1. NRW
  2. Städte
  3. Emmerich

Naturschutz in Emmerich: Alter Sportplatz wird zum Bienen-Paradies

Naturschutz in Emmerich : Alter Sportplatz wird zum Bienen-Paradies

Auf dem ehemaligen Sportplatz an der Fulkskuhle sollen Wildblumen Nahrung für seltene Insekten bieten. Die Idee von Landwirt Alexander Bossmann kostet wenig, denn langfristig wird die Fläche für die Betuwe-Baustelle benötigt.

Die Anwohner an der Fulkskuhle können sich bald auf einen schönen Anblick freuen: Aus dem ehemaligen Sportplatz wird eine bunte Blühwiese. Wo früher Fußball gespielt wurde, entstand in den letzten Jahren ein unschönes Feld mit hohem Unkraut, das meist nur als Hundewiese genutzt wurde. „In diesem Sommer werden dort Blumen, Kräuter und Kleearten blühen“, erzählt Alexander Bossmann, der Initiator der Aktion.

Die Idee dazu hatte die CDU, die vorschlug, auf dem brachliegenden Grundstück ein Biotop anzulegen. „Unter Biotop verstehe ich neben Pflanzen auch ein Gewässer, in dem Frösche und Vögel sich wohl fühlen. So etwas kostet schnell einige tausend Euro“, so der Landwirt aus Hüthum. Da aber der Platz an der Fulkskuhle zur Einrichtung der Betuwe-Baustelle eingeplant ist, weiß keiner, wie lang dieses Grundstück zur Verfügung steht. „Es wäre schade, so viel Geld auszugeben, wenn man nicht weiß, wann es losgeht mit der Betuwe.“

So besuchte Bossmann als Bürger eine Stadtratssitzung und schlug vor, an der Fulkskuhle eine insekten- und bienenfreundliche Blühwiese anzulegen. Damit kennt er sich aus. Schon seit Jahren sät er Blühstreifen um seine Felder und Äcker. Stadtgärtner Georg Holtkamp und Franz-Thomas Fidler, der bei der Stadt für den Umweltschutz zuständig war, holten sich im Rahmen eines Insektenschutz-Konzeptes bei ihm Anregungen und Tipps, um auch andere Landwirte zu motivieren, Wiesenblumen zu säen.

  • Die Hühner bekommen gerade eine Extra-Portion
    Familie Gerards vom Thomeshof in Schwaam : Mobile Hühnerhaltung auf der Wiese
  • Mit dieser Maschine sind am Nachmittag
    Sonderflüge aus Rumänien : Die ersten 300 Erntehelfer sind in Düsseldorf gelandet
  • Kiebitzkücken, die die Nabu-Naturschutzstation Niederrhein in
    Naturschutz Niederrhein : Bessere Lebensräume für Wiesenvögel

Seine „provisorische Lösung“ fand viel Anklang. Gerne ließ die Stadt dem Experten freie Hand bei der Gestaltung der Blühwiese und unterstützte ihn dabei. „Sollte die Betuwe schnell mit dem Bau beginnen, dann haben die Insekten leider Pech“, sagt Bossmann, der das Vorhaben aber gleich umsetzte.

Mitarbeiter der Kommunalen Betriebe mähten die vorhandene Grasfläche, immerhin rund 7000 Quadratmeter groß, und sammelten dort den groben Müll auf. Bossmann untersuchte dann die Beschaffenheit des Bodens und musste leider feststellen, dass dieser nur aus einer dünnen Grasnarbe bestand. „Darunter liegt viel Schutt, wahrscheinlich aus dem zweiten Weltkrieg. Deshalb konnte ich das Feld nicht einfach umpflügen“, erklärt er. Und einfach ins Gras hinein säen ging auch nicht, weil das Gras die zarten Blumen erdrücken würde.

 Georg Holtkamp (Kommunalbetriebe), Alexander Bossmann (Landwirt) und Uwe Fransen (Lions-Club) (v.l.) auf der künftigen Blumenwiese.
Georg Holtkamp (Kommunalbetriebe), Alexander Bossmann (Landwirt) und Uwe Fransen (Lions-Club) (v.l.) auf der künftigen Blumenwiese. Foto: Markus van Offern (mvo)

Da kam der Zufall zu Hilfe: Ein Bauunternehmer bot ihm tausend Kubikmeter Lehmboden an und verteilte ihn sogar auf der Fläche. Mit seinen eigenen Landmaschinen zerkleinerte Bossmann die groben Klumpen, zog die Fläche glatt und Mitte März säte er die Samen ein. Er hatte sich für eine Wildackermischung mit 60 verschiedenen Blumen, Kräutern und Kleearten entschieden. Rund 200 Euro kostete der benötigte Samen. „Das ist zwar teurer als eine einfache Blühmischung. Aber selbst wenn nur die Hälfte der Samen aufgeht, hat man noch eine schöne Wiese.“

Sehr erfreut war der Hüthumer Landwirt über die Zusage von Uwe Fransen, Präsident des Lions-Clubs Montferland-Emmerich, der in Absprache mit dem Kassierer versprach, die Summe zu übernehmen. Alexander Bossmann ist Mitglied dieses Clubs. Rund 500 Euro kostete der Einsatz von Landmaschinen und Manpower, die übernimmt der Landwirt. „Ich rechne aber noch mit etwa 150 Euro Flächenbeihilfe, so dass nur ein Restbetrag von 350 Euro übrig bleibt“, sagt er. Die Fläche wird ihm von der Stadt pachtfrei zur Verfügung gestellt.

Jetzt hofft Alexander Bossmann auf Regen. „Dann könnte es in zwei Wochen grün werden und spätestens Ende Juni/Anfang Juli gibt es bunte Blumen.“ Diese blühen übrigens aufgrund der Sortenvielfalt gestaffelt, so dass man bis in den Oktober hinein eine wunderschöne Pracht erleben kann. „Und wenn man Glück hat, keimen einige auch noch im nächsten Jahr wieder neu“, sagt der Landwirt.