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Pläne für ein neues Portal am Delltor nach Rees vorgestellt

Stadtentwicklung : Pläne für ein neues „Portal nach Rees“

Architekten und Auftraggeber präsentierten im Reeser Bürgerhaus ihr Vorhaben zum „Stadtgarten-Quartier am Delltor“. Geplant ist ein Komplex mit Lebensmittelmarkt und drei Häusern.

Fünf Jahre sind ins Land gezogen, seit die Firmen Lütkenhaus Immobilien und Hüls Baukonzepte ihre Visionen für die Neubebauung des NIAG- und Postgeländes der Reeser Öffentlichkeit präsentierten. Viel geändert hat sich auf den beiden Filetstücken im Stadtkern seither nicht, doch hinter den Kulissen sei intensiv gearbeitet und vieles entwickelt worden, versicherte Bürgermeister Christoph Gerwers bei einer Informationsveranstaltung im Bürgerhaus. 180 Besucher wollten sich ihr eigenes Bild vom „Stadtgarten-Quartier am Delltor“ machen, wie das zweigeteilte Bauprojekt inzwischen heißt, und sich kritisch oder lobend zu den Plänen äußern, die bis Ende 2022 Wirklichkeit werden könnten.

Moderatorin Elke Frauns bat die Reeser, erst den Ausführungen der Investoren zu lauschen und alle „Fragen, Anmerkungen und Gefühlsäußerungen“ für die zweite Stunde des Abends aufzusparen. So stellte zunächst Architekt Hermann-Josef Kranz das Projekt vor, das sein Auftraggeber Paul Lütkenhaus entlang der Dellstraße realisieren möchte: Nach dem Abriss der Post im Frühjahr 2020 entsteht am anderen Ende des Grundstücks ein Neubau mit Gastronomie im Erdgeschoss, Büros und Praxen im ersten und zweiten Obergeschoss sowie zehn Wohnungen im zweiten Ober- und Dachgeschoss. Zwischen Dellstraße und Neubau schaffen Grünflächen, Bänke, Außengastronomie und ein Wasserspiel eine „parkähnliche Situation“. In der Mitte des Hauses führt ein Durchgang zum NIAG-Gelände.

 So könnte sich der neue Gebäudekomplex ab dem Jahr 2022 ins Reeser Stadtbild einfügen: Im Erdgeschoss befindet sich ein 1700 Quadratmeter großer Lebensmittelmarkt, dessen Außenwand an die Reeser Stadtmauer erinnert. Rechts erhebt sich Haus 1, in dem das Sozialrathaus eine neue Heimat finden soll. Links bieten die Häuser 2 und 3, deren Fassade von alten Wohnhäusern am Markt inspiriert wurde, 31 neue Wohnungen. Die Dächer entsprechen der Höhe des Krankenhauses, das in der Mitte dieser Fotomontage zu sehen ist.  
So könnte sich der neue Gebäudekomplex ab dem Jahr 2022 ins Reeser Stadtbild einfügen: Im Erdgeschoss befindet sich ein 1700 Quadratmeter großer Lebensmittelmarkt, dessen Außenwand an die Reeser Stadtmauer erinnert. Rechts erhebt sich Haus 1, in dem das Sozialrathaus eine neue Heimat finden soll. Links bieten die Häuser 2 und 3, deren Fassade von alten Wohnhäusern am Markt inspiriert wurde, 31 neue Wohnungen. Die Dächer entsprechen der Höhe des Krankenhauses, das in der Mitte dieser Fotomontage zu sehen ist.   Foto: stadt rees
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Dort plant Andreas Hüls einen Baukomplex mit großem Lebensmittelmarkt im Erdgeschoss und insgesamt drei Häusern, die in die Höhe ragen. Haus 1 dient der Stadt Rees als Sozialrathaus, hat aber auch Platz für eine Tagespflege und betreutes Wohnen. Die Häuser 2 und 3 bestehen aus 15 beziehungsweise 16 Wohnungen mit 70 bis 110 Quadratmetern. Ob es Eigentums- oder Mietwohnungen werden, ist noch unklar. Auch den Lebensmittelvollsortimenter, mit dem er derzeit Verhandlungen führt, wollte Andreas Hüls nicht nennen. Später fiel, eher beiläufig, der Name Rewe.

 Wo jetzt noch das verlassene Postgebäude steht, soll ein kleiner Park mit Pflanzen, Sitzgelegenheiten, Wasserspiel und Außengastronomie entstehen. Am anderen Ende des Postgeländes will Investor Paul Lütkenhaus ein Haus mit zwei Obergeschossen und einem Dachgeschoss errichten. Für das Erdgeschoss soll ein Gastronom gefunden werden.
Wo jetzt noch das verlassene Postgebäude steht, soll ein kleiner Park mit Pflanzen, Sitzgelegenheiten, Wasserspiel und Außengastronomie entstehen. Am anderen Ende des Postgeländes will Investor Paul Lütkenhaus ein Haus mit zwei Obergeschossen und einem Dachgeschoss errichten. Für das Erdgeschoss soll ein Gastronom gefunden werden. Foto: stadt rees

Optisch soll der Komplex, dessen Bauzeit der Investor auf zwei Jahre schätzt, an das alte Rees mit Stadtmauer und Giebelhäusern erinnern. „Rees ist eine sehr inspirierende Stadt“, lobten Andreas Hüls und Diplom-Ingenieurin Isil Celiktepe-Arslan die Vorlage. Während das Sozialrathaus die roten Klinker des Bürgerhauses zitiert, greifen die beiden Wohnhäuser die kleinteiligen Fassaden und Giebeldächer früherer Häuser am Marktplatz auf. Ein Teil des 1700 Quadratmeter großen Supermarktdachs ist begehbar und soll durch Pflanzen und Wege „ebenerdig“ wirken. Der kleine Park könnte auch barrierefrei über den Kettenbergswall, im Volksmund „Kattewall“, erreicht werden.

 180 Reeser verfolgten die Präsentation. Vermutlich wären es noch mehr gewesen, wenn parallel nicht das Schützenfest der Rees-Feldmarker Schützen stattgefunden hätte.
180 Reeser verfolgten die Präsentation. Vermutlich wären es noch mehr gewesen, wenn parallel nicht das Schützenfest der Rees-Feldmarker Schützen stattgefunden hätte. Foto: Michael Scholten

Zwischen Neubau und Stadtgarten gibt es 98 öffentliche Parkplätze und 28 private Garagen oder Carports. Der Autoverkehr soll aus Richtung Busbahnhof fließen, eine Ausfahrt in Richtung Falltor ist aber auch möglich. Laut Bauamtsleiterin Elke Strede führt dies weder zum Wegfall von Parkplätzen noch zu erhöhten Belastungen für die Anwohner.

Kommentare aus dem Publikum ließen erkennen, dass insbesondere die wuchtige Außenmauer des Lebensmittelmarktes und auch andere Fassaden auf Kritik stießen. Der Reeser Immobilienmakler Simon Vos war einerseits froh, dass die neuen Pläne der Firma Hüls „nicht mehr an Disneyland“ erinnern, jedoch wertete er jetzt die „neue Sachlichkeit“ der Fassaden als „zu nüchtern“.

Vom Lütkenhaus-Projekt zeigte sich Simon Vos „brutal enttäuscht“. Er bat darum, mehr Geld in „diesen Eingang, dieses Portal nach Rees“ zu stecken, auch wenn dadurch die Gewinnmarge des Investors sinke. Architekt Hermann-Josef Kranz hielt dagegen, das Gebäude wirke lediglich in der Präsentation recht dunkel. Es werde sich aber durch die Fassadengestaltung und viele Beleuchtungselemente positiv in das städtische Ambiente einfügen.