Emmerich: Neujahrsdrehen in Elten: 2018 wird stürmisch

Emmerich: Neujahrsdrehen in Elten: 2018 wird stürmisch

Es ist eine schöne Tradition: Am ersten Tag des neuen Jahres drehen sich die Flügel und verraten, wie das neue Jahr wird. Gestern liefen die Flügel auf Maximaldrehzahl - ein turbulentes Jahr steht bevor.

Das Jahr 2018 wird stürmisch - in der Politik und in der Gesellschaft. Das "prophezeite" der Müller Frank Heeren beim traditionellen Neujahrsdrehen an der Eltener Mühle. "Bereits im letzten Jahr hatte ich das vorausgesagt und das Jahr 2017 war recht stürmisch mit den Flüchtlingen, den Wahlen und Trump in Amerika", sagte der Müller. Und auch an diesem Neujahrstag lief die Mühle am Möllenbölt, selbst ohne Segel, fast in maximaler Drehzahl - ein Zeichen für stürmische Zeiten. Auch wenn das Wetter windig war, so nutzte doch so mancher das trockene, zeitweise sogar sonnige Wetter am Neujahrs-Nachmittag zu einem Spaziergang und besuchte die Mühle, die von 13 bis 16 Uhr geöffnet hatte. So auch Christian und Nicole Malik aus Hüthum, die mit ihren Kindern und ihrem Besuch aus Hamburg eine Mühlenbesichtigung mitmachten.

"Die alte Technik ist faszinierend", sagte Gast Torsten Peters aus Hamburg. "Mir gefällt die Mühle", meinte auch sein neunjähriger Sohn Tarek. Sogar bis unters Dach der Mühle durften die Besucher diesmal hinauf. Aber vorher mussten sie die "Mühle einfangen", das heißt die Flügel festsetzen, denn sonst kann es in der Mühlenkappe gefährlich werden.

Im MühlenCafé hatte die neue Betreiberin Sandy Jansen für Erbsensuppe nach Großmutters Art, Waffeln und entsprechenden Getränken gesorgt. Der 1. Januar war gleichzeitig ihr erster Arbeitstag, an dem sie alle Hände voll zu tun hatte, weil sich eine Gruppe Eltener zum Brunch angesagt hatte. Für Feste aller Art, vom Geburtstag bis zur Kommunion, vom Klassentreffen bis zur Babyparty, aber auch für den Beerdigungskaffee, eignet sich die kleine, aber feine Lokalität. "Wir bereiten auch Frühstücke in verschiedenen Variationen für außer Haus zu", sagte die leidenschaftliche Bäckerin, die alle Kuchen selbst herstellt.

61 Mal war die Gerritzen-Mühle im Jahr 2017 an Sonn- und Feiertagen geöffnet. An den Sonntagen kamen 1650 Besucher. Zu den Events wie Neujahrsdrehen, Mühlentag zu Pfingsten und Novemberleuchten wurden dann noch mal weit über 2000 Besucher gezählt. 221 Stunden war das Mühlendenkmal geöffnet, davon gab es 191 Drehstunden, in denen die Flügel in Bewegung waren. Sechs Mal führten die Müller Workshops mit Kindergarten- und Schulkindern durch, in denen Korn gemahlen und danach daraus auch Pfannkuchen oder Waffeln gebacken wurden. "Zwei Emmericher Schulen haben uns als Projekt mit in den Lehrplan aufgenommen", erzählte Müller Frank Heeren. Außerdem wurde ein Wochenend-Workshop für Erwachsene angeboten und realisiert.

Groß war die Freude, als der Müller-Beruf vor rund zwei Wochen zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurde. Die Niederländische Gilde der Müller, der die vier Müller der Eltener Mühle angehören, hatte das beantragt. "Als ich Mitte Dezember hörte, dass der Antrag angenommen wurde, bin ich zur Mühle gefahren und habe mit den Flügeln gleich die Freuden-Schere gestellt", sagte Heeren.

Auch Emmerichs Bürgermeister Peter Hinze besuchte gestern die Mühle und wünschte allen Gästen ein gutes Jahr mit ganz vielen persönlichen Glücksmomenten. "Die Veranstaltungen in der Mühle sind über die Grenzen Emmerichs hinaus bekannt", sagte er und freute sich über die neue Pächterin des Cafés, gerade auch für die Hochzeiten, die in der Mühle gefeiert werden können. Touristikchefin Dr. Manon Loock-Braun sagte, dass die Mühle bei den Touristen sehr beliebt sei. "Wir haben jetzt vier ausgebildete Müller und die Mühle war noch nie so gut in Schuss wie jetzt. Im März/April wird das hölzerne Mühlenkreuz überprüft und renoviert", sagte sie.

(moha)