Peter Hinze - Bischof sagt Wortgottesdienst nach Hochzeitsfeier ab

Emmerich : Münsteraner Bischof sagt Wortgottesdienst für Peter Hinze nach Hochzeitsfeier ab

Am Samstag sollte die Hochzeit des Emmericher Bürgermeisters und seines Partners stattfinden. Nach dem Festakt sollte es einen Wortgottesdienst - ohne kirchliche Trauung - in Bislich geben. Nach öffentlichen Protesten reagierte Bischof Felix Genn.

Der Weseler Pfarrer Stefan Sühling wird am kommenden Samstag nun doch keinen Wortgottesdienst für den Emmericher Bürgermeister Peter Hinze (SPD) und seinen Bislicher Partner Hubertus Pooth nach der eigentlichen Trauung auf Gut Falkenstein in Emmerich-Hüthum vornehmen. Der Münsteraner Bischof Felix Genn hat dies untersagt. Dies bestätigte Bistumssprecher Stephan Kronenburg gestern auf Anfrage. Der öffentliche Druck sei ausschlaggebend gewesen, erklärte Kronenburg.

Eigentlich war für den morgigen Samstag eine Hochzeit in der Bislicher Kirche St. Johannes geplant. Unsere Redaktion hatte zuvor unter der Überschrift "Männer-Paar feiert Vermählung in Kirche" über den Wortgottesdienst berichtet, im Text dabei zum Ausdruck gebracht, dass Pfarrer Sühling nicht das Sakrament der Ehe spenden werde, sondern dass es ein Wortgottesdienst für das Paar geben solle. Pfarrer Sühling hatte den ungewöhnlichen Schritt eines Wortgottesdienstes damit begründet, dass er sich dem Wunsch von Menschen nicht verweigern wolle, die sich Gott verbunden sehen. Bistumssprecher Stephan Kronenburg teilte nun mit, dass sich Bischof Felix Genn nach der Berichterstattung dazu gezwungen gesehen habe, den Wortgottesdienst abzusagen. Die katholischen Bischöfe lehnen Trauungen und Segnungen gleichgeschlechtlicher Lebenspartner ab. In konservativen kirchlichen Internetforen wie dem Portal "gloria.tv" waren Pfarrer und Bischof von Gläubigen teilweise scharf angegangen worden. Das oberste Laien-Gremium, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), wiederum plädiert für die Segnung homosexueller Paare.

Stefan Sühling hat als nichtresidierender Domkapitular eine besondere Verbindung nach Münster. Die Mitglieder des Domkapitels sind ein Kollegium "von Priestern und Weihbischöfen, das den Diözesanbischof in der Leitung des Bistums unterstützt", wie es auf der Internetseite des Paulusdomes von Münster heißt. Sühling sagt: "Die Öffentlichkeit, die in dieser Sache entstanden ist, hat es mir nicht möglich gemacht, diesen Wortgottesdienst zu begehen. Das bedauere ich. Eine Schuldzuweisung ist aber fehl am Platze." Der Bischof hatte den Weseler Pfarrer gebeten, Hinze und seinem Partner die Schritte noch einmal zu erklären. Auch hatte Sühling angeboten, der Feier in anderer Form beizuwohnen. Dies hat Hinze aber abgelehnt.

Pfarrer Stefan Sühling aus Wesel hatte den Wortgottesdienst halten wollen. Foto: Malz Ekkehart

Der Emmericher Bürgermeister kann den Schritt des Bischofs nicht nachvollziehen. "Die Kirche gibt Tieren, Autos oder Häusern einen Segen. Uns aber nicht. Das bedeutet, dass wir nicht dazugehören, weil wir schwul sind." Empört zeigt sich Andrea Schaffeld, die SPD-Fraktionsvorsitzende im Emmericher Stadtrat und ehemalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende der katholischen Kirchengemeinde St. Christophorus. Sie will einen Brief an den Bischof schreiben. Segen bedeute, jemandem Zuspruch zu geben und Gott um Schutz und Kraft zu bitten. Das könne jeder Priester tun, aber auch jeder Gläubige, sagt sie. Dass der Bischof das nun seinem Priester verbiete, sei frustrierend.

"Es geht dem Bistum nicht darum, eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft herabzuwürdigen", sagte Kronenburg. Das Bistum wolle betonen, dass es einen Unterschied zwischen dem Sakrament der Ehe und einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft gebe. "Unser Verständnis von Ehe unterscheidet sich vom Verständnis von Partnerschaft." Kronenburg betonte noch einmal, dass Sühling richtig gehandelt habe und die geplante Form für das gleichgeschlechtliche Paar eigentlich angemessen gewesen sei. Sühling hatte zuletzt offen gelassen, ob er das Paar tatsächlich direkt segnen würde. Er hatte unserer Redaktion gesagt, dass er um den Segen Gottes für Menschen bitten wolle, die in Beziehungen leben.

Nun bleibt es für Peter Hinze und Hubert Pooth bei der Trauung auf Gut Falkenstein in Hüthum einen Tag, bevor die Gesetzesänderung zur "Ehe für alle" in Kraft tritt und Gleichgeschlechtliche offiziell heiraten dürfen. Nach dem 1. Oktober werde die "Verpartnerung" offiziell umgeschrieben, sagt Hinze. Der Emmericher Bürgermeister selbst bezeichnete sich zuletzt im Gespräch mit unserer Redaktion selbst als "nicht überreligiös". Er hatte aus den Wortgottesdienst in der Kirche auch als politische Botschaft verstanden: "Wenn es nicht möglich ist, Kirche von oben zu ändern, dann ist es ist aber dennoch wichtig, an der Basis ein Zeichen zu setzen, dass wir in anderen Zeiten leben als vor 20 Jahren. Das Minimum ist, sich in der Kirche einen Segen geben zu lassen."

(RP)
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