Die Bürgermeister-Kandidaten: "Nicht um den heißen Brei herumreden"

Die Bürgermeister-Kandidaten: "Nicht um den heißen Brei herumreden"

Johannes Epping von der FDP sieht sich selbst als Außenseiter im Rennen um das Isselburger Bürgermeisteramt. Er ist ein politischer Quereinsteiger, der für die Stadt viel erreichen will.

Sie als Ur-Heeldener zu bezeichnen, ist wohl keine Übertreibung?

Foto: CHROMORANGE / Bilderbox

Epping Stimmt. Schon mein Vater ist in Heelden geboren. Ich bin hier als jüngstes von sieben Kindern aufgewachsen und lebe noch heute in meinem Elternhaus. Ich habe mal versucht, ein Wochenende irgendwo anders zu leben, aber - nein - das war nichts. Ich gehöre hier hin.

Zur Bürgermeisterwahl treten drei Kandidaten aus drei verschiedenen Ortsteilen an: Isselburg, Anholt und Heelden.

Epping Das ist spannend. Ich bin nicht nur körperlich der kleinste, sondern auch der unerfahrenste, wohne im kleinsten Ort und habe die kleinste Partei hinter mir. Also bin ich der absolute Außenseiter.

Wann ist die Entscheidung bei Ihnen gereift, bei der Bürgermeisterwahl anzutreten?

epping Die FDP wollte ursprünglich eine öffentliche Debatte zwischen Olaf Roßmüller und Michael Carbanje haben. Ich persönlich fand diese Entscheidung falsch.

Wieso?

Epping An sich war der Gedanke schon gut, aber es hieß, danach entscheidet die FDP, ob sie einen eigenen Kandidaten aufstellt oder nicht. Da war ich der Meinung, dass diese Entscheidung falsch ist. Wenn wir erst nach der Diskussion gesagt hätten, wir haben da einen besseren Kandidaten, macht das nach außen ein schlechtes Bild. Zudem hätte der FDP-Kandidat dann ja auch eine Debatte weniger. Dann hieß es von Seiten der Partei, dass ich mich ja seit Jahren für Heelden und Isselburg einsetze. Auch schon als Nichtpolitiker. Und ich wurde gefragt, willst Du es nicht machen?

Sie sind erst in relativ hohem Alter in die FDP eingetreten. Warum?

Epping Ich bin so etwas wie ein Quereinsteiger. Mitglied in der FDP bin ich seit 2013. Hermann Gebbing hat da viel Überzeugungsarbeit geleistet, weil ich mich nicht als typischen Politiker sehe. Ich kann nicht lange um den heißen Brei herumreden. Vor diesem Hintergrund hat mich dann auch das Wahlergebnis bei der letzten Kommunalwahl total überrascht, als ich 21 Prozent in meinem Bezirk geholt habe und noch vor der SPD gelandet bin.

Wie waren die Reaktionen aus Ihrem Umfeld?

epping Bisher durchweg positiv. Die einzige Frage, die mir immer gestellt wird, ist, ob ich das auch gesundheitlich schaffe. Ich hatte im Februar einen Herzstillstand, aber ich bin wieder voll auf der Höhe. Im Nachhinein war das wie ein Jungbrunnen für mich und ich sehe überhaupt kein Problem, dass ich die sieben Jahre Amtszeit nicht durchhalten könnte.

Wo würden Sie als Bürgermeister als erstes den Hebel ansetzen?

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Epping Man muss sagen, dass man als Bürgermeister in vielen Punkten auf den Rat angewiesen ist. Ich denke, die Hauptaufgabe eines Bürgermeister besteht darin, sich selbst erst einmal eine Meinung zu bilden und auch Innovationen zu haben. Er sollte eine Vorstellung davon haben, wie die Stadt Isselburg vorankommen kann. Diese, seine eigene Meinung muss er dann dem Rat auch so darlegen. Das habe ich so im Rat noch nicht erlebt. Ich will niemanden schlecht machen, ich meine nur, ich würde es anders machen.

Wie sähe es dann konkret aus?

Epping Wenn ich zum Beispiel sage, wir brauchen den Hochwasserschutz unbedingt, weil wir sonst Schwierigkeiten kriegen mit weiteren Baugebieten. Dann muss ich, auch wenn es eine Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden gibt, trotzdem gucken, wie ich die Stadt trocken halte. Da können wir keine langen Debatten im Rat führen. Jede Fraktion hat ihre Meinung, aber wir brauchen trotzdem jetzt eine Entscheidung. Ich würde dann in die Fraktionen hineingehen und sie überzeugen, dass wir handeln müssen. Das passiert aber aktuell nicht.

Können Sie noch ein weiteres Beispiel nennen?

Epping Wenn ich ein Großprojekt habe und ich jemanden diese Aufgabe übertragen habe, würde ich aber trotzdem als Bürgermeister in regelmäßigen Abständen nicht nur zu meinem Mitarbeiter gehen, sondern auch auf die Baustelle und fragen: Liegt ihr im Zeit- und Kostenplan, wo gibt's Schwierigkeiten? Und nicht auf einmal nach Jahren feststellen: Oh da läuft ja alles schief.

Sie haben Baugebiete angesprochen. Wie wichtig ist das für Isselburg?

Epping Das Thema möchte ich auf jeden Fall vorantreiben. Ich hätte es allerdings schon ganz gerne, dass da nicht nur Einfamilienhäuser gebaut werden, sondern auch Mehrfamilienhäuser für vier bis sechs Familien. Ich weiß nicht, ob das die Bürger so wollen, aber wenn sie es ähnlich sehen, sollten sie mich wählen, weil meine beiden Mitbewerber das wohl nicht so sehen.

Der Bürgermeister ist auch Chef der Verwaltung. Wie würden Sie diese Aufgabe denn angehen?

Epping Ich bin seit 52 Jahren Bürger der Stadt und in allen möglichen Lebenslagen immer wieder mit der Stadtverwaltung konfrontiert worden. Ich persönlich kann nichts Negatives über die Stadtverwaltung sagen. Aber es gibt Schwierigkeiten, wie wir im Rat immer wieder sehen. Kein Außenstehender kann sagen, woran es liegt. Deswegen würde ich als neuer Bürgermeister erst einmal die Leute so machen lassen, wie sie es bisher schon immer taten. Wenn ich dann sehe, da und da hapert es, führe ich Gespräche und sehe zu, dass Lösungen gefunden werden.

Falls Sie nicht gewählt würden, wie sieht ihr Alltag ab dem 15. Januar aus?

Epping Genau so wie jetzt. Ich würde dann sicherlich nicht in eine Depression verfallen.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE TORSTEN TENBÖRG

(RP)