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Haldern Pop: Perfekter Tag für Patti Smith im Kornfeld

Haldern Pop : Perfekter Tag für Patti Smith im Kornfeld

Es muss ein wunderbares Bild gewesen sein, wie Patti Smith da versonnen durch die dichten Kornfelder um Haldern schlendert. Die Sängerin konnte sich gar nicht sattsehen, ruhte in sich und war von der Umgebung so angetan, dass sie später diesem Tag, diesem Ort und den Fans Lou Reeds "Perfect Day" widmete.

Es war nur gut, dass die Musikerin nicht schon am Abend zuvor durch die Felder gelaufen ist. Denn da fegten Sturm und Regen über das Festivalgelände. Der Wind, der Pavillons auf dem Zeltplatz zu Drachen werden ließ, hätte die spindeldürre Person sicher gepackt und über die Grenze davongeweht. So zart und zerbrechlich wirkt Patti Smith auf der Bühne, die sie mit einer Tasse in der Hand betritt. Im Laufe des Abends werden weitere Tassen folgen. Was sie da zu sich nimmt, bleibt ihr Geheimnis. Es muss ein Lebenselixier sein. Denn in dem Moment, in dem die ersten Töne erklingen, kommt Leben in die zierliche Dame. Sie tanzt, sie zuckt, sie schäkert, sie rotzt. Diese Frau ist eine Bühnenmaschine, die nicht mehr zu stoppen ist, wenn sie Fahrt aufgenommen hat. Und dann diese Stimme. Sie lässt immer noch Funken aus den Boxen sprühen. So singt doch keine 67-Jährige. Die spielt mit dem Publikum. Zieht die Mütze zu Applaus vom Haar, knöpft das Jackett zu Applaus auf und dirigiert den Platz zu ihren Hits "Because the Night" und "Gloria". Widmet Songs verstorbenen Rockgrößen wie Johnny Winter und Jerry Garcia.

Und als das junge Mädchen nebenan freundlich fragt: "Könnten Sie mir vielleicht sagen, wer Jerry Garcia ist?", zeigt das zwei Dinge: Einmal, dass man altersmäßig weitaus näher an Patti Smith als am Großteil der Besucher ist und außerdem wie sehr Patti Smith auch die jungen Menschen zu packen weiß. Denn Hand aufs Herz. Bei wie vielen Konzerten ist es uns nicht furchtbar egal, wem der Sänger da gerade seinen Song widmet?

(zel)