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Musiker aus Emmerich und Rees setzen ein Zeichen gegen die Corona-Krise

Musikalisches Zeichen gegen die Krise : „Fenster-Flashmob“ auf dem Vormarsch

Immer mehr Menschen beteiligen sich an der vom Niedersächsischen Musikverband initiierten Aktion: Immer sonntags um 18 Uhr wird im Freien musiziert, um ein musikalisches Zeichen gegen die Krise zu setzen.

Da waren wohl einige Nachbarn erstaunt am letzten Sonntagabend: Durch ihre Gärten erklang das Lied „Ode an die Freude“ – live gespielt auf Saxophon und Trompete. Brigitte Derksen, ihr Ehemann Heinz und – in gebührendem Abstand – Nachbar Kai van den Broek spielten gemeinsam diese „Europahymne“ zur Freude der Zuhörer. „Es gab viel positive Resonanz per Mail und Whatsapp“, freute sich Brigitte Derksen.

„Die Information kam von meinem Cousin Gunter Hübner“, erzählt die Eltenerin. Der wohnt in Bad Homburg. Übers Internet erfuhr er von einer Aktion des Niedersächsischen Musikverbandes, einen bundesweiten „Fenster-Flashmob“ durchzuführen. Nach italienischem Vorbild wurden Musiker aufgefordert, am offenen Fenster, in Gärten und auf Balkonen – unter strikter Einhaltung der Abstandsregeln – am Sonntag, 22. März, um 18 Uhr die „Ode an die Freude“ darzubringen, um „die emotionale Situation der Menschen, die wegen der Corona-Krise zuhause bleiben müssen, ein wenig leichter zu machen.“ Die Noten dazu konnten downgeloaded werden.

„Wir fanden das eine tolle Idee und machten mit“, erzählt Brigitte Derksen, die in Hagen geboren wurde. Später zog die Familie nach Rees-Mehr, wo sie mit 15 Jahren Klarinettenunterricht bekam. Nach der Schule absolvierte Derksen ein Studium in katholischer Religion und Mathematik in Münster, später kam dann auch noch eine Zusatzausbildung für Musik hinzu. Sie ist Lehrerin am Konrad-Adenauer-Gymnasium in Kleve.

Ihren Mann Heinz lernte sie treffenderweise in der Big-Band der Kreismusikschule Kleve kennen, wohnt seit 1989 in Elten. Das Ehepaar hat vier Kinder im Alter von 19 bis fast 26 Jahre und eine vierjährige Enkelin.

Während des Studiums, ihrer Tätigkeit als Lehrerin und als die Kinder klein waren, hatte Brigitte Derksen nur wenig Zeit für die Musik, doch vor rund zehn Jahren fing sie wieder an und wechselte von der Klarinette aufs Saxophon. Sie ist in mehreren Orchestern aktiv, spielt Tenorsaxophon im niederländischen Orchester „Harmonie Volharding Stokkum“ und Bariton-Saxophon in der Schul-Bigband Kleve, gemeinsam mit anderen Lehrern und Schülern. „Es macht einfach Spaß und da lernt man die Schüler von einer ganz anderen Seite kennen“, sagt sie. Außerdem ist sie Vorsitzende des Vereins Bajazzo Bigband Emmerich e.V. und spielt dort in der Band „Jazz-Art“, gemeinsam mit Ehemann Heinz, der ebenfalls Saxophonist ist.

Mindestens drei Abende in der Woche wurde geprobt – bis zur Corona-Krise. Da heißt es für alle: zuhause bleiben. „Natürlich übe ich auch zuhause, aber das ist etwas ganz anderes. Ohne Proben und Konzerte fehlt etwas, neben dem Musikmachen geht es ja auch sehr gesellig zu.“ Mit ihrem Mann spielt sie im häuslichen Umfeld im Duett, Jazz, Pop oder auch Orchesterwerke, um sich am Instrument fit zu halten. „Wir haben einen breit gefächerten Notenschrank“, so Brigitte Derksen. Die Aktion, die später auch vom Musikverband des Landes Nordrhein-Westfalen übernommen wurde, fand sie toll und motivierte befreundete Orchestermusiker in den Niederlanden, in Elten, Haldern und Emmerich, mitzumachen. „Anschließend bekam ich viele Videos von Musikern und viele positive Zuschriften von Zuhörern“, erzählt sie. Einige sprachen von Gänsehautfeeling und toller Aktion. „Eine Frau schrieb mir: Ihr habt mich zum Weinen gebracht.“

So machten dann noch mehr Leute mit beim zweiten Aufruf am letzten Sonntag. Dort hieß es: Aufgrund der großartigen Resonanz und Nachfrage haben sich die Landesmusikdirektoren überlegt, einen weiteren Aufruf für das Musizieren im eigenen Garten, auf dem Balkon oder aus dem offenen Fenster zu starten. Seid Ihr wieder dabei? Dieses Mal soll das Lied ‚Von guten Mächten wunderbar geborgen‘ als neues Stück und wieder die „Ode an die Freude“ gespielt werden.“ Klar, dass die Derksens und Nachbar Kai sich wieder beteiligten.

„Das war für alle ein toller Einstieg. Jetzt soll jeder in Eigenregie weitermachen. Es soll immer ein neues Stück dazukommen“, erzählt die Eltener Saxophonistin. Für den nächsten Sonntag ist das irische Segenslied „Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in deinem Rücken sein“ geplant, dazu die beiden bereits vorher gespielten Stücke. Für Leute, die aus ihrem Garten oder von ihrem Balkon aus mitsingen möchten, gibt es auch Textzettel. Vielleicht sollte man am Sonntag um 18 Uhr mal genau hinhören, ob Musiker und Sänger in der Nachbarschaft sich am dritten „Fenster-Flashmop“ beteiligen. Jeder darf natürlich auch selber mitmachen! Gute Laune ist dabei vorprogrammiert.