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Neue Realschule für Emmerich im Sommer 2021?

Schulpolitik : Neue Realschule im Sommer 2021?

Initiativkreis prüft derzeit eine Privatschule in Elten oder eine staatliche im neuen Gesamtschul-Gebäude.

Im Herbst 2017 lag das Thema auf dem Tisch: Soll Emmerich wieder eine Realschule gründen? Oder läuft die alte tatsächlich im Sommer 2019 aus? Am Ende gab es eine Entscheidung gegen eine Realschule, weil gerade die Neubauten für die Gesamtschule in Planung waren.

Die Freunde der Realschule sind allerdings nicht untätig geblieben. Sie haben Erkundungen eingezogen und Schulen in der Nachbarschaft besucht. Das Ergebnis: Zwei Möglichkeiten einer Realschul-Neugründung sind möglich. Eine private Realschule in Elten und eine staatliche im Gebäude der neuen Gesamtschule neben dem Theater.

Herbert Ulrich koordiniert die Bemühungen um eine neue Realschule. Foto: van Offern, Markus (mvo)

Der Hintergrund: Der Beschluss für eine Gesamtschule in Emmerich fiel vor einigen Jahren deutlich aus, die Elternschaft schien der neuen Schulform zuzustimmen. Widerstand gab es in der CDU, doch sie musste sich letztlich beugen. Für die neue Schule laufen die Realschule und die Hauptschule in diesem Jahr aus. Nach dem Sommer verbleiben nur noch das Gymnasium und die Gesamtschule als wählbare Schulformen. Anmelden konnten Eltern ihre Kinder an der Haupt-oder Realschule schon lange nicht mehr.

Doch die euphorische Stimmung in der Elternschaft in Emmerich blieb nicht. Am Gymnasium bemerkten die Verantwortlichen eine deutliche steigende Zahl von Anmeldungen ohne entsprechende Gymnasiums-Empfehlung auf dem Zeugnis. Und mehr als das. Besonders aus den Emmericher Südstaaten fielen die Anmeldungen für die Realschule in Rees auf. 30 Kinder aus Emmerich gehen in Rees zur Schule. Zur Erklärung: In Rees gibt es noch das alte Schulsystem aus Gymnasium, Realschule und Hauptschule.

Im Herbst 2017 schließlich war der Unmut von Teilen der Emmericher Elternschaft auch öffentlich zu beobachten. Rund um den damaligen Elternsprecher der Emmericher Realschule, Hans-Joachim Büscher, bildete sich ein Kreis, der den Weiterbestand der Emmericher Realschule forderte. Weil deren Auslaufen allerdings beschlossen und durch die Behörden bereits eingeleitet worden war, musste es über die Neugründung einer (dann zweizügigen) Realschule gehen. Doch aus Rücksicht auf die junge Gesamtschule und die Millionen-Investitionen in diese wurde daraus nichts.

Dennoch existiert die Idee einer Realschul-Neugründung weiterhin. Gerade auch, weil es die hohe Zahl von Anmeldungen in Rees gibt. Der schulpolitische Sprecher der Emmericher CDU-Fraktion, Herbert Ulrich, stand damals in engem Kontakt mit den Realschul-Freunden. Und er koordiniert derzeit auch neue Versuche, eine Realschule in Emmerich zu ermöglichen.

Dafür gibt es zwei Wege. Nummer eins wäre eine private Realschule in Elten. Dort ließe sich ein Teil der Räume der ehemaligen Luitgardis-Hauptschule kaufen oder mieten. Nebendran befindet sich bekanntlich die Grundschule. Vorbild könnte die bilinguale (also zweisprachige) Realschule in Kranenburg sein. Die Politik im grenznahen Ort steht hinter der Schule. Voraussetzung wäre ein Trägerverein und eine Anschubfinanzierung von 100.000 Euro, die privat erbracht werden muss.

Eine deutsch-niederländische Realschule in Elten in privater Hand hört sich für Elten sympatisch an. Auch deshalb, weil viele niederländische Eltern in Elten leben, die ihre Kinder bislang noch auf niederländische Schulen schicken. Doch scheint den Beteiligten das Risiko zu groß. Ist die Summe für Privatleute zu stemmen, wenn es vielleicht keine Mehrheit im Emmericher Rat für eine Realschule gibt, sondern die Kräfte weiterhin auf die Gesamtschule konzentriert werden sollen?

Dann könnte vielleicht eher die Variante mit einer staatlichen Schule ziehen.

Herbert Ulrich hat dazu an den Kreis der Interessierten einige Gedanken formuliert. Er schreibt in einer E-Mail: „Die aktuellen Anmeldezahlen für die Gesamtschule betragen 110 Schülerinnen und Schüler, somit 4 Klassen. Geplant und ausgebaut wird die Schule aber für 6,5 Klassen eines Jahrgangs. Somit sind am Grollschen Weg weniger Klassenräume notwendig. Statt der Jahrgangsstufen 8 bis 10 bräuchten dort nur die Jahrgänge 9 und 10 untergebracht werden. Damit ergibt sich ein ausreichend großer Raumüberhang für eine neue zwei- oder dreizügige Realschule. Die Gesamtschule wäre somit in ihrem Bestand nicht gefährdet, sie würde sogar gestärkt, wenn die Realschulabsolventen in die Oberstufe der GS wechseln.“

Dazu bedarf es allerdings einer politischen Mehrheit in Emmerich. Um die müssen die Realschul-Befürworter werben.

Bis es so weit ist, wird sich vermutlich der neue Emmericher Rat damit befassen. Die Kommunalwahlen finden im Herbst 2020 statt. Findet sich dann eine Mehrheit, könnte Emmerich eine neue Realschule beantragen. Starten könnte sie dann im Jahr 2021 nach den Sommerferien.