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Emmerich: Mittagstisch: Jede Woche neue Kunden

Emmerich : Mittagstisch: Jede Woche neue Kunden

Die Lebenmittelausgabe im Aldegundisheim hat immer mehr Klienten. Gleichzeitig fallen beim Handel immer weniger übrig gebliebene Waren an. Die Organisation kommt trotzdem gut über den Winter und ist dankbar dafür.

Für den Mittagstisch ist Weihnachten noch immer nicht vorbei. Es gab in den letzten Wochen reichlich Süßigkeiten. Spekulatius und Lebkuchen stapelten sich palettenweise in den Räumen. Brot, Obst und Gemüse gibt es eigentlich auch immer genug, erzählen die beiden Leiterinnen der Lebensmittelausgabe, Marianne Giltjes und Mechtild Müller. Was fehlt, sind Dinge wie Wurst, Käse, Joghurt, Brotaufstriche. Die Läden haben davon einfach weniger übrig. Und gleichzeitig gibt es immer mehr Abnehmer.

"Die Zeiten, in denen die Märkte reichlich disponiert haben, sind vorbei", erklärt Mechtild Müller die Lage. Das sehe ja jeder beim Einkaufen: Was kurz vorm Verfallsdatum ist, wird heutzutage reduziert verkauft. "Was ja auch richtig und wirtschaftlich ist", betont Müller.

Nur werden die Kunden der Lebensmittelausgabe am Mittagstisch zugleich immer mehr: "Jede Woche kommen ein paar neue dazu." Junge und alte Menschen. Alleinerziehende, Alleinstehende, Familien. Der Kundenstamm ist sehr gemischt, und er wächst trotz aller Hemmschwellen: "Für viele ist es ein großer Schritt, hierherzukommen. Es kostet sie Überwindung."

Also kaufen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Mittagstisches selbst ein, um die Essenstüten zu füllen, die sie Woche für Woche an die Bedürftigen verteilen. Denn die Lebensmittelausgabe einzuschränken, weil nun mal weniger Güter gespendet werden, gibt, das bringt von ihnen niemand übers Herz.

"Der Grundgedanke hat sich nicht geändert", sagt Giltjes zwar: "Wir möchten nicht, dass Lebensmittel weggeworfen werden, sondern wir wollen sie an Bedürftige abgeben. Aber nur Brot, Obst und Gemüse — das reicht doch nicht. Irgendwann möchten Sie doch auch mal was aufs Brot drauf haben. Den Menschen fehlt einfach was." Je mehr die ehrenamtlichen Helfer sehen, wie sehr ihre Hilfe gebraucht wird, desto weniger könnten sie den Gedanken zuende denken, sie einzuschränken. "Die Menschen können ja nichts dazu, dass die Supermärkte weniger geben können", sagt Mechtild Müller.

Und dafür gebe es ja zum Glück die Geldspenden. Die Organisatorinnen sind dankbar für jeden Cent: "In diesem Winter sind wir gut bedacht worden." Es gab Firmen, die bei ihren Weihnachtsfeiern Spenden gesammelt haben. Dazu kommt der Erlös vom Weihnachtsmarkt, und Organisationen und Privatleute waren großzügig: "Wir sind allen Emmerichern dafür sehr dankbar. Denn sonst ginge es nicht." Immer wieder betonen Giltjes und Müller, wie dankbar sie für jede Unterstützung sind — von den Supermärkten, den Bäckereien, allen Geschäften, die Essen abgeben: "Die Märkte geben uns, was sie können." Und die Unternehmen stecken Arbeit in die Sache — stellen die Spenden bereit, halten sie frisch, "das ist nicht selbstverständlich".

Weil Geldspenden aber mal mehr, mal weniger fließen, gibt es für den Mittagstisch nicht viel Sicherheit. "Man hofft einfach, dass es igendwie immer hinkommt", sagt Giltjes. "Bis jetzt klappt das so."

(RP/ac)