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Offizielle Infektionszahl im Kreis Kleve zu niedrig für Corona-Lockdown

Corona-Infektionen : Kommt der „Lockdown“ für den Kreis Kleve?

Die Corona-Entwicklung im Kreis Kleve erinnert an die im Kreis Coesfeld. Doch momentan sprechen die offiziellen Zahlen noch dagegen, dass die Lockerungen zurückgenommen werden müssen.

In ein Restaurant gehen, sich mit mehreren Personen in der Öffentlichkeit treffen, größere Einzelhandelsbetriebe aufsuchen oder im Fitnessstudio trainieren – viele Lockerungen, die für fast alle Städte schon Anfang Mai griffen, mussten im Kreis Coesfeld um eine Woche verschoben werden. Der Ausbruch der Corona-Pandemie in einem Schlachthof in Coesfeld hatte dazu geführt, dass dort der so genannte Lockdown bis zum 18. Mai andauerte. Kindertagesstätten und Schulen waren davon ausdrücklich ausgenommen.

Der Hintergrund der Maßnahme ist vom Land NRW festgelegt: Gibt es in einer Woche mehr als 50 neue Fälle pro 100. 000 Einwohner („Sieben-Tage-Inzidenz“) müssen wieder schärfere Waffen gegen die Ausbreitung des Coronavirus eingesetzt werden. Es kommt zu einem erneuten Lockdown. „Wenn wie in Coesfeld ein Kreis das gesetzte Limit bei den Infektionszahlen überschreitet, gehen wir schnell, zielgerichtet und konsequent dagegen vor“, hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet angekündigt. Beim Schutz der Menschen dürfe es keine Kompromisse geben.

Kann also ähnliches wie im Kreis Coesfeld nun auch im Kreis Kleve passieren, nachdem am Dienstag bekannt wurde, dass sich 26 hier lebende Leiharbeiter auf einen Schlag in einem Schlachthof in den Niederlanden infiziert haben?

Im Moment spricht rein statistisch noch einiges dagegen. Die Zahl der im Kreis Coesfeld Infizierten war deutlich höher bei gleichzeitig niedrigerer Einwohnerzahl. Im Kreis Coesfeld (rund 219.000 Einwohner) waren zunächst 151 Mitarbeiter des betroffenen Schlachthofs positiv getestet worden, die zu den weiteren aktiv Infizierten hinzugezählt wurden. Deren Quote war bis dahin ähnlich unauffällig wie in anderen Landkreisen. Später kam allerdings noch einmal fast die gleiche Anzahl an Mitarbeitern des Schlachthofs hinzu.

Im Kreis Kleve (circa 310.000 Einwohner) gab es (Stand Mittwoch mittag) 46 neu infizierte Menschen. Zur Verdeutlichung: Käme es im Kreis Kleve zu einem Lockdown, dann müsste diese Zahl auf 150 hochschnellen.

Das hört sich so an, als ob das kaum möglich ist. Dennoch muss man bedenken, dass in Emmerich erst sieben von 40 Unterkünften getestet worden sind. In Kleve gibt es 51. In Kranenburg sind es 18, in Goch 24.

Ein genaueres Bild könnte sich ergeben, wenn alle im Kreis lebenden und in den Niederlanden arbeitenden Leiharbeiter getestet würden. Ob auch dann der für den Fortbestand der Lockerungen erforderliche Quotient noch erreicht würde, ist eine spannende Frage.