Rees: Parallelwelten aus dem Atelier in Haldern

Rees: Parallelwelten aus dem Atelier in Haldern

Jan Meininghaus arbeitet als freischaffender Grafiker für Rock-Labels und Modefirmen. Er ist auch ein großer Oldtimer-Fan.

Coole Filmhelden und tätowierte Bräute mit schweren Waffen. Rockabilly-Schönheiten mit verchromten Oldtimern. Lebende Leichen mit Lederkutte und E-Gitarre. Die Illustrationen, die Jan Meininghaus in seinem Halderner Atelier erschafft, stehen durch und durch für amerikanische Popkultur und wollen auf den ersten Blick so gar nicht zum Niederrhein passen. "In vielen meiner Werke geht es um Flucht, Eskapismus und Parallelwelten", erklärt der freischaffende Grafiker. "Da spielt es keine Rolle, an welchem Ort sie entstehen."

"Arise" heißt dieses Werk von Jan Meininghaus, das seine Leidenschaft für Action und Science Fiction zeigt. Foto: Meininghaus

Nach elf Jahren, in denen er in Essen gelebt und gearbeitet hat, ist der Künstler ganz bewusst in seinen Heimatort Haldern zurückgekehrt. "Ich genieße hier den Luxus, mehr Platz zu haben und keine nervigen Jobs annehmen zu müssen, um das teurere Großstadtleben finanzieren zu können." Auch für seine formschönen Autos, einen 67er Ford Mustang und einen 64er Ford Galaxie, muss der Oldtimer-Fan nie lang nach einem Parkplatz suchen. Jan Meininghaus kam 1973 in Pakistan zur Welt, wo seine Eltern als Lehrer an einer deutschen Schule unterrichteten. Ein Jahr später zog die Familie vom Himalaya nach Haldern.

Die Mutter, selbst Künstlerin und Galeristin, förderte die Kreativität ihres Sohnes ebenso wie später die Kunstlehrer Ralph Conrad und Sigurt Gottwein am Gymnasium Aspel. "Jedes Kind, das in einer ländlichen Region aufwächst, muss seine eigene Phantasie entwickeln, wenn das Leben irgendwie spannend werden soll", sagt Jan Meininghaus.

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Seine Parallelwelt waren vor allem die der "Star Wars"-Filme. Nachdem er 1982 im Reeser Kino "Das Imperium schlägt zurück" gesehen hatte, wurden die Science-Fiction- und Fantasy-Epen zu einer Art Ersatzreligion. Später kam die Rockmusik dazu.

Mit der Crossover-Band "Breeding Fear" trat er von 1994 bis 1999 auf und gestaltete mit Sänger Thomas Ewerhard, der ebenfalls aus Haldern stammt, auch die Plakate und CD-Cover. "Der Metal-Underground war ein idealer Nährboden für unsere ersten grafischen Gehversuche", sagt Jan Meininghaus. Heute erhalten er und Thomas Ewerhard ihre Aufträge von namhafen Rock-Labels, Unternehmen und Magazinen. Besonders gern arbeitet Jan Meininghaus für die junge Firma Rumble 59, die Rockabilly-Kleidung vertreibt. Für sie designt er T-Shirts, fotografiert Mode, gestaltet Kataloge und Internetseiten. In seinem Atelier arbeitet der Künstler mal ganz klassisch mit Bleistift und Pinsel, immer öfter aber digital am Grafiktablett, wobei Handzeichnungen direkt auf den Computerschirm übertragen werden. Aktuell bereitet Jan Meininghaus eine Ausstellung für die SoldOut Gallery in Bochum vor. Ab Mai wird er Bilder von Legenden des Punkrock und Hardcore zeigen. Eine Ausstellung in Rees oder Haldern kann er sich aktuell nicht vorstellen: "Selbst im Ruhrgebiet wird sich nur begrenzt das richtige Publikum für meine Art von Bildern finden."

www.jan-meininghaus.de

(ms)
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