Origineller Bildervortrag im Kolpinghaus Rees

Historisches : Origineller Bildervortrag im Kolpinghaus

Klaus Kuhlen vom Reeser Geschichtsverein berichtete von Briefen seines Großvater.

Seinen Großvater Friedrich Meyer hat Klaus Kuhlen nie kennengelernt. Der Schriftsetzer und Buchdrucker fiel im Ersten Weltkrieg im Alter von 33 Jahren. Dank vieler Briefe und Postkarten, die Friedrich Meyer insbesondere während seiner militärischen Ausbildung in Berlin an die Mutter und die Geschwister in der Reeser Oberstadt schickte, kann sich Klaus Kuhlen aber auch nach über 100 Jahren noch ein gutes Bild davon machen, aus welchem Holz „Opa Fritz“ geschnitzt war und was er von 1901 bis 1903 beim Kaiser-Franz-Garde-Grenadierregiment erlebte.

Für einen Bildervortrag im Kolpinghaus schlüpfte Klaus Kuhlen, zugleich zweiter Vorsitzender des Reeser Geschichtsvereins RESSA, in die Rolle des Großvaters und bot den Zuhörern ein originelles Zwiegespräch mit dem Enkel. Aufgelockert durch Familiengeschichten, Marschmusik, historische Fotos und viel Briefverkehr wurden die wenigen Freuden und vielen Entbehrungen deutlich, die der Dienst „bei den Preußen“ mit sich brachte.

Fotos von „Opa Fritz“ und seinem Enkel Klaus Kuhlen. Foto: ressa

Das harte Tagesprogramm gab Exerzieren, Unterricht, Putz- und Flickstunden sowie Tagesmärsche zum Truppenübungsplatz in Döberitz vor. Für Abwechslung sorgten viel zu seltene Höhepunkte wie eine Kaiserparade, der auf dem Tempelhofer Feld auch „der Kronprinz von Siam, der König von Persien, alle Prinzen und Gott weiß wie viele andere Herrschaften“ beiwohnten. Die Briefe verraten, dass Friedrich Meyer am Tag 20 Pfennig Taschengeld und 30 Pfennig Essensgeld erhielt. Auch in dieser Hinsicht war der Umstand, als Soldat nach Berlin entsandt worden zu sein, eher eine Bürde als eine Ehre.

Ohne die regelmäßigen Essenspakete und Geldgeschenke aus Rees wäre sein Leben in der Hauptstadt noch härter gewesen, als es ohnehin schon war.

Während der junge Soldat die vielen restlichen Tage bei der Garde zählte, hielt ihn vor allem der Kontakt nach Rees über Wasser. „Ein Brief von zu Hause war wie ein Feiertag“, sagte Klaus Kuhlen in der Rolle des Großvaters. Und wenn andere Reeser Soldaten, wie etwa Leo Essing, Heinrich Knist, Anton Jansen oder Theodor Jansen, vom Heimaturlaub zurückkehrten, war es stets eine Freude, den neuesten Klatsch vom Niederrhein zu hören und zu kommentieren: „Man freute sich, Platt sprechen zu können. Das war Heimat, aber auch unsere Geheimsprache.“

Elf Jahre nach seiner Zeit in Berlin wurde Friedrich Meyer im Ersten Weltkrieg nicht mehr im Garderegiment eingesetzt. Als Reservist war er automatisch Angehöriger eines Landwehrregiments. Am 30. Dezember 1914 fiel er in Souain-Pertes und fand seine letzte Ruhestätte mit 10.000 anderen Soldaten in einem Massengrab in Frankreich. Sein Name steht auf dem Ehrenmal im Reeser Stadtgarten.