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Rees: "Massimo war der liebste Mensch der Welt"

Rees : "Massimo war der liebste Mensch der Welt"

Bekannte des Reesers können nicht verstehen, dass er die Jugendlichen provoziert haben soll. Massimiliano L. war in Düsseldorf niedergeschlagen worden und liegt im Koma.

/ DÜSSELDORF Der Zustand des 44-jährigen Reesers, der mit einem Vierkantholz niedergeschlagen wurde, ist nach wie vor unverändert kritisch. Das teilte gestern Staatsanwalt Christoph Kumpa mit. Der Italiener aus Rees liegt seit dem Vorfall im Koma. Es sei davon auszugehen, dass er bleibende Schäden zurückbehält und körperlich oder geistig behindert sein wird.

 Von der Gastwirtschaft oben rechts holte der Reeser seine Freundin ab und stieg in die Straßenbahn nebenan, unten das Tatwerkzeug.
Von der Gastwirtschaft oben rechts holte der Reeser seine Freundin ab und stieg in die Straßenbahn nebenan, unten das Tatwerkzeug. Foto: Bretz

Der Staatsanwalt erklärte gestern noch einmal, dass es momentan keinen Anhaltspunkt dafür gebe, dass es sich bei dem Schlag nicht um Notwehr gehandelt hat. "Derzeit gehen wir davon aus, dass die Bedrohung vom Reeser ausgegangen ist. Der 17-Jährige hat sich mit dem Kantholz verteidigt." Es hätten sich bislang keine weiteren Zeugen gemeldet, die die Version der drei Jugendlichen in Frage stellen. Die sagen, der Mann habe sie provoziert.

Anders sehen das Bekannte von Massimiliano L., den alle nur Massimo nennen. Die Wirtin, in deren Düsseldorfer Kneipe seine Freundin arbeitet, kann nicht glauben, dass der 44-Jährige jemanden provoziert hat. "Das ist ein Männeken von 1,60 Meter, der ist lieb und nett. Das sagen alle hier", sagt Gaby Grass. "Er war der liebste Mensch der Welt. Wir waren alle schockiert, als wir erfahren haben, dass er jetzt auch noch der Täter sein soll." Für seine Freundin habe der Reeser alles getan. "Massimo war eher der Typ, der Streit aus dem Weg geht."

In Rees sei er nur noch selten gewesen. Er arbeitet in Düsseldorf bei Mercedes und wohnte fast ständig bei seiner Freundin. "Er ist offenbar in der Landeshauptstadt verwurzelt", berichtet auch die Polizei aus Düsseldorf. Dafür spricht, dass die Beamten keinerlei Ermittlungen in Rees anstellen. Auch ist die Kreispolizei Kleve nicht um Amtshilfe gebeten worden, auch nicht, um Angehörige zu informieren. Der 44-Jährige hat noch eine 17-jährige Tochter aus einer anderen Beziehung. Offen ist jetzt, was sich genau abgespielt hat. Die drei Jugendlichen haben bei der Polizei angegeben, dass es in der Straßenbahn zum Streit gekommen war, weil der Reeser sich von der lauten Musik gestört fühlte. Er habe sie daraufhin mit einem Gürtel bedroht und sei ihnen gefolgt, als sie an der Station Piwipp in Unterrath ausgestiegen seien. Dann habe er mit dem Gürtel auf einen 17-Jährigen eingeschlagen und getroffen. Der habe sich mit dem Holz gewehrt und den Mann niedergeschlagen.

Der Mann ist nicht vorbestraft, war zur Tatzeit aber angetrunken. Das hat die Blutprobe ergeben. Offenbar hatte der Mann bei einer Feier mit Kollegen getrunken. Seine Freundin sei davon gar nicht begeistert gewesen. Sie hatte auch versucht, ihren Freund davon abzuhalten, auszusteigen und hinter den Jugendlichen herzulaufen. Sie sagt, dass die Jugendlichen den Reeser provoziert, beschimpft und an der Haltestelle aufgefordert hätten, doch mit rauszukommen. Von der Tat selbst bekam sie nichts mit. Sie hatte die Polizei verständigt.

(RP)