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Neue Ausstellung im Rheinmuseum Emmerich

Rheinmuseum : Lichtempfindliche Schätzchen

Ausstellung: Am Sonntag ist das Rheinmuseum aus der Winterpause zurück. Gezeigt werden „Kupferstiche und Zeichnungen von Emmerich und dem Niederrhein“, die aus gutem Grund nur alle zehn Jahre zu sehen sind.

Am Sonntag startet das Rheinmuseum mit einer neuen Ausstellung ins Jahr 2019. Wie üblich, wurde die Winterpause zum Großreinemachen und für Reparaturarbeiten genutzt. Und diesmal auch zu einem Gang in die Archive. Denn Museumsleiter Herbert Kleipaß hat für die Ausstellung „Kupferstiche und Zeichnungen von Emmerich und dem Niederrhein“ Stücke zutage gefördert, die ansonsten dort gut verwahrt werden. Nicht, weil sie so wertvoll wären, sondern weil sie so lichtempfindlich sind. „Deshalb zeigen wir diese Bilder auch nur alle zehn bis 15 Jahre“, so Kleipaß.

Zu sehen gibt es viele Ansichten, die vorwiegend zwischen dem 16. und dem 18 Jahrhundert entstanden. Natürlich von Emmerich, aber auch von Uedem, Goch, Kleve und den Niederlanden. Immer wieder findet sich der Name Jan de Beyer, aber auch viele andere Künstler wurden berücksichtigt. Interessant: Auf den Stichen finden sich oft zwei Signaturen. „Die des Zeichners und die desjenigen, der den Kupferstich danach angefertigt hat“, erläutert Kleipaß.

Eines seiner Lieblingsstücke aus der Ausstellung ist ein Kupferstich von Christian Rademacher, der aus dem Jahr 1667 stammt. Er war einst im Anhang eines Buches zu finden, das der Lehrer Wassenberg über die Geschichte Emmerichs geschrieben hatte. Der Emmericher Geschichtsverein hat es aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt. Der Kupferstich, der dazu gehört, zeigt den Stadtgrundriss „Embricas“ mit vielen Details. „Nach diesem Bild haben wir das auch Stadtmodell fürs Museum angefertigt“, erklärt Kleipaß.

Der Kupferstich verdeutlicht nicht nur, wie sich Emmerich im Laufe der Jahre von der Festungsstadt, die man nur über die Stadttore Richtung Elten, ’s-Heerenberg und Rees zu Lande verlassen konnte, veränderte, sondern gibt auch viel über das oft mühsame Leben im Mittelalter Preis. „Das hier ist eine Wasserpumpe“, sagt Kleipaß und deutet auf ein kleines Quadrat in der Nähe zum Rhein hin. „Hier mussten die Emmericher tagtäglich  früher ihr Trinkwasser holen“, weiß der Museumsleiter. Auch viele Kapellen, die zu Klöstern gehörten, sind auf der Karte noch zu erkennen. Heute alles längst Geschichte.

Ein weiteres sehenswertes Ausstellungsstück, das der Besucher auch durchaus mal selbst in die Hand nehmen darf, ist der Nachdruck einer großen Weltchronik. Sie zeigt zwar keine Ansichten von Emmerich und dem Niederrhein, dafür aber die erste bekannte Darstellung des Rheinverlaufs aus dem Jahr 1493 - so wie den Kartographen die Geographie eben damals bekannt war.

Und aus welchen Gründen wurden Karten von Städten eigentlich hauptsächlich angefertigt? „Meistens hatte das einen militärischen Hintergrund“, weiß Kleipaß, der mit einem Lächeln ergänzt: „Nicht selten ging es aber auch darum, Steuern erheben zu können.“

Die Ausstellung wird noch durch weitere Kupferstiche abgerundet, die der Emmericher Galerist Herbert Kappelhoff zur Verfügung stellt.

(Markus Balser)