Plakatmuseum Das PAN wird politisch

EMMERICH · „Mut zur Wut“ heißt die neueste Ausstellung, die ab Donnerstag im PAN-Kunstforum gezeigt wird. Bis zum 21. April gibt es 150 Plakate zu sehen, die sich ausschließlich mit gesellschaftlichen oder politischen Themen beschäftigen.

PAN-Kuratorin Christiane van Haaren vor vier der insgesamt 150 Plakate, die gezeigt werden.

PAN-Kuratorin Christiane van Haaren vor vier der insgesamt 150 Plakate, die gezeigt werden.

Foto: Markus Balser

Keine Vernissage, keine Reden: Die aktuelle Ausstellung im PAN-Kunstforum wird am Donnerstag, 22. Februar, nicht feierlich er- sondern einfach nur geöffnet. Für das kleine PAN-Team blieb vom Abhängen der Jahresausstellung bis zum Aufbau der neuen Schau einfach keine Zeit mehr, um ein größeres Drumherum für „Mut zur Wut“ auf die Beine zu stellen.

150 Plakate von nahezu ebenso vielen Gestaltern sind bis zum 21. April im Museum an der Agnetenstraße zu sehen. Ihnen allen gemeinsam: Sie behandeln entweder gesellschaftliche oder politische Themen. Denn das ist auch der Anspruch, die der Ausstellung, die eigentlich einem Wettbewerb gleicht, zugrunde liegt.

„Mut zur Wut“ ist ein Projekt des Heidelberger Grafikdesigners Götz Gramlich, das er zusammen mit Marcello Lucas bereits seit  über zehn Jahren durchführt. Jedes Jahr werden Gestalter dazu aufgerufen, ihre visuellen Statements dafür einzureichen. Aus gut 3000 Einsendungen wählt eine fünfköpfige Jury 100 Designs aus, die weiter in 70 Finalisten und 30 Gewinner differenziert werden.  Das PAN zeigt nun jeweils 30 dieser Gewinner aus den Jahren 2017 bis 2019, 2021 und 2023.

Die Arbeiten, die aus 50 Ländern stammen, beziehen Stellung zu Themen wie Umweltverschmutzung, Krieg, Ausbeutung und Verletzung von Menschenrechten. Aber auch von gesellschaftlichen Themen handeln die Plakate. Etwa von der Digitalisierung, dem Medienkonsum oder dem Schönheitswahn.

  Obwohl bereits vor einiger Zeit entstanden, wirken manche der Poster aktueller denn je. Zum Beispiel das Plakat, das eine jüdische Menora zeigt, die gleichzeitig eine Zielscheibe ist – eine Arbeit von Marek Slipek aus 2021, die den Antisemitismus in Deutschland im wahrsten Sinne des Wortes ins Visier nimmt. Oder die immer wiederkehrenden Plakate, die sich mit Donald Trump oft auf witzige Art und Weise beschäftigen. Doch das Lachen kann einem da manchmal schon im Halse stecken bleiben.

„Mut zur Wut“ ist ein Projekt, das  vor allem unbekannten Gestaltern eine Plattform gibt. „Hier lassen sich viele interessante Designer entdecken“, sagt PAN-Kuratorin Christiane van Haaren, die zu verschiedenen Terminen Museumsbesucher durch die Ausstellung führen wird. Aber auch außerhalb dieser Führungen kann man sich durch die sehenswerte Schau gut leiten lassen. Mit einem Smartphone ist das möglich. „Mut zur Wut“ hat eine Homepage, die in die verschiedenen Jahre unterteilt ist und alle Plakate aufführt. Wer auf die Poster klickt, erhält zu jedem Werk weitergehende Informationen.

Was die Ausstellung zeigt: Das Plakat bleibt auch in Zeiten der Digitalisierung weiterhin ein gutes Instrument für den politischen Diskurs. „In der Demokratie geht es seit jeher auch um die Frage: Wer beherrscht den öffentlichen Raum? Dabei geht es auch um Bilder, die diesen Raum als Angebote zur Wahrnehmung füllen“, hat Klaus Staeck in einem Vorwort zum zehnjährigen Jubiläum von „Mut zur Wut“. Er muss es wissen. Gilt er doch als der Gestalter politischer Plakate in Deutschland schlechthin.

Der Rest des Jahres ist im PAN bereits verplant: Unter dem Titel „Trias“ werden vom 25. April bis zum 31. August fotografische Werke des renommierten Gestalters Holger Matthies zu sehen sein. Vom 19. September bis zum 17. November folgen Werke von Ralf Leidinger, der sich als Newcomer bereits international einen Namen machen konnte. Vor allem seine mit schwarz-weißen Streifen verfremdeten Motive aus der Zeit- und Kulturgeschichte haben für viel aufsehen gesorgt.

Als Schlussausstellung ist im PAN eine Ausstellung alter Reiseplakate geplant, die das Essener Plakatmuseum zur Verfügung stellt. Darüber hinaus soll es im Untergeschoss des Museums eine Plattform für junge Künstler geben.

Die Kunstmesse „Art:Pull“ wird es übrigens in diesem Jahr nicht mehr geben. Die Initiatoren haben das aufwendige Projekt beendet.

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