Emmerich: Neumarkt: BGE will die Reißleine ziehen

Emmerich : Neumarkt: BGE will die Reißleine ziehen

Die Bürgergemeinschaft will nicht mehr mit den Investor Josef Schoofs weitermachen. Sie hält ihn für unseriös, nachdem er zum zweiten Mal vom Kaufvertrag zurücktrat. Keine seiner Zusagen habe er bislang eingehalten.

Für die BGE war die gestrige Berichterstattung über den Neumarkt Wasser auf ihre Mühlen: Nach Ansicht der Bürgergemeinschaft, die die Entwicklung rund um den zentralen Platz in der Stadt ohnehin schon seit langem kritisch beäugt, ist mit der neuesten Entwicklung eine Grenze überschritten worden, die eine weitere Zusammenarbeit mit dem Investor Josef Schoofs unmöglich macht. "Das Verhalten der Firma Schoofs ist seit dem Ratsbeschluss des Jahres 2011 ohne Unterlass im höchsten Maße unseriös. Herr Schoofs hat in diesen 42 Monaten keine seiner Zusagen eingehalten", wettere gestern BGE-Fraktionschef Gerd Bartels. Er will nun die Reißleine ziehen und den Ratsbeschluss zur Neumarktbebauung aufheben lassen. Unterstützung aus einer weitere Ratsfraktion habe er dafür bereits.

Wie berichtet, hatten die Vertragspartner Stadt Emmerich, Sparkasse und Schoofs vereinbart, dass Schoofs die Kaufsumme für das Neumarktgelände an die Sparkasse zu zahlen hat, wenn er bis September, das Baurecht der Stadt erhalte. Sollte kein Baurecht vorliegen, muss er nicht bezahlen. Stattdessen kauft dann die Stadt Emmerich, so dass das Center endlich aus den Bilanzen der Sparkasse verschwunden ist. Was jetzt passierte. Baurecht soll es für Schoofs nun im zweiten Quartal 2015 geben. Und bis dahin auch einen Kaufvertrag zwischen ihm und der Stadt.

Für die BGE ein Ding der Unmöglichkeit: "Baurecht kann nur geschaffen werden, wenn zum geplanten Vorhaben vom Investor prüf- und genehmigungsfähige Unterlagen eingereicht werden. Nach unseren Informationen liegen diese Pläne bis zum heutigen Tage aber nicht vor", so Bartels.

Er wirft Schoofs vor, es mit seinen Zusagen nie ernst gemeint zu haben und fragt sich, warum Stadtsparkasse und Stadt in "Nibelungentreue" an dem Investor dennoch weiter festhielten. Stattdessen stelle Schoofs immer weitere Forderungen, mit denen er nur "scheibchenseise" herausrücke, wie etwa zur Parkplatzsituation, Verkehrsführung und Zufahrten. Bartels: "Das ist dreist."

Auch mit Kritik an der CDU spart Bartels nicht: "Was hier passiert ist, ist Wahlbetrug. Außer dem Abriss des Centers rechtzeitig vor den Kommunalwahlen ist hier entgegen der Aussagen der CDU bislang nichts vorangegangen."

Statt mit Schoofs fordert die BGE nun Verhandlungen mit anderen Investoren. Weitere Verzögerungen spielten nach so langer Zeit, in der der Neumarkt brach lag, nun auch keine Rolle mehr. Gespräche mit einem potenziellen Interessenten hatte die Bürgergemeinschaft bereits vor gut einem Jahr geführt, als Schoofs das erste Mal vom Kaufvertrag zurücktrat. Damals habe es Signale für eine Investitionsbereitschaft gegeben, Stadt und Sparkasse hätten diesen Ball jedoch nicht aufgenommen.

Für Bartels dürfe es beim Neumarkt keine "Denkverbote" geben. "Wenn sich herausstellen sollte, dass sich ein Einkaufszentrum an dieser Stelle für Emmerich nicht rechnet und niemand investieren will, müssen wir eben über andere Dinge nachdenken. Vielleicht auch nur über einen bewirtschafteten Parkplatz", sagt er gestern.

Zumindest provisorisch würde den die BGE an dieser Stelle ohnehin für sinnvoll halten. Vor allem in Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft. "Eine Parkplatzfläche von 1000 Quadratmetern würde die Stadt etwa 20 000 Euro kosten", rechnete BGE-Ratsherr Udo Tepaß gestern schon mal vor.

(RP)
Mehr von RP ONLINE