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Lkw ignorieren Durchfahrtsverbot: Wie lange hält die Spijker Brücke noch?

Lkw-Fahrer ignorieren Durchfahrtsverbot : Wie lange hält die Spijker Brücke noch?

Die kleine und alte Brücke ist nur für Lastwagen bis 16 Tonnen zugelassen. Doch darum kümmern sich die meisten Fahrer nicht. Die Anwohner haben die Behörden informiert. An der Situation hat sich aber nichts geändert.

Ein Schild mit der Aufschrift „16 t“ steht an beiden Seiten der kleinen stählernen Brücke, die über die Wild führt und Elten auf deutscher Seite und Spijk auf niederländischer Seite miteinander verbindet. Doch viele Fahrer von Schwertransporten scheinen dieses Schild zu ignorieren. „Das beobachte ich schon seit Jahren“, sagt Herbert Jansen, der am Spijker Weg wohnt. „Ich habe an einem Tag schon über 60 Fahrzeuge gezählt, die schwerer als 16 Tonnen waren, sogar einige 40-Tonner waren dabei.“

An der linken Seite der Spijker Straße liegt Deutschland, an der rechten Seite beginnen die Niederlande. Hier stehen auch etliche Firmen, unter anderem eine Steinfabrik, eine Recyclingfirma und ein Unternehmen für Stahlrohre. Für die Zu- und Auslieferung fahren hier mehrere Lkw am Tag. „Leider immer über die Brücke. Die ist schon abgesackt“, beschreibt der 74-jährige Jansen, der bereits seit 50 Jahren am Spijker Weg wohnt, seine Beobachtungen.

Das war für ihn ein Grund, das Ordnungsamt zu informieren, das dann die Polizei zur Kontrolle schickte. „Ich habe das Polizeiauto auch gesehen, wie es in Richtung Damm fuhr. Dem kamen große Lkw entgegen, doch diese wurden nicht mal angehalten“, bedauert Jansen. „Hier ist das Ende von Deutschland, ich habe den Eindruck, da kümmert sich keiner drum.“

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Ein anderer Anwohner schlug vor, die „16 t“-Schilder früher aufzustellen. „Die Schwerlastfahrer, die über den Damm kommen, merken erst auf dem Spijker Weg, dass sie hier nicht fahren dürfen.“ Einige würden dann versuchen, zu wenden und hätten dabei schon Gatter und Schilder umgefahren. Dennoch hat sich nichts getan.

Jetzt kommt das Ganze aber in Bewegung. Engelbert Frölich aus Elten möchte die kleine Spijker Brücke bei der Ende April stattfindenden Ortsbegehung der CDU Hüthum-Borghees-Klein-Netterden zum Thema machen. Neben Stefan Wachs, der bei den Ortsbegehungen meist dabei ist, hat Frölich auch die Denkmalschutzbeauftragte Wiebke van Meegen angesprochen und um Teilnahme gebeten, denn die Brücke steht bereits seit 1993 unter Denkmalschutz.

Außerdem hat Frölich den geschichtsinteressierten Professor Christian Holland, ehemaliger Chefarzt im Willibrord-Spital, angesprochen, der sich bei seiner Recherche über die kleine Brücke mit dem Brücken-Experten Derek Flippance getroffen hatte, der 24 Jahre bei den britischen Pionieren war.

Dabei kam heraus, dass es so eine stählerne Brücke nur noch zwei Mal auf der Welt gibt: eine steht in Elten, die zweite in Kanada auf einem Übungsplatz für Pioniere. Flippance, der ehrenamtlich im Pioniermuseum im englischen Chattam tätig ist, erklärte, dass die Brücke wahrscheinlich 1945 nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von Pionieren erbaut wurde.

„Wir werden anregen, dass ein neutrales Gutachten über die Standfestigkeit der Brücke erstellt wird“, sagt Frölich. Interessant fände er auch eine Videoüberwachung mit Kennzeichenfeststellung. So könne man nachvollziehen, ob ein Fahrzeug überhaupt über die Brücke fahren darf. Ohne Kontrolle würden die Lkw weiterhin die Brücke benutzen, ist er sich sicher. „Denn der Weg über die N811 nach Babberich, dann auf die N336 und die N812 auf die A12 bis zur A3 ist ein riesiger Umweg. Solange keiner kontrolliert, werden viele trotzdem die Abkürzung über die Brücke wählen.“

(moha)