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Neujahrskonzert 2020 begeistert im Bürgerhaus Rees

Konzert-Kritik : Begeisterndes Konzert im Beethoven-Jahr

Pianist Dominic Chamot und das Philharmonische Orchester Köln setzten mit Theo Römer im Beethoven-Jahr ein Ausrufezeichen.

Eigentlich wollte Theo Römer im vergangenen Jahr nach einem halben Jahrhundert Konzerttätigkeit seine Karriere als Konzertveranstalter an den Nagel hängen. Gut, dass er es nicht getan hat. Denn sonst wäre den Besuchern des bis auf den letzten Platz ausverkauften Reeser Bürgerhauses am Sonntagabend ein besonderer Hörgenuss entgangen.

Zum Neujahrskonzert hatte Römer zusammen mit dem Philharmonischen Orchester Köln geladen – ein Konzert, das ganz im Zeichen des vor 250 Jahren geborenen Komponisten Ludwig van Beethoven stehen sollte. Schon mit den ersten Klängen der Ouvertüre zum Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“ wurde klar, was für ein Abend in den nächsten zwei Stunden auf die Zuhörer warten würde – große Musik, in Perfektion dargeboten.

Bereits das zweite Stück geriet zum ersten Höhepunkt. Beethovens „Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 Es-Dur op.73“ gehört noch heute zu den weltweit am häufigsten aufgeführten Klavierkonzerten. In Rees stand dabei vor allem ein Mann im Mittelpunkt: Dominic Chamot. Der junge Pianist, der bereits vor zwei Jahren an gleicher Stelle begeisterte, stellte auch am Sonntag unter Beweis, dass er mit gerade einmal 25 Jahren bereits jetzt zu den ganz Großen seiner Zunft gehört. Selbst schwierigste Passagen schien er ohne Anstrengung zu meistern. Das präzise Spiel des Philharmonischen Orchesters und das souveräne, unaufgeregte Dirigat Theo Römers vollendeten dieses dynamisch-massive Werk zu einem vollkommenen Hörgenuss. Und hätte es noch eines letzten Beweises bedurft, wie gut Dominic Chamot sein Metier beherrscht, dürften die letzten Zweifel wohl mit der Dreingabe, dem b-moll Präludium Johann Sebastian Bachs, verflogen sein. Ein umjubelter Schlusspunkt für den ersten Teil des Konzerts.

Nach der Pause, hatten die 36 Musiker etwas mehr Platz, nachdem das Piano von der Bühne geräumt worden war. Beethovens „Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36“ stand nun an, ein musikalisches Feuerwerk, das dem Orchester alles abverlangte. Vor allem in dem mit Überraschungen gespickten grandiosen Finale bewiesen die Kölner ihre ganze Klasse. Theo Römer war dieser Glücksmoment anzusehen. Lang anhaltender Applaus war da nur die logische Konsequenz.

Doch kann ein solch wuchtiger Abend noch einmal eine andere Wendung nehmen? Er kann: Denn bei der Zugabe verwandeltem Theo Römer und das Orchester das Bürgerhaus in einen Wiener Ballsaal. Zunächst mit dem Kaiser-Walzer von Johann Strauß, dem Klassiker schlechthin aller Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker. Und dann, als die ersten ganz Eiligen schon auf dem Weg nach unten zur Garderobe waren, sorgte der Radetzky-Marsch für den Mitklatsch-Faktor und den furiosen Abschluss des Abends.

„Das hat sich wieder mal gelohnt“, kommentierte ein Sitznachbar, als sich der nicht enden wollende Applaus langsam legte. Die restlichen Konzertbesucher dürften das wohl genauso gesehen haben.

(Markus Balser)