Emmerich: Niederländer erinnert an Absturz

Emmerich: Niederländer erinnert an Absturz

Mit einem vor kurzem am Rande eines Feldwegs platzierten Kreuz möchte Jens van Gessel an einen Flugzeugabsturz 1943 auf einem Acker in Klein-Netterden aufmerksam machen, der 's-Heerenberg hätte treffen können.

Das Rätsel um das Kreuz am Flassertweg in Klein-Netterden ist gelöst. Gestern meldete sich Jens van Gessel telefonisch bei der RP-Redaktion und erklärte, er habe es zusammen mit seinem Vater und seinem Sohn dort aufgestellt, um an den Absturz von ED937 im Jahr 1943 zu erinnern.

Wie am Mittwoch berichtet, befindet sich das weiße Kreuz, das mit künstlichen Mohnblumen und einem Flugzeug verziert ist, seit kurzem am Rand eines Feldes in Klein-Netterden. Dass es an den Absturz eines Flugzeugs am 17. Mai 1943 erinnern soll, wird aufgrund der Inschrift deutlich, nur wer es dort aufgestellt hat, wusste niemand. Bis Freitag.

Die Maschine mit 15 Mann an Bord war in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 von England aus gestartet, um einen Angriff auf die Stromversorgung Nazi-Deutschlands zu fliegen. Das Ziel der insgesamt 19 Lancaster-Bomber der Royal Air Force waren sechs Talsperren im heutigen Nordrhein-Westfalen und in Hessen. Möhne- und Edertalsperre wurden stark getroffen. Beim Angriff auf die Edertalsperre wurde jedoch auch die ED937 beschädigt, so dass sie auf dem Rückflug für deutsche Flak-Stellungen leicht auszumachen war - über Emmerich wurde die Maschine abgeschossen.

Auch in Heeren-Herken war eine Maschine aus dem Geschwader, das den Angriff an jenem Maitag 1943 flog, abgestürzt. Dort hat der Heimatverein Haldern eine Gedenktafel aufstellen lassen.

  • Emmerich : Rätselraten um ein Kreuz

Jens van Gessel ist selbst Pilot. Gebürtig kommt er aus 's-Heerenberg, lebt nun aber mittlerweile seit sechs Jahren in Schottland. Früher war er Mitglied im Emmericher Flugsportverein, nun steuert er einen Hubschrauber für die Ölindustrie.

Von dem über Emmerich abgeschossenen Flugzeug hatte er gehört und angefangen, darüber zu recherchieren. "Vieles, was im Internet darüber zu lesen ist, stimmt allerdings nicht", hat er herausgefunden. Seine Erkenntnisse stützen sich auf zahlreiche Bücher, die er über den Luftkrieg am Niederrhein gelesen hat. Er ist der Überzeugung: "Wäre das Flugzeug nicht an dieser Stelle in Emmerich heruntergekommen, es wäre über 's-Heerenberg abgestürzt und hätte dort möglicherweise weitere Opfer gefordert. Denn die Stadt liegt exakt auf dieser Flugstrecke."

Genau das sei für ihn auch der Anlass gewesen, das Kreuz in Klein-Netterden aufzustellen. Nicht aus persönlichen Gründen, sondern um an den Absturz und die vermiedene Katastrophe zu erinnern.

Ob der Pilot der ED937 vielleicht sogar absichtlich seinen Lancaster-Bomer in Klein-Netterden auf ein Feld prallen ließ, um einen Absturz über bewohntem Gebiet zu vermeiden, kann auch Jens van Gessel nicht sagen. Möglich wäre es schon. "Aber das wäre natürlich auch eine Behauptung, die sich durch nichts beweisen ließe", erklärt der Niederländer.

(RP)
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