Emmerich: Lions-Absage sogar von der Kanzel aus

Emmerich: Lions-Absage sogar von der Kanzel aus

Für gestern waren Sturmböen angesagt. Die Veranstalter wollten kein Risiko eingehen und erklärten bereits am Samstag den Verzicht auf die Veranstaltung am Sonntag rund ums Schlösschen Borghees.

Langsam fährt ein Auto mit Weseler Kennzeichen an der Borgheeser Reithalle vorbei und hält an. Der Fahrer kurbelt das Fenster herunter und fragt: "Wo ist denn hier der Weihnachtsmarkt? Hier sollte doch einer stattfinden?" Man habe diesen aus Sicherheitsgründen schweren Herzens absagen müssen. "Wir haben gestern erfahren, dass Unwetter mit starken Sturmböen vorhergesagt wurde", erklärt geduldig Lions-Mitglied Heiner van Bebber allen Besuchern, die von der Absage am Sonntag noch nichts mitbekommen hatten. Als "Trostpflästerchen" gibt es für jeden eine Tüte Katjes, die eigentlich der Nikolaus an die jüngsten Weihnachtsmarktbesucher hätte verteilen sollen.

Das sei in den 18 Jahren, in denen der traditionelle Lions-Weihnachtsmarkt rund um das Schlösschen Borghees durchgeführt wird, noch nie vorgekommen, sagte Heiner van Bebber, der sich mit seinen Lions-Kollegen bei der Information der Besucher abwechselte. Dabei wäre gerade die Schnee-Kulisse mit den weißen Wiesen und dem verschneiten Wald ein Traum für einen Weihnachtsmarkt. Schöner könnte es kaum sein. "Aber die Sicherheit geht vor."

Nachdem die Wettervorhersagen für das Wochenende alles andere als freundlich aussahen, hatten sich die Verantwortlichen für den traditionellen Markt, Klaus Telaak, Alex Reinhardt-van Gülpen, Jürgen Schneegans und Frank te Kempel vom THW bereits am Samstagmorgen zusammengesetzt und überlegt, was zu machen sei. "Wir haben sämtliche Wind- und Wetterapps durchgeschaut, da waren von Sturmböen bis Windstärke 9 die Rede", erzählte Jürgen Schneegans. Es sei zu riskant gewesen, den Markt durchzuführen - auch wegen der hohen Bäume, die am Schlösschen stehen. Und da die meisten Besucher zu Fuß durch den Borgheeser Wald zum Schlösschen kommen, bestand die Sorge, dass sie von herunterfallenden Ästen getroffen werden könnten. Außerdem habe man Bedenken gehabt wegen der Wiese, die zum Parken vorgesehen war, da diese sehr matschig war. "Wir haben den Weihnachtsmarkt dann mit einem weinenden Auge abgesagt." Immerhin nahmen die Vorbereitungen mehrere Monate in Anspruch. Alle Händler wurden telefonisch informiert, rund 45 Stände sollten in diesem Jahr aufgebaut werden. "Die Händler waren natürlich enttäuscht, zeigten aber Verständnis." Über Facebook, über die Internetseite der Lions und über Antenne Niederrhein wurde die Absage bekannt gegeben. "Auch von der Kanzel in den Kirchen wurden die Emmericher informiert", so Schneegans. Für diejenigen, die trotzdem kamen, darunter Autos mit Weseler, Bocholter und niederländischen Kennzeichen, gab es dann noch die persönliche Erklärung vor Ort und das süße Trostpflaster.

Trauriger Anblick: Monatelange Vorbereitungen - und dann die Absage. Foto: van Offern Markus
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Einsam stand das kleine Kinderkarussell, dick eingepackt in eine rot-weiß-gestreifte Plane, vor dem Schlösschen. An der Türe hing das Plakat des Weihnachtsmarktes mit dem Hinweis: "Fällt aus". Hinter dem Schlösschen packten Uli Mebus und Michael Verhey ihre Sachen zusammen. "Das wäre der Glühwein- und Getränkestand gewesen", sagte Michael Verhey.

Bereits am Freitag hatte ein Team den Stand aufgebaut, also vor der Absage. Jetzt wurde alles wieder verstaut, ohne es benutzt zu haben. Man verstehe die Entscheidung des Lions-Clubs, sagte Michael Verhey. "Wir vom Geck kennen uns mit Großveranstaltungen aus und wissen um die Verantwortung, die man trägt."

Dr. Stefan Dahms (l.) und Alex Reinhard van Gülpen verteilten zum Trost Katjes-Tüten. Foto: van Offern Markus
(moha)