Emmerich: Mit Klassik erfolgreich in die Zukunft

Emmerich: Mit Klassik erfolgreich in die Zukunft

Türchen Nummer 20: Die Singgemeinde Kleve hat eine lange Tradition in der Schwanenstadt. Seit 1809 werden hier klassische Werke gesungen, seit einigen Jahren auch moderner Stoff. Jetzt suchen die Klever einen neuen Proberaum.

Heute beginnt die Probe in Kleve mit einer traurigen Nachricht. Eine Sängerin der Singgemeinde ist kürzlich verstorben. Entsetzte Gesichter in den Reihen. Es ist still im Pfarrzentrum der Klever Stiftskirche. Piet Boomsma, Vorsitzender des Chors in der Schwanenstadt, ruft die 90 Mitglieder zu einer Schweigeminute auf. Bei vielen fließen die Tränen. "Lasst uns heute an sie denken", sagt Boomsma. Dann drückt Chorleiter Stefan Burs die ersten Tasten am Klavier. Das traditionelle Einsingen beginnt.

Im Proberaum der Klever, die mit der 1809 gegründeten Singgemeinde in einem der ältesten Chöre Deutschlands singen, gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Nach dem Konzert ist vor dem Konzert. Monatelang hat die Singgemeinde für den Auftritt in der Christus-König-Kirche die Werke von Johann Sebastian Bach und dem Briten John Rutter einstudiert. Nach der Weihnachtszeit beginnen dann sofort die Proben für die Auftritte im neuen Jahr.

Mit Bachs klassischem Weihnachtsoratorium und dem "Magnificat" des zeitgenössischen Komponisten Rutter hat der Chorleiter zwei Stücke ausgewählt, die ziemlich genau das Repertoire des Chors charakterisieren. "Das Werk von Bach ist ein Meilenstein der Chorgeschichte", sagt Burs. "Es ist für uns reizvoll, das mit modernen Klängen zu kombinieren." Neben religiösen Gesängen habe man unter anderem auch gerne die Stücke des populären walisischen Komponisten Karl Jenkins auf die Bühne gebracht. Dennoch hat der Chor ein entschiedenes Tabu für alle zukünftige Auftritte: "Wir werden keine Popmusik spielen", sagt der Kirchenmusiker, der seit 2009 für die Städtische Singgemeinde verantwortlich ist und nebenbei auch die Kirchengemeinden in Emmerich musikalisch begleitet und das dortige Musik-Kolleg leitet. "Das wären dann einfach nicht mehr wir."

Pro Jahr bereiten sich die Sänger auf zwei große Konzerte vor, die mal in Kirchen, mal an weltlichen Orten stattfinden. Häufig auch zur Adventszeit, wie jetzt das Konzert am vergangenen Samstag in der Christus-König-Kirche. Einmal alle drei Jahre organisiert der Chor auch eine Auslandsreise, zum Beispiel nach Wien oder Budapest. "Auch dort geben wir dann Konzerte. Das kommt bei den Sängern immer gut an", sagt Boomsma. "Und in der Zeit, die dann noch bleibt, gibt es natürlich auch immer mal Zeit für kleinere Auftritte im Jahr". Für das kommende Jahr will der Chor versuchen, eine alte Fabrikhalle als Location für neue Stücke zu gewinnen. "Das ist zwar schwierig, aber so eine Halle hat einen besonderen Charme für ein Konzert", sagt der Vorsitzende.

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Von 16-Jährigen, die noch zur Schule gehen, bis zu 84-Jährigen, die sich auch im hohen Alter das Singen nicht nehmen lassen, vereint die Singgemeinde bei der Auswahl ihrer Sänger die Generationen. Besonders seit der Eröffnung der Hochschule Rhein-Waal 2009 in Kleve finden auch vermehrt junge Leute den Weg zur Singgemeinde. "Wir haben eine gute Verbindung zur Hochschule", sagt Boomsma. "Damals kamen eine ganze Reihe von Interessierten zu uns." Sie dazu zu bringen, zu bleiben, sei jedoch schwierig. "Da kommen dann Semesterferien und Auslandsaufenthalte, das macht es schwierig", sagt Burs. Dennoch: Man ist zufrieden - in einer Zeit, in der vielen Chören die Sänger ausgehen. Das freut auch Chorleiter Burs, der vor allem große Werke aufführen will.

Zur Adventszeit plant die Gemeinschaft jedes Jahr, in den Tagen vor Heiligabend zusammenzukommen und bei einem Essen über das kommende Jahr zu sprechen. Diesmal wird es auch um einen neuen Proberaum gehen. Der wird nicht nur langsam zu klein für die 90 Mitglieder, sondern auch bald abgerissen. "Bis März brauchen wir da eine Lösung", sagt Burs.

Auf den Facebookseiten unserer Redaktionen vom Niederrhein finden Sie im Rahmen unseres Adventskalenders ein Weihnachtsvideo vom Chor, zum Beispiel unter "Rheinische Post Emmerich" oder auch über die Facebook-Adresse www.facebook.com/rp.emmerich.

(atrie)