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Rees/Emmerich: Mordprozess Gülsüm: noch kein Zusatztermin

Rees/Emmerich : Mordprozess Gülsüm: noch kein Zusatztermin

Ein echtes Puzzlespiel aus Indizien und Aussagen ist der Mordprozess vor dem Landgericht Kleve. Jedes Detail kann im Verfahren wichtig sein, daher sind die Verhandlungstage so lang, werden so zahlreiche Zeugen gehört. Schließlich hatte der Vorsitzende Richter Christian Henckel bereits beim Prozessauftakt betont, dass mit äußerster Sorgfalt vorgegangen werde.

Dienstag steht der fünfte Verhandlungstag an und damit ist quasi Halbzeit im Prozessmarathon von zehn Terminen erreicht. Wie berichtet, müssen sich drei Angeklagte wegen des Mordes an Gülsüm Semin verantworten. Angeklagt sind ihr Bruder Davut, der Vater und ein befreundeter Russe.

Derzeit gehen die Verantwortlichen beim Landgericht davon aus, dass die angesetzten Verhandlungstage ausreichen. "Bisher ist kein weiterer Termin verlangt worden", erläutert Gerichtssprecher Jürgen Ruby. Nach dem momentanen Terminplan wäre der 11. Dezember der letzte Verhandlungstag, dann würde auch das Urteil gesprochen.

Von Prozessbeobachtern wird bisher eine Klever Haftrichterin als wichtigste Zeugin im bisherigen Verfahren eingeschätzt. Die Richterin hatte nicht nur Davut und den mitangeklagten Russen Miro M. vernommen, sondern auch noch Gülsüms Drillingsschwester.

Wolfgang Zeidler, einer der beiden Verteidiger des angeklagten Vaters, hatte mit mehreren Anträgen vergeblich zu verhindern versucht, dass diese Aussagen in den Prozess einfließen.

  • Ein Bild vom ersten Verhandlungstag: Der
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  • Das Bild zeigt den Angeklagten am
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  • Fotos : Hanaa S. - Mordprozess in Wuppertal

Die Richterin schilderte im Gerichtssaal, was die Drillingsschwester am Tattag erlebt und gehört haben will. "Konzentriert und flüssig" habe sie über die Ereignisse referiert, angefangen bei Gülsüms Rückkehr aus Mülheim (dort hatte sie ihren Freund Altin besucht) bis hin zu der Nacht in der Wohnung an der Neustraße, wo sie vergeblich auf ihre Schwester gewartet habe.

Um kurz vor acht Uhr habe Gülsüm der Schwester zufolge mit Altin telefoniert, es sei das Thema Hochzeit angesprochen worden, doch der Freund habe "lieber Fußball gucken wollen". Dann habe sie auf Geheiß des Vaters Glühbirnen kaufen sollen, und "als ich zurückkam, war alles dunkel, Gülsum war weg, ihre Jacke auch".

Dann beschrieb die Haftrichterin ihre Vernehmung von Davut, die dieser gleich mit der folgenden Einlassung eröffnet habe: "Es stimmt, ich habe meine Schwester erschlagen. Miro war beteiligt, sonst wusste keiner davon. Ich habe sie getötet, weil sie schwanger war — wegen der Familienehre." Auf die Frage, was Familienehre für ihn sei, habe er nur wiederholt: "Weil sie schwanger war."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gülsüm: Prozessauftakt am Landgericht Kleve

(RP)