Pfadfinder in Emmerich feiern Jubiläum

EMMERICHer Pfadfinder : Immer noch: „Jeden Tag eine gute Tat“

Emmericher Pfadfinder feiern ihr Jubiläum mit Gottesdienst, Spielständen, Ehemaligencafé und Zeitzeugen.

Emmerich habe damals – im Jahr 1949 – noch in Trümmern gelegen, Kirchen und Häuser waren zerstört, erzählte Alfred „Alla“ Melters. Eines der wenigen noch teilweise bewohnbaren Häuser sei das Haus Alpen gewesen, dort wohnte Kaplan Wilhelm Lentz. Er habe eine Gruppe junger Leute regelmäßig zu Gesprächskreisen eingeladen. „Hans-Gerd Smeenk sagte dann: Wir müssen aktiv etwas machen. Aus dieser Idee heraus entstand die erste Pfadfindergruppe. Unsere Sippe ‚Löwe‘ war die Ursippe des Stammes Janusz Korczak Emmerich, der einer der ältesten im gesamten Bezirk ist“, so der heute 88-jährige Xantener, der zu den Gründern des Stammes gehört. 1908 hatte Lord Robert Baden Powell die Weltpfadfinderbewegung ins Leben gerufen.

Die Jubiläumsfeier zum 70-jährigen Geburtstag wurde am Samstag auf dem Sportplatz der Liebfrauen-Grundschule in Speelberg veranstaltet. Alfred Melters erinnerte sich gerne: „Der Stamm wurde geboren aus einer Katastrophenzeit heraus. Daraus hat sich ein neuer Geist der Jugendbewegung entwickelt.“

Der erste Auftritt sei die Fronleichnamsprozession gewesen. In der Kaßstraße hatte man den Schutt zur Seite geräumt, um einen Durchgang zu schaffen und alle zogen durch die Straßen: die Pfadfinder mit einem von Oma Smeenk selbst genähten Banner.

Die erste Unterkunft war der alte Hühnerstall von Pastor Heinrich Breuer, später hatte man „am Büschchen“ als Unterkunft eine Schweitzer Baracke, davor einen freien Platz für das Lagerfeuer.

Der etwas jüngere Paul Tück gehörte 1949 der Sippe „Möwe“ an, Hans „Jan“ Hoedt war ab 1951 dabei. Alle drei erzählten als Zeitzeugen von der damaligen Zeit. „Unsere Fahrräder hatten Vollgummireifen, damit führen wir zum Wolfsberg zum Zelten“, sagte Tück.

Und Hoedt erinnerte sich daran, dass der Pastor die Pfadfinder mit dem Wegräumen des Kiegs-Schutts, der auf dem Boden über dem Kirchenschiff der Liebfrauen-Kirche lag, beschäftigt hatte.

Mit einem Festgottesdienst begann die Feier. Bezirksseelsorger Andreas Naumann-Hinz sprach einige Grußworte. Pfadfinder sollten gerade in der heutigen Zeit offen sein und Gastfreundschaft pflegen. „Es ist wichtig, auf andere Menschen zuzugehen.“ Er dankte allen für ihren Einsatz. Auch Pastoralreferent Matthias Lattek gratulierte. „Ihr seid Menschen der Tat, da kann auch die Kirche noch einiges von Euch lernen, wie ihr miteinander umgeht, für andere da seid und Verantwortung übernehmt.“

Bürgermeister Peter Hinze stellte die Frage, ob „Jeden Tag eine gute Tat“ noch zeitgemäß sei und gab auch die Antwort, dass es heute wichtiger denn je sei, wie ich meinen Nachbarn, meinem Nächsten begegne. „Das ist auch nach 70 Jahren nicht verstaubt.“

In einem Ehemaligen-Café wurden Bilder aus der Geschichte „70 Jahre Pfadfinder in Emmerich“ gezeigt. Für die Kinder war ein Spielparcours, die „Meile der Möglichkeiten“ aufgebaut mit „Der heiße Draht“, Buttons herstellen, einen Jubiläums-Banner gestalten, Barfußpfad und Halstuch knoten.

Ein andersfarbiges Halstuch bekamen einige Kinder nach dem „Stufensprung“ vom Klettergerüst, weil sie aufgrund des Alters in eine andere Stufe wechselten. Die Band „Sirjana“ - alle Mitglieder waren in den 90er Jahren Pfadfinder des Trupps „Flughunde“ – spielte 90er Rock und alte Pfadfinderlieder.

Mehr von RP ONLINE