Mark Antoni will Medikamente aus Emmerichs Abwasser filtern

Kommunalbetriebe Emmerich haben neuen Chef : Pille & Co. als Rückstände im Abwasser

Mark Antoni (51) ist der neue Chef der Kommunalbetriebe am Blackweg. Er hat Pläne für eine vierte Klärstufe.

Mit Beginn des neuen Jahres ist Mark Antoni neuer Leiter der Kommunalbetriebe Emmerich (KBE). Er hat die Nachfolge von Klaus Gruyters angetreten, der in den Ruhestand gegangen ist.

Damit gibt es zwar einen neuen Chef am Blackweg, zugleich aber auch personelle Kontinuität. Der Grund: Antoni (51) ist seit 2008 bereits der technische Geschäftsführer der TWE (Technische Werke Emmerich).

Die TWE sind Nachfolger der früheren Emmericher Abwasserwerke. 50,1 Prozent hält die Stadt Emmerich, 49,9 Prozent die Gelsenwasser AG aus Gelsenkirchen. Der Verkauf von Anteilen der früheren Abwasserwerke brachte der Stadt Emmerich damals eine Einnahme von mehr als vier Millionen Euro ein.

Die teil-private Abwasserentsorgung basierte auf einer Trennung zwischen „hoheitlichen“ Aufgaben der Stadt und dem operativen Geschäft. Die Sicherstellung der Entsorgung – Kanalbereitstellung und Gebührenerhebung zum Beispiel – ist in städtischer Hand. Das erledigen die Kommunalbetriebe Emmerich (KBE).

Die Pflege des Kanalnetzes, der Maschinenpark und der Einkauf gingen damals in die neue Firma über, die die Stadt und Gelsenwasser gemeinsam gründen: die TWE. Zur Verdeutlichung: Die Leute, die den Kanal instandhalten, sind TWE-Mitarbeiter, der Angestellte, der die Gebühren-Rechnung verschickt, ist Mitarbeiter der Abwasserwerke.

Antoni kennt natürlich beide Bereiche und weiß um die Aufgaben, die vor ihm liegen. Da gibt es zum Beispiel ein Gutachten zur Arbeit des Bauhofes aus dem vergangenen Jahr, dessen Ergebnisse nun Stück für Stück umgesetzt werden. „Wir werden zum Beispiel eine Software für die Arbeitsorganisation anschaffen“, so Antoni.

Eine Herausforderung wird in den kommenden Jahren das Abwasser sein. Dank moderner Technik ist nachweisbar, was sich alles darin befindet. Und was eigentlich herausgeholt werden sollte: Rückstände von Medikamenten zum Beispiel: Pille, Schmerzmittel, Psychopharmaka, Röntgenkontrastmittel sind im Abwasser zu finden.

Eine vierte Klärstufe am Standort an der Deichststraße wäre möglich. Die Machbarkeitsstudie ist schon längst gemacht. „Aber es fehlen noch die Grenzwerte des Gesetzgebers. Daher macht es keinen Sinn, eine solche Investition jetzt vorzunehmen, ohne zu wissen, welche Vorgaben es gibt“, sagt Antoni.

Klar ist aber schon jetzt: Wird die vierte Klärstufe gebaut, kommen zehn bis 15 Cent pro Kubikmeter Abwasser auf die Verbraucher hinzu. „Mindestens“, sagt der neue KBE-Leiter.

Ansonsten sind die Gebühren fürs Abwasser in Emmerich erst einmal stabil. Sie sind für dieses Jahr sogar gesenkt worden. Dass die Gebühren für den Friedhof wieder deutlich runtergehen – das wird es wohl nicht geben, wenngleich die Aufregung im vergangenen Jahr hoch war, als die Gebühren deutlich erhöht werden mussten. Der Friedhof sei eine große Anlage mit festen Kosten. Er müsse schließlich vernünftig gepflegt werden. Und weil er mit zunehmender „Fallzahl“ größer wird, steigen auch die Kosten. Diese Rechnung wird auch in den kommenden Jahren bleiben.

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