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Rees: Nach dem Abriss: Fassade für den Artenschutz

Rees : Nach dem Abriss: Fassade für den Artenschutz

Die marode Scheune am Naturschutzzentrum in Bienen konnte vor einiger Zeit endlich abgerissen werden. Das Haus präsentiert sich dadurch jetzt auch optisch ganz neu.

Es war irgendwie eine paradoxe Situation. Das Naturschutzzentrum Bienen brauchte dringend Geld, um eine marode Scheune abzureißen. Doch Zuschüsse dafür waren tabu. Die NRW-Stiftung, die sonst Projekte der Naturschützer fördert, investiert nämlich nur in Projekte, die etwas aufbauen und eben nicht in den Abriss.

 Mehlschwalben waren die ersten "Untermieter" der Fassade.
Mehlschwalben waren die ersten "Untermieter" der Fassade. Foto: Vossmeyer

"Also blieb uns nichts anderes übrig, als das Geld für den Abriss selbst aufzubringen", berichtete Ulrich Wernecke, Geschäftsführer des Naturschutzzentrums. 40000 Euro kostete das. Geld, das die Einrichtung über längere Zeit ansparen musste. Wernecke ist froh, dass der Abriss inzwischen Geschichte ist. "Gerade nach den letzten schweren Unwettern in der Region bin ich heilfroh, dass das baufällige Gebäude nicht mehr steht", sagt er. Denn die Scheune war marode, hatte teilweise bis zu zehn Zentimeter lange Setzrisse. Zudem war die Scheune mit dem angrenzenden Gebäude über einen Längsbalken verankert. Beschädigungen bei Sturm an der Scheune hätte auch das Naturschutzzentrum (NZ) in Gefahr bringen können.

 Viel ansprechender präsentiert sich jetzt der hintere Teil des Hauses.
Viel ansprechender präsentiert sich jetzt der hintere Teil des Hauses. Foto: Vossmeyer
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Auch wenn es für den reinen Abriss keinen Zuschuss gab, konnte sich das NZ doch noch über eine Förderung aus dem NRW Stiftungstopf freuen. Es gab 20 000 Euro, um den Giebel zu sanieren. "Dafür sind wir auch sehr dankbar", sagt Wernecke. Das gesamte Haus Weegh hat seit dem Abriss der Scheune auch einen ganz neuen Charakter bekommen. Das hintere Gelände des Anwesens an der Niederstraße wirkt aufgeräumter. Die Seite, die an die Scheune grenzte, hat eine neue Tür, ein Fenster und eine Treppe bekommen. Zudem wurden in und an der Fassade 14 Nisthilfen verbaut - teilweise indem die Nistkästen in vorhandene Lücken im Mauerwerk eingelassen wurden und später dann verputzt wurden. So richtete das NZ Nisthilfen für Fledermäuse, Turmfalke, Mauersegler, Höhlenbrüter wie Meisen und Dohlen, Halbhöhlenbrüter wie Grauschnäpper, Hausrotschwanz oder Bachstelze sowie zwei Koloniekästen für Haussperlinge ein. Als "Erstmieter" hatten sich dort Mehlschwalben im Nistloch für die Mauersegler niedergelassen. Zudem wurden Rankgitter aus Lärchenholz angebracht, die, wenn sie bewachsen sind, sollen sie ebenfalls vielen Vogelarten Nistmöglichkeiten bieten.

Und auch ein Naturschutzzentrum muss sich natürlich an den Artenschutz halten. In der Scheune brüteten vorher Dohlen. Für die musste ein neuer Platz her. Den fanden die Naturschützer nur gut 100 Meter entfernt. In der Dorfmitte steht nämlich ein ausrangierter Trafoturm des RWE. Das frühere Stromhaus ist zu einem Artenschutz-Gebäude umfunktioniert worden. Den Dohlen scheint es zu gefallen. Sie sind dort bereits eingezogen.

Auf dem früheren Gelände der Scheune wurde ein Infostand eingerichtet, der mit zum Konzept der Route "Erlebnis Rheinaue" gehört. Entlang der Route gibt es Infotafeln, die auf die Besonderheiten an bestimmten Punkten aufmerksam machen.

(RP)