisbar mögliche Konkurrenz vom Neumarkt fernhalten, weil der Stadt die Entwicklung dieses Platzes besonders am Herzen liegt. Jetzt allerdings hat sich eine völlige neue Situation ergeben. Jetzt geht es um eine rein politische Entscheidung, die kein Gutachter und keine Verwaltung dem Rat abnehmen kann: Löst Emmerich seine Baustellen Steintor, Neumarkt, "Wemmer & Jansen"-Gelände und Rheincenter mit Thomas Euwens? Oder legt Emmerich den Schwerpunkt auf die Lösung der Probleme Neumarkt und alte Kaserne?

(ha)