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Pfarrer Raja Kumar in Rees verabschiedet

Kirchen : Die Reeser und den Rhein wird er vermissen

Sein Orden hat den Pfarrer Raja Kumar Santiagu zurück nach Indien gerufen. Am Sonntag wurde er verabschiedet.

„Ich bin dankbar für die wunderbare Zeit, die ich in Rees verbringen durfte“, sagt Raja Kumar Santiagu. Am Sonntag feierte der 45-jährige katholische Pfarrer seinen Abschiedsgottesdienst in der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt. Der Gesang aller Kirchenchöre und die guten Wünsche vieler Reeser Vereine und Verbände begleiten ihn, wenn er am 25. Februar in seine indische Heimat zurückkehrt. Insgesamt zehn Jahre war der Geistliche, der dem Orden des Franz von Sales angehört, in Deutschland. Siebeneinhalb Jahre davon wirkte er in Rees.

Den Rhein wird er vermissen, sagt Raja Kumar Santiagu. Ein bisschen auch die Zander-Fischgerichte, die er schätzen gelernt hat. Besonders werden ihm aber die Begegnungen mit den Reesern fehlen. „Ich war immer viel zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs, damit mich die Menschen auch außerhalb der Kirche ansprechen konnten“, sagt der Pfarrer. „Auch auf den Friedhöfen ergaben sich wichtige Trauergespräche, wenn ich zum Beispiel durch Zufall eine alte Dame traf, die das Grab ihres Mannes pflegte.“ Rees habe er als eine „lockere Gemeinde“ kennengelernt, die Reeser als „freundliche und engagierte Menschen“. Dass er durch die Fusionen mehrerer Pfarrgemeinden am Ende für ganze sieben Orte zuständig war, empfindet er rückblickend durchaus als Bereicherung: „Ich habe viele neue Menschen kennengelernt.“

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Jetzt ruft sein Orden ihn in den Süden Indiens zurück. Wo genau er eingesetzt wird und welche Aufgaben ihn erwarten, weiß Raja Kumar Santiagu noch nicht. Den Kontakt nach Indien hielt er über all die Jahre aufrecht: „Ich habe dort jedes Jahr meinen Urlaub verbracht. Meine Eltern leben nicht mehr, aber ich habe sechs Geschwister. Meist war ich eine Woche bei meinem Bruder, danach habe ich Ordensgemeinschaften und Freunde besucht.“ Der Orden des Franz von Sales betreibt in Indien viele Krankenhäuser und Schulen. Bevor Raja Kumar Santiagu vor zehn Jahren ins westfälische Recke und später nach Rees kam, arbeitete er in einer der 200 Schulen des Ordens und leistete nebenbei soziale Dienste.

Raja Kumar Santiagu möchte vor allem in Bengaluru sein Projekt einer Tischler-Ausbildungswerkstatt vorantreiben. In Rees wurde unlängst der „LEBEN Trust Förderverein Reees“ (siehe Infokasten) gegründet, um die Ausbildung arbeitsloser Jugendlicher auch künftig vom Niederrhein aus unterstützen zu können. „Ich empfinde es als Geschenk, dass die Gemeinde den jungen Männern und Frauen in meiner Heimat helfen möchte“, sagt Raja Kumar Santiagu. Da sein Vater Tischler war, fasziniert ihn der Werkstoff Holz seit frühester Kindheit. So hatte er selbst den Wunsch, Tischler oder Ingenieur zu werden, doch im sechsten Schuljahr fasste er den Entschluss, Pfarrer zu werden. 2003 erfolgte die Priesterweihe.

Mindestens anderthalb Jahre wird Raja Kumar Santiagu in Indien bleiben. Eine Rückkehr nach Deutschland hält er für wahrscheinlich, obgleich der Orden ihn auch in ein anderes europäisches Land entsenden könnte. „Ich würde aber ungern eine weitere neue Sprache lernen“, gesteht der Pfarrer. „Eine Sprache ist wie Mathematik, und Deutsch war für mich sogar wie höhere Mathematik.“ Ein erneuter Einsatz in Rees ist ausgeschlossen: „Ich möchte auch andere Kirchengemeinden kennenlernen“, sagt Raja Kumar Santiagu, doch er hofft, dass ihn sein Orden und das Bistum wieder an den Niederrhein schicken werden: „Diese Region und ihre Menschen sind mir sehr ans Herz gewachsen.“