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Neues Leben in Georgien für Familie Tervoort aus Emmerich

EMMERICH/KUTAISI : Mit 60 ein neues Leben in Georgien für Familie Tervoort

Nach 60 Jahren in Emmerich wandern Silvia und Friedhelm Tervoort nach Georgien aus. Ihre Tochter Julia lebt mit Ehemann Matthias bereits seit März 2021 dort. Die beiden betreiben ein Gästehaus.

Der Hausrat ist in Kisten und Kartons verstaut, die Möbel abgebaut, die Koffer gepackt und die Wohnung in Emmerich verkauft. Silvia und Friedhelm, beide 60 Jahre alt, wandern aus.

Georgien - ein Land, etwa in der Größe von Bayern, das an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien liegt - wird ihre neue Heimat. „Die Freude auf Georgien ist größer als der Abschiedsschmerz vom Niederrhein“, sagt Silvia Tervoort. Denn Tochter Julia und ihr Ehemann Matthias sind bereits vor einem Jahr ausgewandert und fühlen sich dort sehr wohl.

Mitte 2019 hat das Quartett Georgien zum ersten Mal bereist. „Wir sind schon viel in der Welt herumgekommen und suchten nach einem besonderen Urlaubsort“, erzählt Silvia Tervoort. Ihre Tochter hatte im Fernsehen einen Bericht über Georgien gesehen, und auch die Recherche im Internet machte die Tervoorts neugierig auf dieses abwechslungsreiche Land.

Mit einem Allrad-Fahrzeug lernten sie in den Urlaubswochen die unterschiedlichen Seiten des Landes kennen. Und verliebten sich in Land und Leute. „Diese Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit ist einzigartig“, so Silvia Tervoort.

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In einem Gästehaus lernten sie den Sohn der Eigentümer kennen, der zwölf Jahre in Deutschland gearbeitet hatte und deshalb gut Deutsch sprach. Der erzählte von den tollen Möglichkeiten, sich in Georgien etwas aufzubauen. „Er sprach davon, dass ein Grundstück mit Haus bereits für 30.000 Euro zu bekommen ist. Und dass die Lebenshaltungskosten nur etwa ein Drittel der Kosten in Deutschland betragen“, sagt Friedhelm Tervoort.

Für die beiden jungen Leute stand schnell fest: Wir wandern aus. Die 33-jährige Julia arbeitete im kaufmännischen Bereich, der 34jährige Matthias in der IT-Branche. Aber ein „nine-to-five“-Job gehörte auf Dauer nicht zu ihrer Lebensplanung. In Georgien sahen sie ihre Chance, Zukunftsträume zu verwirklichen. Sie fanden Unterstützer und Freunde, die bei der Umsetzung halfen und im März des vergangenen Jahres wanderten sie aus. Am Stadtrand von Kutaisi, der drittgrößten Stadt Georgiens, haben sie ein Haus gekauft.

Julias Eltern und viele Freunde halfen, das als Gästehaus umzubauen. Sie taten sich mit Leuten aus der Tourismusbranche zusammen, um ihren Gästen ein buntes Programm an Freizeitaktivitäten wie Rafting, Canyoning, Wandern, Pferdeausritte, Kanu- und Kajakfahrten und vieles mehr anbieten zu können.

Es gab viel zu tun, unter anderem mussten im Haus Böden, Fenster, Türen, Wasser- und Stromversorgung erneuert, ein eigener Brunnen geschlagen und die Einfahrt betoniert werden. „Doch es läuft alles gut und die beiden sind sehr zufrieden“, so Silvia. Die jungen Leute haben sich gut eingelebt. Sie lernen gerade Georgisch bei einer Georgierin, die Deutsch studiert hat.

Ein besonderes Highlight war der erste eigene Wein, den Julia und Matthias aus den Trauben, die in ihrem Garten wachsen, selbst hergestellt haben.

Fast sechs Monate hat das Emmericher Ehepaar im letzten Jahr in Georgien verbracht und den Kindern geholfen, aber auch für die eigene Zukunft alles vorbereitet. „Es ist einfach toll, wie alle dort zusammenhalten. Hat man ein Problem oder eine Frage, bekommt man sofort Hilfe.“ Was sie auch festgestellt haben: In Georgien kann man alles kaufen, fast so wie in Deutschland. Und das Internet ist sogar besser.

Eigentlich wollten sie erst zu den Kindern ziehen, wenn sie mit 63 Jahren in Rente gehen. Aber Silvia und Friedhelm Tervoort fühlen sich in dem Land der 25000 Flüsse so willkommen – und auch finanziell passte es – dass sie ihre Pläne änderten. Sie kauften das 6000 Quadratmeter große Nachbargrundstück neben der Tochter. „Da steht zurzeit noch eine Hausruine, die abgerissen werden muss. Aber die Baupläne sind schon fertig.“ Das Grundstück liegt mitten im Grünen an einem Hang mit Blick auf den Fluss „Rioni“.

Am 27. Juli kommt der Lastwagen für Möbel und Hausstand. Und am 29. Juli sagen die Tervoorts ihrer Heimatstadt Emmerich „Auf Wiedersehen“ und steigen am Dortmunder Flughafen in den „one-way-flight“ nach Georgien. Zunächst werden sie in einem Appartement im Gästehaus der Kinder wohnen. Doch sobald wie möglich wollen sie in ihr eigenes Haus einziehen. „Bei den vielen Helfern wird das wohl nicht so lange dauern“, freuen sie sich.