PAN Museum Emmerich zeigt farbenfrohe Impressionen von Heiner Schlesing

Kultur : Farbenfrohe Impressionen im PAN

Am 30. August wird im PAN eine Ausstellung mit rund 200 Werken Heiner Schlesings eröffnet. Dass die Bilder des interessanten Malers, der 1992 starb, nicht in Vergessenheit gerieten, ist dem Reeser Dieter Roos zu verdanken.

Als Heiner Schlesing 1992 im Alter von 91 Jahren in Köln starb, hinterließ er ein großes Lebenswerk. Über 600 Bilder — Gemälde, Skizzen, Zeichnungen — fanden sich nach neuesten Erkenntnissen in seinem Nachlass. Gut 200 davon werden ab Freitag, 30. August, im PAN Kunstforum in der ersten großen Retrospektive zu diesem Künstler zu sehen sein, der in einer farbenfrohen und zugleich sehr interessanten Bilderwelt lebte.

Heiner Schlesing wuchs zwischen zwei Weltkriegen in Karlsruhe auf. Schon im Alter von 15 Jahren nahm er Zeichenunterricht, begann 1925 ein Studium an der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe und wurde Meisterschüler von Professor Hans-Adolf Bühler.

Für die damalige Zeit nicht alltäglich: Von 1928 bis 1933 unternahm Schlesing eine Fülle von Reisen nach Sizilien, Palästina, Bagdad, Beirut, Ninive, Basra, Neu Delhi, Kaschmir, Benares, Singapur, Java, Sydney, Bora Bora, Tahiti, USA und später noch einmal nach Zentralafrika. Nach dem Verlust seines Berliner Ateliers und fast des gesamten Vorkriegswerkes im Bombenhagel auf Berlin, lebte Schlesing von 1946 bis 1949 in Hamminkeln, wo er mit dem Marienthaler Künstlerkreis verbunden war, und setzte seine künstlerische Arbeit fort. 1949 zog er nach Köln, dort war er zunächst als freischaffender Künstler und später von 1957 bis 1972 als Kunsterzieher tätig.

Das Besondere an Schlesing: Er ist in vielen Kunstrichtungen zuhause. Klassische, gegenständliche Malerei beherrschte er genauso souverän wie abstrakte, expressionistische Ausdrucksformen. PAN-Kuratorin Christiane van Haaren versucht dies den Museumsbesuchern auch mit einer besonderen Hängung zu verdeutlichen: Neben den großen Werken sind oft auch Skizzen und Vorabarbeiten zu finden, die zeigen, wie Schlesing von einer zunächst ganz gegenständlichen Zeichnung, die er meist mit Filzstift oder Kugelschreiber anfertigte, in mehreren Schritten zu seinem eigentlichen Motiv kam.

Dass die Bilder Heiner Schlesings, von denen nur wenige im Umlauf sind, nicht in Vergessenheit gerieten, ist dem Reeser Dieter Roos zu verdanken. Er hatte vor einigen Jahren drei Gemälde mit Motiven vom Niederrhein gekauft, die nur mit „H.S.“ beziehungsweise „Heiner“ signiert waren. Weil ihm die Bilder gut gefielen, wollte Roos herausfinden, von wem sie stammten. Er wurde fündig. Mit der damals noch in Köln lebenden Witwe Inge Schlesing nahm er Kontakt auf und stieß auf das große Gesamtwerk ihres Mannes. Inge Schlesing, 90 Jahre alt, lebt mittlerweile seit einigen Jahren in Rees. Der Großteil des Gesamtwerks ihres Mannes befindet sich in ihrem Besitz. Am 30. August wird sie zur Eröffnung der Ausstellung kommen.

Dieter Roos war es auch, der den Kontakt zum PAN herstellte. „Wir hatten schon lange vor, Bilder von Heiner Schlesing zu zeigen, jetzt klappt es endlich“, freut sich Christiane van Haaren, die von den Werken des Künstlers sehr angetan ist: Die Bilder hat sie chronologisch geordnet. Beginnend mit einer Zeichnung aus dem Jahr 1926 geht es mit den verschiedenen Phasen Schlesings weiter, die durch die Auslandsaufenthalte vorgegeben wurden. Südseefischer, Araber, Szenen aus Indien, afrikanische Ureinwohner, Landschaften — all das hat Heiner Schlesing in meist sehr farbenfrohen Bildern festgehalten. Selbst wenn er mit dem Stilmittel der Verfremdung arbeitete, sind seine Motive gut erkennbar.

Schlesing war aber auch Kriegsmaler an verschiedenen Fronten. Er schuf Bilder wie „Atomtod“, „Wiederaufbau“ oder „Heimkehr“. Beeindruckend auch seine christlichen Motive, denen im PAN ein eigenes Kabinett gewidmet ist. Auch den Kölner Dom hielt er nach dem Krieg in seiner ihm ganz eigenen Art fest, verwandte auch hier Elemente des Kubismus, ohne aber nachzuahmen.

Seine Kunst beurteilte er einmal wie folgt: „ich glaube, ich habe ein paar anständige Bilder gemalt.“

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