Maltesser in Emmerich

Emmerich: Malteserchef setzt Presse vor die Tür

Aufregung bei der Ortsversammlung. Nach der Absetzung von Guido Jansen scheut die Diözese die Öffentlichkeit.

Zu einem Eklat kam es am Mittwochabend bei der Ortsversammlung des Malteser Hilfsdienstes e.V.: Trotz offizieller Einladung per Anschreiben an die Redaktion mussten die Presseleute draußen vor der Tür bleiben Der stellvertretende Diözesanleiter Dr. Martin Altenburger, dessen Unterschrift unter dem Einladungsschreiben stand, sagte: „Generell ist die Presse bei Mitgliederversammlungen der Malteser nicht dabei.“ Es gehe schließlich auch um Personalangelegenheiten. Das sei eine geschlossene Veranstaltung. „Das ist Fakt!“

Dirk Kraayvanger (NRZ) und Monika Hartjes (Rheinische Post) vor der Unterkunft der Malter an der Duisburger Straße. Sie durften nicht an der Versammlung teilnehmen. Foto: Monika Hartjes

Die Malteser-Mitglieder vor Ort waren wie vor dem Kopf gestoßen. Guido Janssen meinte: „Seit 30 Jahren ist es so, dass wir zu unseren Versammlungen die Presse einladen.“ Die junge Pressesprecherin Sarah Jones, die erst vor kurzer Zeit das Amt übernommen hatte, war sehr erstaunt über die Anweisung von Dr. Altenburger, die Presse nicht zuzulassen „Ich habe eine Einladung geschrieben, wie wir das immer gemacht haben“, sagte sie. Auf der Tagesordnung standen unter anderem neben den Tätigkeitsberichten und dem Kassenbericht die Wahl zweier Helfervertreter/innen für den Führungskreis und die Wahl der Delegierten und ihrer Stellvertreter/innen für die Delegiertenversammlung am 8\. September in Wesel – also nicht Spektakuläres. „Die Einladung ist ein Fehler gewesen“, sagte Dr. Altenburger. Ein Foto durfte gemacht werden, erst als die Pressevertreter den Raum verlassen hatten, begann die Versammlung. Die Redaktionen bekämen im Nachhinein einen Bericht zugesandt, so Altenburger.

Da die Presse kurzfristig ausgeladen wurde und in den Berichten nur das stehen wird, was die Diözese freigegeben hat, gibt das natürlich Anlass zu Mutmaßungen und Spekulationen, ob diese etwas zu verbergen hat. Welche „Geheimnisse“ sollen nicht ans Licht kommen?

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Nicht offiziell auf der Einladung, aber bestimmt im Mittelpunkt der Diskussionen, stand die umstrittene Personalentscheidung der Diözese im Juli, über die die RP bereits berichtete: Die Malteser haben Guido Janssen, seit 1987 ehrenamtlicher Geschäftsführer und somit das Gesicht der Malteser in Emmerich, des Amtes enthoben. Der Stadtbeauftragte Pascal Wieners, seit 2013 im Amt, trat deshalb zurück.

So richtig erklären konnte sich diese Maßnahme niemand. Er sei schon mal unangenehm und stelle kritische Fragen, sagte der 56-jährige Janssen, der seit über 40 Jahren bei den Maltesern aktiv ist, in seiner Stellungnahme. Für viele ist diese Abberufung kaum nachvollziehbar, in der Versammlung erhofften sich die Mitglieder eine Erklärung.

Die erste Erklärung des Diözesanverbandes nach der Abberufung sah folgendermaßen aus. Jennifer Clayton, die Diözesanpressereferentin des Malteser Hilfsdienstes, sagte: „Wir sind Herrn Janssen sehr dankbar für sein großartiges Engagement in den vergangenen Jahrzehnten und freuen uns, dass er uns als Helfer erhalten bleibt. Er ist ein Urgestein der Emmericher Malteser. Aber es war Zeit für einen Wechsel an der Spitze. Im Ehrenamt kämpfen wir mit einem stetig wachsenden Verwaltungsaufwand und auch die gesetzlichen Auflagen haben sich grundlegend verändert. Wir Malteser in der Diözese Münster übernehmen Verantwortung für die Umsetzung dieser Bestimmungen. In den vergangenen Monaten und Wochen hat sich im intensiven Dialog mit uns gezeigt, dass wir diesbezüglich mit Guido Janssen in wesentlichen Punkten nicht übereinstimmen. Das schmälert aber in keiner Weise seine großen Verdienste in der Vergangenheit. Mit dem Amtsende von Guido Janssen hat auch Stadtbeauftragter Pascal Wieners sein Amt aufgegeben. Wir sind in konkreten Gesprächen zur Neubildung einer Ortsleitung.“ Daneben sind noch sechs weitere aktive Mitglieder komplett ausgetreten.

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