Emmerich: Pfandfinder-Sein ist noch immer "in"

Emmerich : Pfandfinder-Sein ist noch immer "in"

Sommerlager: Spiele unter freiem Himmel, Kochen auf Gasflaschen, Schlafen in Zelten. Wenn Anna König (19), Theresa Wankum (24), Sven Arens (17) und Nils Jonalik (18) das Wort "Sommerlager" Wort hören, glänzen die Augen.

Der Stamm mit gut 145 Mitgliedern und Sitz im Jugendzentrum an der Gerhard-Cremer-Straße in Speelberg hat sich nach dem polnischen Waisenhaus-Leiter und Mediziner Janusz Korczak benannt. Der Namenspatron stieg einst mit seinen von den Nazis todgeweihten jüdischen Kindern im 2. Weltkrieg in den Zug nach Treblinka, obwohl er einen Freifahrtschein hätte haben können.

Korczak ist ein Held, der es mit Pfadfinder-Erfinder Robert Baden-Powell (1857-1941) locker hätte aufnehmen können. Der kernige Londoner ist im Sofa-Zimmer des Jugendheims an einer Wand verewigt. Interessanter ist der Leitspruch, der unter einem Mosaik aus bunten und schwarz-weißen Teilen gepinselt wurde: Vielfalt statt Einfalt. Allein die bestickte Kluft der Pfadfinder unterstreicht von Offenheit, Hilfsbereitschaft und Mut. Alles Eigenschaften, die nie aus der Mode kommen sollten. Und wo lässt sich all dies besser umsetzen als im oben erwähnten Sommerlager?

"Natürlich sind die wöchentlichen Treffen schön. Da sind wir auch immer draußen unterwegs", sagt Theresa Wankum. Wölflinge (sechs bis elf Jahre), Jungpfadfinder (elf bis 13), Pfadfinder (14 bis 16) und Rover (ab 16 Jahre) treffen sich mit ihren Leitern in Speelberg. "Richtiges Pfadfinder-Leben live", betont Anna König, "ist aber das Sommerlager, das Zelten, am Lagerfeuer sitzen, singen, mit einer Gruppe etwas unternehmen, Megaspaß haben."

"Man wird offener, mutiger", sagt Nils Jonalik. "Irgendwann blamiert sich jeder mal vor versammelter Mannschaft, auch das formt einen", sagt Anna König. Etwa wenn die Nachtwache im Lager, die bis morgens um 5 Uhr aufzupassen hat, sich das Stammesbanner von einem zeltenden Nachbarn hat klauen lassen. Die Schmach lässt sich wiedergutmachen. "Kommt schon mal vor, dass dann die Schlafmützen mit Badesachen im Regen einen Lambada-Tanz vorführen dürfen", sagt Anna König lächelnd.

Die Herausforderung eines Pfadfinders ist die Rover-Prüfung. "Wenn man die Aufgabe gelöst hat, ist man schon stolz", sagt Jonalik. Der 18-Jährige hat den Drei-Tage-Test, an dem mindestens drei Kandidaten teilnehmen, gleich zweimal gemacht. "Danach bringt einen so schnell nichts aus der Ruhe", sagt Sven Arens, der mit Nils Jonalik die Wölflinge-Gruppe leitet. Beide haben schon das rote Halstuch der Rover erkämpft. Für die Jüngeren bleibt im Lager neben Schnitzeljagd, Baseball und vielen weiteren Gruppenspielen die Nachtwanderung der Höhepunkt. Diese Mutprobe gehört schließlich dazu.

(miry)