Night Wash Comedians überbieten sich mit Weisheiten in Emmerich

Night Wash im Stadttheater : Eine Comedyshow, so heiß wie Kochbeutelreis

Das Night-Wash-Quintett überbot sich bei der Show im Stadttheater mit überspitzten Weisheiten zwischen Biohuhn und Rassismus.

Night Wash – Die beste Mixshow des Comedy Deutschlands. So wirbt der Veranstalter um sein Publikum. Konnten die Veranstalter dieses Versprechen auch vor dem Publikum im Emmericher Stadttheater erfüllen? Vorweg: Ja, sie konnten es. Denn die fünf Künstler – Keirut Wenzel, Cüneyt Akan, Kevin Ray, Robert Alan und  Jakob Schwerdtfeger – haben das Geheimnis des guten Comedy erkannt. Es ist die Fähigkeit, den Zuhörer dort mitzunehmen, wo er steht, nämlich in seinen Alltagsgeschichten.

 Es wurde gealbert, angeprangert und kritisiert im Sekundentakt, manchmal nur geblödelt. Selbst schlichte Witze wurden pointiert erzählt. Manchmal lagen die Gags auch unter die Gürtellinie, gelegentlich sogar an der Grenze des guten Geschmacks. Und doch machte dieser Mix den Erfolg des Abends aus. Die Künstler suchten den Kontakt zum Publikum und die Emmericher gingen mit. Kein Wunder, lag doch das Durchschnittsalter bei der Show irgendwo zwischen 25 und 35 Jahren.

Keirut Wenzel betrat als erster die Bühne und überzeugte als Biologe durch seine Detailkenntnisse aus der Welt der Wissenschaft. Bei seinem Feldzug gegen Bakterien und kommerzielle Werbung blieb er irgendwann beim Biohuhn hängen und tröstete das Publikum mit nachdenklicher Miene: „Auch ein Biohuhn wandert nach einem erfüllten Leben in Freiheit in einen Kochtopf, aber nicht einfach so, sondern ökologisch durch elektrischen Strom aus Windkraft“.

Cüneyt Akan beschäftigte sich intensiv mit der Frage, wo beginnt, wo endet Rassismus, Diskriminierung? Als dritter Künstler betrat Kevin Ray die Bühne. Seine Aura ist die des sympathischen Jungen von nebenan, mit seinen 25 Jahren repräsentierte er eine Generation, die selbstbewusst durchs Leben geht und gleichzeitig gnadenlos eigene Schwächen ins Visier nimmt.

Endlich Musik, mögen viele gedacht haben, als Robert Alan die Bühne betrat und sich an das Piano setzte. Alles was in ihm ist, verpackte Alan in einem Song. Perfekt bewegte er sich zwischen Schunkelliedern, Rock‘n’Roll, zwischen Protest und Liebeslied. Tosender Beifall nach seinem Chanson „So heiß wie Kochbeutelreis“. Nachdem er genüsslich den Kunstbetrieb und seine Machenschaften zerlegt hatte, lieferte Jakob Schwerdtfeger, wertvolle Hinweise zu einem Gang durch eine Galerie: Gehe langsam wie eine Kröte – die Hände auf den Rücken – gebe im richtigen Moment den richtigen Kommentar.

Viel spontaner Zwischenapplaus während des Programms und großer beim Abschluss beendete die Show.

(H.B.)