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Interview: Olding gegen den Weihnachtsmann

Interview : Olding gegen den Weihnachtsmann

Der Weihnachtsmann ist überall, meistens als süße Verführung. Und er steht als Symbol für vieles, was vom wahren Sinn von Weihnachten ablenkt. Das ist die Überzeugung von Kaplan Christian Olding.

Bei Schoko-Weihnachtsmännern schmeckt Ihnen schon die grundlegende Idee nicht. Warum?

Olding Ja, das geht wirklich gar nicht! Wir feiern Weihnachten die Geburt Jesu Christi. Der eine bringt die Erlösung der Welt, der andere bringt nen dicken Bauch und Karies und ist eine Werbefigur. Da wird verhohnepipelt, worum es Heiligabend geht. Weihnachten bedeutet: Gott wird Mensch. Da ist das Versprechen, dass er immer bei uns ist. Und was verspricht der Weihnachtsmann?

Ist er für Sie ein Symbol für die Entchristlichung des Festes?

Olding Er reiht sich ein in eine Gruppe verschiedener Dinge, die dazu gehören, ja. Es gibt da eine Strategie, das Fest für alle schmackhaft zu machen, ohne den Kern dabei mitzunehmen, um den es geht. Wenn man die Leute heute fragt, was Weihnachten ausmacht, kommt mit Glück noch: ,Das Fest der Familie'. Und es gibt Geschenke und man hat frei.

Wie bibeltreu ist denn die Vorstellung vom Christkind?

Olding Die ist schon biblisch begründet. Jesus hat mitten in der Nacht in der Krippe gelegen. Davon ist auszugehen.

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Gut — aber ich wette mit Ihnen, die meisten Kinder stellen sich unter dem Christkind ein kleines Engelchen vor, vielleicht noch mit Flügelchen und blonden Locken. . .

Olding Diese Engelchen-Vorstellung habe ich persönlich erst spät kennengelernt. Und ich finde sie völlig abstrus. Gott wird Mensch, und nicht Engel. Auch dazu muss ich sagen: Leute, versüßt das Fest doch nicht so weit, dass Ihr dadurch die Botschaft kaputtmacht! Gott wird einer von uns. Und zwar gerade da, wo das Elend zu Hause ist.

Kann der Weihnachtsmann nicht grob unter dem Titel "Folklore" gerechtfertigt werden? So wie geschmückte Tannen, Glitzerkugeln, Gänsebraten, Engel-Kitsch?

Olding Klar, das hat alles auch nichts mit der Botschaft zu tun. Weihnachten bedeutet eben Emotion, bedeutet Gefühl. Dem muss man irgendwie Rechnung tragen. Ich selbst liebe auch alles, was blinkt und glitzert. Vielleicht lasse ich mir eines Tages ein paar leuchtende Rentiere aufs Dach montieren. Solche Dinge können die weihnachtliche Stimmung unterstützen. Das finde ich völlig in Ordnung, so lange man im Blick behält, was der Kern des Festes ist.

Wird der Weihnachtsmann-Kult mehr, der Glaube ans Christkind weniger?

Olding Ich glaube, es gibt einen allgemeinen Trend, dass christliche Feste an Bedeutung verlieren, weil die Menschen damit immer weniger anfangen können. Damit sich das wieder ändert, braucht es umso mehr den realitätsnahen Bezug von Weihnachten. Das hat nämlich nichts mit einer Stall-Idylle zu tun. Realistisch betrachtet wird es eine Höhle gewesen sein, saukalt und dunkel, und Maria war vielleicht 14 Jahre alt. Eine 14-Jährige, die in großer Armut ein uneheliches Kind zur Welt bringt. Der Clou dabei ist, dass Gott da sein Leben als Mensch anfängt: mitten im Elend. Gott will Mensch werden, wo es uns weh tut. Nicht auf der schönen Seite des Lebens, sondern auf der Schattenseite. Ich glaube, dazu finden die Menschen mehr Bezug als zum Kitsch.

Der Konfrontation mit dem Weihnachtsmann können Familien kaum ausweichen. Er ist überall, in Kaufhäusern, auf Plakaten, im Fernsehen. Was können Eltern Kindern dazu sagen?

Olding Der erste Schritt ist, schon zu Nikolaus keinen Weihnachtsmann, sondern einen Nikolaus zu schenken. Die Bedeutung des Christkindes lässt sich Kindern sowieso gut vermitteln. Und davon abgesehen hören wir auch Märchen oder sehen uns "Herr der Ringe" an und glauben trotzdem nicht, dass sich solche Geschichten im Wald von Emmerich abspielen. Das eine ist Fiktion, das andere ist Realität. Das können Kinder einordnen.

Wie stehen Sie zum Osterhasen?

Olding (Lacht) Oh nein! Geht noch weniger als der Weihnachtsmann.

SINA ZEHRFELD

(RP/rl)