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Mäh-Roboter verletzten Igel in Rees schwer,Tierarzt warnt vor Mäh-Robotern

Tierschutz : Mäh-Roboter sind Todesfalle für Igel

Ein Tierarzt, der sich auf Wildtiere spezialisiert hat, warnt vor dem nächtlichen Betrieb der in Mode gekommenen Gartenhelfer. Die Zahl schwer verletzter Igel sei eklatant gestiegen. Das erlebte auch eine Halderner Familie.

Für Familie Krebbing war es ein liebgewonnenes Ritual: Jeden Abend, nach Einbruch der Dunkelheit, kamen zwei Igel in den Garten am Ligusterweg und fraßen die Nüsse aus dem bereitgestellten Vogelfutter. Doch am letzten Montag war alles anders. Da kam nur ein Igel, noch im Hellen, und humpelte auffallend. Andrea Krebbing schaute sich das Tier genauer an und entdeckte eine große Wunde am kleinen Köpfchen.

Obwohl es schon 22 Uhr war, riefen Andrea und Frank Krebbing die Halderner Tierärztin Edith Gräf an. Sie verwies an den Bocholter Tierarzt Diethelm Graf von Plettenberg. Auf Wildtiere spezialisiert, gab er schon am Telefon eine Diagnose: „Oh Gott, schon wieder ein Mäh-Roboter!“ Der verletzte Igel verbrachte die Nacht in einer Kiste mit Futter, Wasser und Zeitungsschnipseln.

Ein Igel. Foto: pixabay

Am Dienstag fuhr Frank Krebbing nach Bocholt. Graf von Plettenberg kratzte etliche Fliegenmaden aus der Wunde am Kopf und stellte bei der weiteren Untersuchung fest, dass auch die Vorderbeine des Igels unheilbar zerschnitten waren. Das Tier musste eingeschläfert werden, um ihm einen weiteren Leidensweg zu ersparen.

„Dieser Vorfall hat uns und unsere Kinder sehr traurig gemacht“, sagt Andrea Krebbing. „Wir haben keine Haustiere, aber genießen den Anblick der Igel, Vögel und Frösche in unserem Garten.“ Frank Krebbing veröffentlichte in der Facebook-Gruppe „Du bist Halderner“ Fotos und Videos vom verletzten Igel und forderte alle Besitzer von Mäh-Robotern auf, die Geräte nachts auszuschalten und so die nachtaktiven Igel zu schützen.

Diethelm Graf von Plettenberg formuliert es drastischer: „Wer zu faul ist, seinen Rasen zu mähen, soll sich einen grünen Teppich in den Garten legen!“ Als die Rheinische Post ihn anruft, berichtet er, dass er allein am Vortag fünf Igel einschläfern musste, die unheilbar durch Mäh-Roboter verletzt worden waren. „In den letzten zwei Jahren haben diese Automaten zunehmend Konjunktur“, sagt der Tierarzt. „Im letzten Sommer wurden 50 verletzte Igel zu mir gebracht, in diesem Jahr schnellt die Zahl nur noch in die Höhe.“

Nachts stecke jeder Igel seine Nase überall dorthin, wo er Futter vermutet. „Das ist ganz normales Igelverhalten, nur die Mäh-Roboter sind nicht normal“, sagt Graf von Plettenberg. Er bittet darum, dass jedes „zermähte Tier“ zu ihm gebracht wird: „Eine große Zahl können wir durch eine lange, zum Teil aufwendige Behandlung wieder heilen. Die anderen können wir zumindest davor bewahren, zu verhungern oder von Maden zerfressen zu werden.“

Bei Frank Krebbing hat der Besuch in der Bocholter Kleintierklinik großen Eindruck hinterlassen: „Der Tierarzt ist ein bewundernswerter Mann. Wildtiere werden bei ihm kostenlos versorgt. Er bedankte sich bei uns, dass wir diesem Tier zumindest ein verlängertes Leiden erspart hätten. Er habe Tiere gesehen, denen die Nase abgetrennt worden sei, die Augen herausgeschnitten oder die Ohren abgeschnitten worden seien.“

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) weist in einer Presseerklärung darauf hin, dass Mäh-Roboter, die nachts in Betrieb sind, vor allem eine Gefahr für junge und somit kleine Igel darstellen: „Oft bleibt das Massaker auf dem Rasen allerdings unbemerkt, da die Wildtiere im Verletzungsfall keine Schmerzenslaute ausstoßen und sich ins Unterholz zurückziehen, um dort qualvoll zu verenden.“

Familie Krebbing war erleichtert, als am Donnerstagabend der zweite Igel, der immer in den Garten kam, unversehrt wieder auftauchte: „Wir hatten ihn seit Montag vermisst und befürchtet, dass er ebenfalls in einen Mäh-Roboter geraten war.“