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Emmerich: Loveparade: Sie waren dabei

Emmerich : Loveparade: Sie waren dabei

Jessica Bienert und Karolin Kliner waren am Samstag in Duisburg. Bei der Loveparade. Die beiden Emmericherinnen haben Glück gehabt. Doch die Bilder der Katastrophe werden sie so schnell nicht vergessen.

Sie sind ohne Schrammen davongekommen, aber der Schrecken steht den beiden jungen Frauen noch ins Gesicht geschrieben. Die Emmericherinnen Jessica Bienert und Karolin Kliner besuchten am Samstag die Loveparade in Duisburg und waren Augenzeuginnen der schrecklichen Ereignisse dort, bei denen 19 junge Leute starben und über 340 verletzt wurden.

"Wir wollten Party machen, tanzen und Leute kennenlernen", erzählte Jessica. Die 18-jährige Auszubildende zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten machte sich gegen 10.30 Uhr gemeinsam mit ihrer Freundin Karo per Bahn auf den Weg. "Eigentlich sollte um 11 Uhr Einlass sein, aber die ließen uns erst kurz vor 13 Uhr auf das Gelände", erzählt die 17-jährige Schülerin am Berufskolleg Wesel. Schon da drängten sich die Massen vor dem einzigen Zugang.

Die beiden jungen Damen, beide Fans der Techno-Musik, genossen die tolle Stimmung, kamen mit vielen Leuten ins Gespräch und tanzten. "Raver sind echt gut drauf und die Floats waren cool gestaltet", so Jessica.

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Doch dann konnten sie vom Festivalgelände aus beobachten, wie sich die Massen vor dem Zugangstunnel stauten. "Die Leute wurden aggressiv, kippten rechts und links die Abgrenzungszäune um", berichtet Karolin. "Wir mussten zur Seite springen, um nicht darunter begraben zu werden." Es war eine heikle Angelegenheit. Gegen 17.30 Uhr beschlossen die beiden, zurück zum Bahnhof zu gehen und mussten dafür durch den Tunnel.

Für sie war schockierend, was sie dort sahen: Leute lagen auf dem Boden, andere weinten und zitterten, Sanitäter und Polizisten liefen herum. "Wir dachten an Betrunkene oder Leute, die einen Sonnenstich haben." Erst später, als die Menschen zugedeckt wurden, realisierten sie, dass es sich um Tote handelte. "Wir wollten nur noch nach Hause." Mehrere Stunden mussten sie auf dem Bahnhof warten, ehe ein Zug fuhr. Erst um halb drei waren sie wieder in Emmerich. "Eine schreckliche Erfahrung", meint Jessy, deren Eltern große Angst um sie hatten. Auch Karo weiß: "Wir haben Glück gehabt."

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(RP)