Abendprogramm : Aus Liebe zum Reeser Platt

Der Geschichtsverein Rees lädt am Mittwoch zum „Rääße Platt“-Abend ein. Auch das Publikum wird in das Programm einbezogen.

Der Reeser Geschichtsverein RESSA lädt am kommenden Mittwoch, 24. April, ab 19 Uhr zum „Rääße Platt“-Abend ins Bürgerhaus ein. Vorstandsmitglied Agnes Jay, die vor zwei Jahren das erste Wörterbuch über den lokalen Dialekt veröffentlichte, wird mit Unterstützung vieler Platt-Sprecher und des Männergesangsvereins „Harmonie“ verdeutlichen, dass es sich lohnt, die Sprache der Eltern- und Großelterngeneration vor dem Vergessen zu bewahren. Der Eintritt ist frei.

Im kurzen Theorieteil des Abends informiert Agnes Jay, was „Platt“ eigentlich bedeutet, und über die verschiedenen Dialektgebiete mit ihren Besonderheiten. Dann wird der Männergesangsverein „Harmonie“ zwei Lieder vortragen, deren Texte in Reeser Platt verfasst wurden. Es folgen kurze und pointenreiche Textbeispiele des eher unbekannten Autors Hermann Klemme, vorgetragen von den Damen des Reeser Proot-Platt-Clubs, aber auch von Monika Scholten und den RESSA-Mitgliedern Herbert und Hermann Venhofen, Klaus Kuhlen und Heinz Belting.

Die Reeser Familie Lörcks in den 50er Jahren. Tochter Agnes (rechts) veröffentlichte vor zwei Jahren das erste „Reeser Platt“-Wörterbuch. Foto: Ressa

Der Geschichtsverein wird die Veranstaltung aufzeichnen und auch dem Stadtarchiv zur Verfügung stellen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch mal eine Gelegenheit geben wird, solch ein Tondokument herzustellen“, sagt Agnes Jay. „Es ist schön, dass sich so viele Vortragende an dem Abend beteiligen. So sichern wir verschiedene Variationen des Reeser Platt für die Nachwelt.“

Auch das Publikum soll in das Geschehen einbezogen werden. „Es wird immer wieder aufgefordert, mitzusprechen und mitzusingen“, sagt Agnes Jay. Als Hilfestellung werden Texte auf die große Leinwand projiziert. „Zum Abschluss singt die Harmonie noch zwei weitere Lieder, und ich hoffe, dass wir mit dem gemeinsam gesungenen Lied vom Pöntje alle frohgestimmt nach Hause gehen werden“, ergänzt Agnes Jay, deren Begeisterung für das Reeser Platt nicht zuletzt daher rührt, dass sie es als Mädchen nicht sprechen durfte. Aufgewachsen in Rees, als Tochter des Landwirts Eugen Lörcks und der Hebamme Else Lörcks, legte die Mutter großen Wert darauf, dass die Kinder „anständiges“ Hochdeutsch lernten, um eine gute Ausbildung genießen zu können. Der Plan ging auf: Tochter Agnes machte 1966 ihr Abitur in Aspel, verließ Rees, studierte in Köln Englisch und Geschichte und wurde Lehrerin mit Wohnsitz in Kettwig. Doch das Reeser Platt, das einst alle Erwachsenen in ihrem Umfeld sprachen, ging ihr nie aus dem Kopf. Als sie 2012 pensioniert wurde, beschloss sie, genau jenes „Reeser Platt“-Wörterbuch zu schreiben, das sie schon als Schülerin vergeblich in der Bibliothek des Pius-Hauses gesucht hatte. „Die Sprache ist ausdrucksstark und bildstark, manchmal etwas derb, aber ich verbinde mit ihr viele wunderbare Erlebnisse“, sagt Agnes Jay.

In das 500 Seiten starke Wörterbuch investierte sie fünf Jahre und fuhr immer wieder in ihre Heimatstadt, um mit Hermann Venhofen und Hermann Voß, beide sind inzwischen Ehrenmitglieder des Reeser Geschichtsvereins, viele hundert Wörter, aber auch Lieder, Spiele, Reime und Fachbegriffe zusammenzutragen. Seit 2017 arbeiten Agnes Jay, Hermann Venhofen und Hermann Voß an einem Ergänzungsband zum Wörterbuch. „Wir wollen möglichst viele Lücken aus dem ersten Band schließen“, sagt das Trio. „Eine weitere Ergänzung wird es dann ganz sicher nicht mehr geben.“ Geplant ist auch ein Anhang mit Reeser Sprüchen und Redensarten, die Hermann Voß über Jahrzehnte gesammelt hat, jeweils mit Übersetzung und Interpretation. „Wenn ich mich ranhalte und wöchentlich mindestens 20 Stunden investiere, könnte der zweite Band im Herbst 2020 erscheinen“, umschreibt Agnes Jay die Größe der Aufgabe, der sie sich aus Liebe zum Reeser Platt gestellt hat.

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